Es gibt keinen Grund, zu denken, dass wir Menschen besonders gut darin sind, Moralvorstellungen umzusetzen. Ronald C. Arkin

Fünf Gründe warum Berlin eine miserable Hauptstadt ist

Berlin wird von Spießern als “die coolste Stadt Deutschlands” gefeiert. Modern, wild, inspirierend, sei sie. Arm, aber sexy. In Wahrheit ist Berlin vor allem arm. An Erfolg, an Leistung, an Geist, an Wärme. Fünf Gründe, warum Berlin eine peinliche Hauptstadt ist.

berlin hauptstadt
1. Arm

München brummt, Frankfurt auch, Stuttgart ebenso. Es sammelt sich Kapital und Intelligenz in den süddeutschen Metropolen. In Berlin sammeln sich dagegen Hartz IV-Empfänger, Subventionsritter und Selbstverwirklicher. Vor allem wirtschaftlich schwadroniert Berlin seit Jahrzehnten von „Boom“ und „Gründerszene“, man sieht sich als „hot spot“, Leuchtturm“, „Cluster“ und „Zukunftsmetropole“. Doch von einem Dreh- und Angelpunkt der Wirtschaft ist Berlin so weit entfernt wie die Schrippe von der Südsee. Ökonomisch ist die deutsche Hauptstadt eine langweilige Provinzposse.
Paris hingegen ist in jeder Hinsicht eine wirkliche Hauptstadt des Landes. Von den zehn größten Unternehmen Frankreichs sitzen neun in Paris. Nicht anders sieht es in England aus von den zwölf größten englischen Unternehmen haben zehn ihren Hauptsitz in London. In Madrid und Rom sind es immerhin noch fünf der zehn größten Unternehmen des Landes. Ganz anders in Deutschland: Kein einziges der größten 30 Dax-Unternehmen sitzt in Berlin. Und das bei einer Stadt, die mit 3,5 Millionen Einwohnern nicht nur eindeutig die größte Stadt Deutschlands ist, sondern auch die größte Stadt Kontinentaleuropas. Eine internationale Studie „Cities of Opportunity“, hat 30 Metropolen weltweit nach deren Wirtschaftskraft untersucht – und dabei unter anderem die Zahl der Konzernsitze, das Volumen der internationalen Investitionen und das Wirtschaftswachstum verglichen. Berlin landet hier abgeschlagen auf Platz 22. So im Umfeld von Nairobi, Jakarta oder Buenos Aires.
Nicht einmal in der Medienbranche hat Berlin den Durchbruch geschafft. Dachte man in den Neunzigern noch, hier werde alsbald Deutschlands Fernseh- und Internetgeschichte geschrieben, so herrscht heute Funkstille. Kein einziger großer Sender ist nach Berlin gekommen, Unterföhring ist heute medial einflussreicher als die Hauptstadt. Und auch in der Internetindustrie tönt Berlin zwar lautstark vor sich hin – doch passieren die digitale Revolutionen anderswo. Weder Google (Hamburg) noch Yahoo (München), weder Microsoft (München) noch Facebook (Hamburg), weder Apple (München) noch Amazon (München) haben ihre Deutschlandzentrale in Berlin. Und wenn Huawei sein Forschungszentrum in Deutschland aufbaut – dann in München.
Berlins wirtschaftliche Unfähigkeit wird besonders bei dem Berliner Flughafenprojekt deutlich. Die für den 30. Oktober 2011 geplante Eröffnung des Flughafens wurde bis heute immer und immer wieder verschoben. Dabei wäre selbst der neue Flughafen lächerlich klein gegenüber den Flughäfen anderer Metropolen Europas. Berlin-Tegel ist gerade mal auf dem 23. Platz der größten Flughäfen Europas und landet sogar hinter der Urlaubsinsel Mallorca. Für ein wirtschaftlich so erfolgreiches Land wie Deutschland ist Berlin als Wirtschaftsstandort fast schon peinlich.

