Das Parlament erstickt in Floskeln, Ritualen und höfischen Zeremonien. Roger Willemsen

Zwei Seiten einer Medaille

Was wirklich hinter dem Kampf gegen die sexuelle Selbstbestimmung der Frau und gegen die Sterbehilfe steckt.

I. TEILAVERS

In jedem klassischen Horrorfilm rotten sich wildgewordene Kleinstädter zusammen, um mit Mistforken oder Kreuzen das Geschöpf Frankensteins, den genialen Baron selbst oder den libertinen Vampirgrafen zu jagen und zu vernichten. Angeführt werden sie zumeist von ihrem opportunistisch-bonhomischen Bürgermeister, der sich dabei ganz groß vorkommt, nahezu als Retter des Abendlandes hinter seinen sieben Bergen Transsylvaniens.

Dieser Topos im Horrorfilm dient der Wiederherstellung der traditionellen Ordnung, ein gewalttätiges Normierungsunternehmen: Es wird mit Kreuzen gefuchtelt, auf Scheiterhaufen verbrannt oder gepfählt ohne Rücksicht auf Verluste.

Seltsam nur, dass die großen Horrorregisseure wie James Whale oder Mario Bava die Figuren des genregemäß obsiegenden Volkszorns nicht als Verteidiger von Sitte und Anstand, sondern als dumpf-unverständige und hysterisch-furchtsame Masse darstellen. Das Interesse und das Mitgefühl dieser Regisseure gilt den zu Monstern stilisierten Charakteren, die von der Menge als Vertreter des Bösen, des Satans bekämpft werden.

Tatsächlich aber ist das Geschöpf Frankensteins ein einsamer Außenseiter, sein Macher, der Baron, ein Wissenschaftler, der gegen Vorurteile und Dummheit ankämpfen muss, und der an Frauen wie Männern sich oral befriedigende Vampir ist ein Wesen mit dem Mut zu Lust und Leidenschaft jenseits der Missionarsstellung.

Strafe Gottes für sexuelle Freizügigkeit

Solche Subtexte durchziehen die besseren Filme des Horrorgenres und konterkarieren das inhärent Reaktionäre. Selbstständiges Denken, Forschen und vor allem selbstständige Sexualität und Gefühle werden bestraft – ganz deutlich wird das in Splatterfilmen, in denen Jugendliche, die nicht enthaltsam sind, unter scheußlichen Qualen vernichtet werden. Wenn es nicht der Teufel selbst ist, wie im „Exorzisten“, der sich an Halbwüchsigen austobt, dann sind es Ungeheuer wie aus Brueghel’schen Höllen entsprungen, vernarbt wie Freddy Krueger oder gesichtslos-maskenhaft wie Halloween-Myers; Sendboten des Teufels, die die göttliche Strafe vollziehen für eigenständig-lustvolle Sexualität für erste selbstständige Gehversuche im Leben.

In diesem Sinne interpretieren – im 21. Jahrhundert – auch die führenden katholischen Kleriker der westafrikanischen Länder, in denen Ebola wütet, die Seuche als Strafe Gottes für sexuelle Freizügigkeit! Die rachsüchtige Restauration des Horrors ist also durchaus noch immer in der Wirklichkeit zu verorten.

Das Horrorgenre in der Literatur – aus dem das Kino später seine Anregungen und Vorlagen zieht – entsteht zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Reaktion auf die Aufklärung, die Menschen zu eigenständigem Denken und selbst verantwortetem Leben führen will. Noch einmal wird mit der Gruselliteratur von Matthew Gregory Lewis’ „Mönch“ bis zu Bram Stokers „Dracula“ das angebliche Grauen beschrieben, das ausgelöst wird, wenn man „den rechten Weg“ verlässt. Es sind Werke des Reaktionären, der banalen religiösen Vorstellung, es gäbe das Gute und das Böse.

