Die EU war in ihren besten Zeiten eine Art aufgeklärter Absolutismus. Alan Sked

Helden der Arbeit

Viel wird über den Datenschutz bei Facebook diskutiert. Doch die Vorteile werden leicht vergessen: Soziale Netze verbessern mit der Kommunikation auch die Kollaboration. Die Nutzung von Facebook und Co. durch Unternehmen verspricht bessere Ideen, schnellere Ergebnisse und intelligentere Produkte.

“Privatsphäre ist nicht mehr zeitgemäß”, findet Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Privatsphäre sei inzwischen ein überholtes Konzept, da mehr und mehr Nutzer immer mehr von sich persönlich im Internet preisgäben. Mehr als eine Identität zu besitzen sei “ein Beispiel für einen Mangel an Integrität”. Damit stößt er viele Menschen vor den Kopf, die jeden Eingriff in diesen inneren Zirkel mit einem Aufschrei der Empörung quittieren. Da passt es ganz gut, dass Zuckerberg in dem neuen Film als unsympathischer Nerd skizziert wird. Master Zuckerberg wird das nicht stören. Zeigt ihm doch ein Blick auf sein Bankkonto, wer recht hat und wer von Privatsphäre redet, aber alles im Internet ausplaudert – vom Springbreak-Besäufnis bis hin zu eher gewöhnungsbedürftigen Farmville-Aktivitäten. Denn die Menschen lieben es, “Ich-Sender” zu sein.

Facebook hat Wirtschaftsgeschichte geschrieben

Der jüngste Milliardär der Welt hat recht. Sein vor sechs Jahren gegründetes Facebook hat Wirtschaftsgeschichte geschrieben, ist eine der am schnellsten wachsenden Communitys weltweit. Aber nur Facebook mit Social Media gleichzusetzen wäre zu kurz gedacht. Ja, die modernen Menschen lieben es – von den USA bis nach China –, mit ihren Mitbürgern und Freunden in nahezu ständigem Kontakt zu stehen. Dank Smartphones und Flatrates ist das ja auch kein Problem mehr.

Aber auch die Förderung der ungebrochenen Mitteilungsfreude des hoffnungsfrohen Nachwuchses ist nur ein möglicher Aspekt der Social Media. Langsam, aber sicher werden die sozialen Medien auch zu einem wichtigen Tool im modernen Marketing-Mix. Denn immer mehr Unternehmen sehen in ihnen mehr als nur eine Spielerei oder einen schnell verpuffenden Hype.

Social Media wird zu Marketing

Doch auch die Verbesserung der Kommunikation ist wiederum nur ein Teil der Zukunft. Aus den bloßen Ich-Sendern werden immer mehr auch “Ich-Arbeiter”. Menschen, die nicht nur über Social Media kommunizieren, sondern zusammenarbeiten. Was zunächst als reines Vernetzen von Menschen begann, entwickelt sich zunehmend zu neuen Formen des inhaltlichen Mitarbeitens. Unternehmen wie etwa jovoto.com haben eine Entwicklung angestoßen, deren Ende noch nicht absehbar ist. Auch auf diesem Feld wird mit den Möglichkeiten von Social Media Geld verdient. Gerade im Bereich der Ideenfindung (Open Innovations) lässt sich die “Weisheit der vielen” bestens nutzen.

“Connecting Ideas” heißt die Formel, die das Zeug hat, unser Verständnis von Innovation zu revolutionieren. Dieser Gedanke besticht durch seine Klarheit und effiziente Umsetzung. Kreative sind nicht nur in einem Social Network miteinander verbunden, tauschen sich aus oder halten Kontakt. Nein, sie arbeiten zusammen an einem Projekt, bewerten ihre Arbeit, helfen sich – das ist Social Production. Und das nicht nur in kleinen Gruppen von drei oder vier, sondern zu Hunderten oder Tausenden. Die Vorteile liegen auf der Hand: Vom Wissenstransfer führt der Weg zu intensiverer Zusammenarbeit und damit zu kollektiver Intelligenz und besseren Ideen, ja, sogar besseren Produkten.

Die Arbeit wird effizienter und macht mehr Spaß. Gute Ideen oder Produkte werden von der Community benotet, und so kristallisiert sich die Idee heraus, die vom allgemeinen Sachverstand der Community für die beste Idee oder das beste Produkt gehalten wird. Entwicklung und Marktforschung in einem.

Crowdsourcing und die Zusammenarbeit von Einzelnen (Collaboration) wird praktisch jeden Bereich der globalen Wirtschaft erfassen und traditionelle Unternehmensstrukturen als wichtigste Triebkraft für die Erzeugung von Wohlstand ablösen. Es bleibt spannend!

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Dorothee Bär, Max A. Höfer, Christoph Koch.

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