Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen und Gott und dem Evangelium mehr als dem Papst. Hans Küng

„Unternehmen wollen keine philanthropische Organisationen werden“

Ist Corporate Social Responsibility überhaupt messbar? Für Michael Werner, verantwortlicher Partner für den Bereich Sustainability Services bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers in Deutschland, steht der Nutzen von Nachhaltigkeit fest.

The European: In der Finanzkrise fahren viele Unternehmen ihre Aktivitäten in Corporate Social Responsibility zurück. Können Sie diesen Eindruck bestätigen?
Werner: Eigentlich nicht. Große, am globalen Kapitalmarkt orientierte Unternehmen ändern ihre CSR-Strategie in der Krise höchst selten. Bei den im Dax und M-Dax notierten, also den 100 größten deutschen Unternehmen, sehe ich keine Änderung.

The European: Aber bei Spenden und kleineren, philanthropischen Projekten ist sehr wohl ein Rückgang der Engagements spürbar.
Werner: Das mag sein, aber ich finde, dass die Krise einen guten Anlass gibt, über Sparsamkeit nachzudenken. In der Vergangenheit ist hier zu oft nach dem Prinzip Gießkanne verfahren worden, ohne mit CSR auch eine Strategie zu verfolgen, die dem Unternehmen nützt.

The European: Bei global operierenden Unternehmen ist Corporate Social Responsibility mittlerweile Standard. Aber ist der Erfolg von CSR überhaupt messbar?
Werner: Ich glaube schon. Der Kapitalmarkt hat mit den Dow-Jones-Sustainability-Indizes eine ganze Familie von Aktienindizes geschaffen, die neben ökonomischen auch ökologische und soziale Kriterien berücksichtigen. Darin sind Unternehmen vertreten, die sich der Nachhaltigkeit verschrieben haben. Gleichzeitig werden Unternehmen aus den Branchen Glücksspiel, Alkohol, Tabak, Waffen ausgeschlossen. Anleger können so mit gutem Gewissen investieren. Und das tun sie in zunehmendem Maße.

The European: Pensions- und Staatsfonds investieren pro Jahr Milliardensummen in Investmentfonds und Aktien. Ist Nachhaltigkeit für diese Großanleger ein Thema?
Werner: Zunehmend ja. Der norwegische Pensionsfonds gehört zu den größten der Welt und agiert als eine Art moralische Macht am Markt. Unternehmen, die nicht nachhaltig wirtschaften, wirft der Fonds aus seinem Portfolio, zum Beispiel das US-Unternehmen Wal Mart. Aber auch die viel geschmähte Private-Equity-Branche setzt mittlerweile auf nachhaltig agierende Unternehmen.

The European: Wie wichtig ist es, dass eine CSR-Aktivität zum Markenkern des Unternehmens passt?
Werner: Das ist für die Glaubwürdigkeit entscheidend. Es macht Sinn, dass die Deutsche Post sich weltweit bei der Katastrophenhilfe engagiert, denn es betrifft ihre Kernkompetenz Logistik. Das heißt aber nicht, dass ein Unternehmen nicht auch kleinere, philanthropische Projekte in der Nachbarschaft fördern sollte.

The European: Woher weiß ich als Verbraucher, ob ein Unternehmen sich mit CSR nicht nur schmückt, sondern es mit der Nachhaltigkeit ernst meint?
Werner: Der Begriff Nachhaltigkeit hat das Zeug, zum Wort des Jahres zu werden. Mittlerweile hat er ja sogar Eingang in die Gesetzgebung erhalten, beispielsweise bei Gesetzen, die zur Zügelung von Auswüchsen am Kapitalmarkt erlassen werden sollen. Ich denke, dass Unternehmen die Bedeutung von Nachhaltigkeit und CSR erfasst haben.

The European: Auch jene Unternehmen, die in Vergangenheit als Sünder aufgefallen sind?
Werner: Diese Firmen gehörten oft sogar zu den Pionieren, was den Einsatz zu CSR anbelangt. Nachhaltigkeit hat eine Risiko-, aber auch eine Chancenseite. Risiko, weil CSR-Strategien von Stakeholdern eingefordert und kritisch begleitet werden. So hat der Energiekonzern RWE den geplanten Bau eines neuen Steinkohlekraftwerks im saarländischen Ensdorf abgesagt. Grund war ein deutliches Bürgervotum gegen die Anlage. Da stellt sich für das Unternehmen schon die Frage, wie es seine Strategie in bestimmten Märkten durchsetzen kann. Aber im Rahmen einer CSR-Strategie kann ich eben nicht an den Stakeholdern vorbeikommunizieren, auch wenn das ein unternehmerisches Risiko bedeutet. Ich plädiere dafür, über die Chancenseiten intensiver nachzudenken. Die Unternehmen wollen ja keine philanthropische Organisationen werden. Sie wollen Geschäfte machen. Mit Nachhaltigkeit haben sie da alle Möglichkeiten. Neue Antriebsformen für Fahrzeuge sind da nur ein Beispiel.

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