Seitenbemerkung: „Frankenstein“ von Mary Shelley ist durchaus von anderem Kaliber. Hier wird nicht religiös fundiert über Schuld und Sühne diskutiert, es ist ein Werk der Rebellion – das lässt schon das Zitat aus Miltons „Paradise Lost“ ahnen, das Mrs. Shelley ihrem Roman voransetzt: „Did I request Thee, Maker, from my clay to mould me Man?“ – aber das nur nebenbei …

Sehnsucht nach voraufgeklärtem Gesellschaftsgefüge

Eigenartige Aufmärsche hat es viele gegeben: den Marsch auf Rom mit den vollen Balbohosen oder den unseligen Marsch zur Feldherrnhalle. Seit einigen Jahren nun gibt es auch Märsche für das Leben. Am vergangenen Wochenende fand wieder so einer statt, in Berlin. 5000 Menschen fanden sich zusammen, um – Kreuze und Transparente schwenkend unter dem Absingen frommer Hymnen – gegen Abtreibung, Feminismus, sexuelle Selbstbestimmung und auch gegen Sterbehilfe zu demonstrieren. Führend wie immer der Durch-und-durch-Katholik Martin Lohmann.

Ich kann mir nicht helfen. Dieser Marsch und seine Teilnehmer erinnern mich an die Aufmärsche der Landbevölkerung angeführt von ihrem Bürgermeister in jenen frühen Horrorfilmen. Diese Kino-Aufmärsche und die Märsche für das Leben dienen dazu, die gute alte Zeit ohne künstliche Menschen, ohne sexuell freizügige Adlige oder gotteslästerliche Wissenschaftler wiederherzustellen. Restauriert werden soll die kleinbürgerliche Welt der Papa-Mama-Kind-Verzahnung, eine Gesellschaft mit einem Minimum an Bildung – ja, eigentlich mit der Verachtung von Wissen – und der Bevorzugung von Glauben. Ein politischer Akt der Selbstbestätigung, der Abwehr sich entwickelnder Menschlichkeit, ein Durchsetzen paternalistisch-patriarchalen Starrsinns. Er repräsentiert die Sehnsucht nach einem Aufgehobensein in einem voraufgeklärten Gesellschaftsgefüge, den zivilisationsfernen Wunsch nach unhinterfragtem Gehorsam und dem devoten Leben auf den Knien vor dem Klerus, versorgt mit dem Gnadenbrot des Allmächtigen und seiner Kirche.

Filme sind der Spiegel der bestehenden Gesellschaft, wie Siegfried Kracauer sagte – so wie die erwähnten Horrorfilme Angst machen vor fiktiven Ungeheuern, die eigentlich Repräsentanten der Freiheit und Selbstbestimmung sind und deshalb zu Außenseitern, zum Bösen schlechthin stilisiert werden –, so bemühen sich die Organisatoren der Lebensmärsche, das Menschenrecht des selbstbestimmten Lebens, der selbstbestimmten Sexualität und des selbstbestimmten Todes und ihre Verteidiger als das Böse schlechthin darzustellen. Das wird dann zur irrationalen Basis ihrer undemokratischen Forderungen.

Rationalität darf man von diesen Leuten nicht erwarten. Wer die Welt nach den höchstens zwiefältigen Kategorien seines Gottes in Gut und Böse einteilt und daraus eine speckige Selbstgerechtigkeit ableitet, ist weder fähig noch willens, Lebensrealitäten anzuerkennen; ihm ist sein fiktiv-transzendentes Ideal allemal wichtiger als der Mensch und sein Leiden. Dieser gottesdevote Primitivdualismus hat jahrhundertelang den politischen, wissenschaftlichen und vor allem den menschlichen Fortschritt behindert. Wer das Leiden adoriert und mit den Kategorien von Gut und Böse Menschen einteilt, ist gefährlich.

So wird Hexenverfolgung verteidigt

Wenn diese Wirrköpfigkeit Widerstand spürt, dann stilisiert man sich raffiniert zum Opfer der bösen Mächte. Martin Lohmann, der Vorsitzende des Bundesverbandes Lebensrecht und Cheforganisator der Berliner Demo, greint auf kath.net über die sehr deutliche Antwort einer ungenannten Politikerin der Partei Die Linke auf eine Einladung zu seinem diesjährigen Marsch für das Leben:

„Ihren antifeministischen, antiemanzipatorischen und konservativen Dreck können Sie gerne behalten! Wir verbitten uns für die Zukunft weitere Mails Ihres Verbandes und hoffen inständig, dass Ihnen das Bündnis gegen den Marsch für das Leben am 20. September ordentlich in die Suppe spuckt!“ – so die Rückmeldung von den Linken.

Gewiss, höflich-verlogen ist das nicht – aber auf den groben Klotz der opportunistischen Katzenfreundlichkeit der Lebensschützer gehört ein entsprechender Keil. Die wütende Antwort auf seine provozierende Einladung interpretiert Martin Lohmann in einer Art und Weise, wie sie in dunkelsten Zeiten Gang und Gäbe war. Ich rede von Zeiten, in denen derjenige, der nicht an Lohmanns Gott glaubte, als Jünger des Satans, als etwas Böses, verunglimpft wurde. Auf kath.net klagt also Lohmann: „Da lugt Böses aus solchen Worten einer Politikerin heraus. Hass ist eine Verbrüderung mit dem Bösen, gleichsam die Gefangennahme durch das Böse. Und Hass ist immer böse. Es sei denn, man hasst die Sünde, also das Böse!“

Mit solchen Gedanken werden Hexenverfolgung und Kreuzzüge begründet und verteidigt. Das wundert nicht, denn Lohmann ist ja auch Ritter des Ordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem; er steht in einer historischen Tradition.

Pikante Zusammenschlüsse

Leider sind solche rhetorischen Unterfütterungen von Kreuzzügen seit dem evangelikalen George Bush auch in der Politik wieder gesellschaftsfähig geworden. Womit sich der Kreis zu den wütenden Kleinbürgern in den Horrorfilmen schließt. Wie sagt der opportunistische Polizeiinspektor Kemp in Mel Brooks „Young Frankenstein“, als die Kleinstädter angesichts von Frankensteins Experimenten zu murren beginnen: „Das gibt einen Aufstand. Und das wird fürchterlich!“

Spaß beiseite, fürchterlich wird es wirklich, wenn diesen sogenannten Lebensschützern und ihren Forderungen nachgegeben wird. Sie geben sich nicht mit dem kleinen Finger zufrieden wie man es bei den Kinderschützern, die gegen Homosexuelle in Baden-Württemberg hetzen, erlebt. Es sind übrigens nahezu die gleichen fundamental-katholischen oder evangelikalen Figuren und Organisationen, hier wie dort. Darunter so pikante Zusammenschlüsse wie die AUF-Partei, deren Spitzenkandidatin für die Europawahl ausgerechnet Christa Meves war, oder die Partei Bibeltreuer Christen. Rechtslastige Medien wie EWTNtv oder kath.net gehören zu den Unterstützern. Und meine alten Freunde vom Weißen Kreuz sind natürlich auch dabei, sogar die Junge Union Berlin. Volker Kauder schickte ebenso Grußbotschaften wie die Kardinäle Woelki oder Marx. Selbstgerechte Christen, wohin man nur blickt! Ach, ich vergaß, die AfD ließ auch schön grüßen … selbst Papst Franziskus drückte seine Freude aus …

Liest man die Liste der Beteiligten auf der Internetseite „Marsch für das Leben 2014“, hört man vor seinem geistigen Ohr, sozusagen, die Litanei, die immer zu den christlichen Katastrophenszenarien des Moralverfalls angestimmt wird: Das christliche Abendland ist bedroht, der Untergang ist nahe, wenn die Menschen ihr Leben und Sterben selbst in die Hand nehmen.

Es geht diesen Leuten natürlich nicht um den Schutz des Lebendigen, sie wollen auf der Basis ihrer irrationalen Gottesvorstellungen längst erreichte Menschenrechte zurückdrängen. Das geistige Terrain dafür bereiten Martin Lohmann selbst (z.B. mit seinen originellen TV-Auftritten bei Plasberg, Lanz oder Jauch) oder Figuren wie der Dominikanerpater Wolfgang Spindler, der dieses Jahr auf dem Aschermittwochsfischessen der CSU in Geretsried über die „Inflation an Menschenrechten“ klagte.

Menschenrechte sind nämlich für Lebensschützer keine Diskussionsbasis; letztendlich geht es nur um die Rechte ihres Gottes, aus denen sie Pflichten für alle Menschen ableiten, christlich oder nicht. Ob diese Pflichten Leid erzeugen, ist gleichgültig. Wenn es Leiden gibt, dann kommt auch das von Gott, es hat einen Sinn, selbst wenn wir ihn nicht verstehen. Deshalb muss man es annehmen oder mit christlicher Barmherzigkeit lindern.

Sie wollen auch zwingen

Barmherzigkeit ist aber keine humane Kategorie, sondern ein Gnadenakt der Tyrannen; Tyrannen können Barmherzigkeit spenden oder es auch lassen. Ein Recht darauf haben die Menschen nicht. Das verweist sie in die devote Sklavenhaltung, auf die Knie, in Lumpen, vor Gottesfurcht klappernde Knochengestelle, die Hände bittend, betend und bettelnd ausgestreckt nach ein paar Brocken Gutdünken. In dieser erbärmlichen Haltung möchten die Fundamentalchristen, die in Berlin aufmarschierten, verharren. Sie mögen sich dieser masochistischen Übung gern unterziehen. Aber sie wollen nicht allein bleiben – sie wollen alle anderen, die an göttlicher Barmherzigkeit nicht interessiert sind oder sie ablehnen, auch dazu zwingen.

Mit dieser untertänigen Leidensbesoffenheit wird die patriarchale Herrschaft über den Körper, den Uterus der Frau, gerechtfertigt. Das ganze Gerede von Lebensschutz entbehrt jeder intellektuellen und wissenschaftlichen Grundlage. Lebendig ist nämlich auch schon die Eizelle, lebendig auch schon das einzelne Spermium – aber beide sind angewiesen, um zu überleben, auf die Ovarien der Frau oder die Hoden des Mannes. Konsequent zu Ende gedacht, wären Amputationen dieser Organe bei Krebs auch schon lebensfeindliche Aktionen. Ja, noch mehr: Eigentlich dürfte kein weibliches Ei verloren gehen (jedes müsste befruchtet werden), dürfte kein männlicher Same verschwendet werden – ah, ich vergaß, Masturbation ist ja auch schon eine Sünde und ein Verbrechen – da ist längst ein religiöser Riegel vorgeschoben. Die Herrschaft der Religion und ihres Klerus über die Körper der Menschen war leider einmal bis zur Aufklärung die Regel.

All diese, mit Verlaub, christlichen Eiertänze um Zeugung und Schwangerschaft resultieren aus patriarchalen Zeiten, in denen man geglaubt hat, im männlichen Samen sitze bereits ein völlig ausgebildeter Homunculus, der nur das Gefäß des weiblichen Körpers brauche, um zu wachsen. Kein Wunder also, dass Martin Luther verächtlich sagen durfte, die Frauen sollten sich ruhig zu Tode gebären, sie seien dafür da.

Religiöse Fantasie-Geschichten

Die einzige Gebärerin, die die Katholiken verehren, Maria, ist auch nur ein Gefäß für den Samen Gottes gewesen – ein auserwähltes allerdings und wird jetzt wie eine kostbare Vase oder Bonsai-Pflanzschale verehrt.

Solche aus biologischer Unkenntnis und Penisbesessenheit entstandene Frauenverachtung kommt bis heute in unserer Sprache nieder; Ausdrücke wie: „sie trägt sein Kind unter dem Herzen“ oder „wessen Kind bekommst du denn?“ bestätigen das.

Nebenbei gesagt – auch das Herumreiten der Catholica auf der „Beseelung“ der Eizelle im Moment der Befruchtung ist pure Willkür: Bis ins 19. Jahrhundert geschah das mal 30, mal 40 Tage nach der Befruchtung – aber natürlich wurde zuerst die männliche, später dann die weibliche Seele eingeblasen in den Bauch der Mutter und das bei feuchten, widrigen Winden! Inzwischen hat man sich entschieden, schon die Zygote als beseelte Person anzusehen und deshalb den Bauch der Frau als menschenrechtsfreien Bereich darzustellen.

All diese religiösen Fantasie-Geschichten funktionieren nur, wenn man eine ewig existierende Seele voraussetzt, einen Himmel und eine Hölle und einen unergründlichen alles an-, ab- und aufregenden personalen Himmelsvater. Den patriarchalen Erzeuger, der Leben schenkt und nimmt nach phallischem Gutdünken – ob gnädig oder grausam ist gleichgültig, es ist sein Recht. So wie die Frauen ihren Körper den Männern hingeben (allein dieses deutsche Verb ist schon entlarvend), um den Samen der Männer auszutragen (sic!), so sollen alle Menschen sich dem Vatergott unhinterfragt hingeben.

Mit diesen Vorstellungen schwingen sich Lebensschützer aller Religionen zur Moralpolizei auf und ziehen als Gottesanbeter und Vollstrecker seines Willens durch Wuppertal oder Berlin. Vor das Recht der einzelnen Person auf Selbstbestimmung, der Frau über ihren Körper und des Leidenden über sein Leben setzen sie die Allmacht ihres Gottes.

Es geht nicht nur um die Abtreibung

Beim Marsch für das Leben geht es also um mehr als das Recht der Frauen am eigenen Körper, auf sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung. Die sogenannten Lebensschützer leugnen dieses Menschenrecht. Und wer es gesetzlich verbieten lassen will – das ist ja die Forderung der Demonstranten –, der hört mit dem Verbieten nicht auf. Die anderen Baustellen, auf denen die Lebensschützer politische Wühlarbeit betreiben, sind bekannt: Rechte für sexuelle Minderheiten, der Kampf gegen Diskriminierung, Sterbehilfe.

Es geht also nicht nur um die Abtreibung; nein, es geht um einen anderen Staat, einen am Gott der Lebensschützer ausgerichteten Staat. Kein Wunder also, dass die gleichen Leute, die hier demonstrieren, begeistert der gelenkten Demokratie Putins mit der bigotten Moralinstanz der orthodoxen Kirche zujubeln oder der neuen ungarischen Verfassung „unter Gott“, die eigentlich zum Ausschluss Ungarns aus der EU führen müsste.

Wie ein solcher Gottesstaat aussehen soll, kann man im Verfassungsentwurf der Piusbrüder lesen: Abschaffung der parlamentarischen Demokratie und ihrer Voraussetzung des „One-Man One-Vote“, Verbot von Abtreibung und Verhütungsmitteln, Einschränkung der Forschung und Religionsfreiheit – daraus folgen dann die Rücknahme der Rechte von Frauen und Kindern, die Einführung der Todesstrafe (wie ja Lebensschützer nie Probleme haben gegen die Abtreibung, aber für den staatlich verhängten Mord einzustehen), die Verhängung von Blasphemiegesetzen und damit das Ausdörren von Wissenschaft, Forschung und Kultur.

Nachtrag:
Nachdem ich mir die frommen Forderungen des „Bundesverbandes Lebensrecht“ in seiner „Berliner Erklärung zum Schutz des menschlichen Lebens“ anlässlich der Demo am 20. September noch einmal zu Gemüte geführt hatte, um sie mit diesem Text abzugleichen, geriet ich per Zufall auf eine Internetseite, die die groteske Diskrepanz zwischen dogmatischem Lebensschutz und der Vernachlässigung des Lebendigen grausam aufzeigte. In einem Artikel über den obszönen, schon nicht mehr bezifferbaren Reichtum der katholischen Kirche war das Foto eines höchstens sechsjährigen Klappergestells, das eigentlich ein Kind sein sollte, eingefügt. Gehüllt in einen Lumpen, beugte es sich über achtlos weggeworfene Essensreste auf der Straße.

Dieses Foto hat mich nicht mehr losgelassen. Denn anders als die Plastikpüppchen, die Frauen vor Gynäkologenpraxen von Lebensschützern in die Hände gedrückt werden, zeigte jenes Bild das zu Tränen rührende Leid eines lebendigen Kindes, das um einen Bissen vergammelter Nahrung auf den Knien lag, von Zuwendung und menschlicher Wärme ganz zu schweigen. Ein Leid, für das die selbstgerechten Lebensschützer blind sind, aber auf das wir nicht nur mit Scham, sondern mit bedingungsloser Hilfe reagieren müssen.

Die Märsche für das Leben von Zygoten ändern an solchem Leid lebendiger Menschen aber nicht das Geringste!

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Wolfgang Brosche: Liebet den Zellklumpen!

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