2. Links

Der Sozialismus ist gescheitert und außer Mode wie eine gammeliges Marmeladenglas. Nur in Berlin wird immer und immer wieder daraus genascht. Stasi-SED-Linksparteien-Kommunistenkader im Osten, sozial-ökologische Spinner im Westen der Stadt und dazwischen jede Menge linker Etatisten, die am liebsten von „Staatsknete“ leben, prägen das geistige Milieu Berlins bis heute ungeheuer. So kommt es, dass Berlin nach Nordrhein Westfallen die höchste Verschuldung Deutschlands hat.
In der Stadt, in der die Vielfalt gefeiert wird, gibt es häufig bloß rote Einfalt. Politisch-geistig wirkt die Stadt wie in der Mitte des 20. Jahrhunderts stecken geblieben. Bleiern, staatsfixiert, bevormundend. Statt liberale oder experimenteller Avantgarde herrscht in Berlin gestriger, spießiger Parteienfilz. Jahrzehnte lang war Berlin durch den Kommunismus eine geteilte Stadt, geistig ist sie es bis heute. Und immer noch erzielt die SED-Nachfolgepartei hohe Wahlergebnisse. Die beiden Parteien (CDU und FDP) hingegen, die in Deutschland am längsten an der Regierung waren, stellten in Berlin bei der Wahl des letzten Abgeordnetenhauses zusammen gerade einmal 25 Prozent. Rot-Rot-Grün zusammen mit den Piraten erzielten dagegen 65 Prozent. In 47 von 66 Jahren Bundesrepublik Deutschland stellte die CDU den Bundeskanzler. In den anderen Jahren waren es mit Schmidt oder Schröder eher liberale Flügel der SPD. In knapp 40 Jahren wirkte die FDP in der Koalitionsregierung mit. In Berlin war es genau umgekehrt, das bürgerliche und liberale ist hier eine Fußnote der politischen Geschichte der Stadt geblieben.

3. Ungebildet

Nach einer Studie der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) hat Berlin das schlechteste Bildungssystem Deutschlands. Ein relativ hoher Anteil der Schüler erreicht nicht einmal die Mindeststandards. Auch die Quote der Schulabbrecher ist mit sieben Prozent dreimal so hoch wie im Rest Deutschlands. Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildung ist hier auch besonders hoch. Nicht umsonst siedelt sich Berlin in den PISA-Rankings immer im unteren Bereich an. Inzwischen werden nicht einmal mehr die Schulleiterstellen besetzt. An den Berliner Schulen fehlen 136 Schulleiter und stellvertretende Schulleiter. Besonders dramatisch ist die Lage an Grundschulen, dort sind allein knapp 90 Führungsstellen nicht besetzt. Damit ist fast jede fünfte Grundschule von diesem Problem betroffen.

4. Konfessionslos, treulos und einsam

Berlin dürfte die wohl gottloseste Metropole der Welt sein. 60 Prozent der Berliner gehören keiner Religion an. Damit ist der Anteil noch einmal doppelt so hoch wie im Rest Deutschlands, das im weltweiten Vergleich auch im unteren Bereichen rangiert. Außerdem gilt Berlin als die „Hauptstadt der Singles“. Der Anteil der Singlehaushalte liegt bei sagenhaften 54 Prozent ! Nirgends auf der Welt leben die Menschen einsamer. Und obendrein leben in der Stadt auch noch 100.000 mehr Frauen als Männer: 1,7 Millionen Frauen auf 1,6 Millionen Männer. Wenn sich zwei von den zigtausenden, einsamen Berlinern dann trotzdem mal gefunden haben sollten, ist die Wahrscheinlichkeit der Trennung dann auch noch ziemlich hoch: Genau die Hälfte aller geschlossenen Ehen gehen in Berlin zu Bruch, in Deutschland sind es dagegen gut ein Drittel.

5. Hauptstadt nur für sich

Nach der Wiedervereinigung schien es, als würde Berlin die Projektionsfläche, die Bühne, das Sinnbild eines neuen, weltoffenen, modernen Deutschlands. Es hatte die Chance, als Hauptstadt die bunte, aufbrechende Republik zu verkörpern. Doch daran ist Berlin gescheitert. Die Stadt wirkt im Rest der Republik wie ein selbstverliebtes Solitär, das sich von den anderen aushalten lässt. Es verliert Sympathie und Integrationskraft. Berlin ist in weiten Teilen Deutschlands so beliebt wie ein Dortmunder auf Schalke; und es hat in den Retro-Trends der deutschen Heimaten zu wenig Gemeinsamkeiten mit den Landsmannschaften. Junge Bayern, Hessen, Schwaben, Sachsen, Rheinländer, selbst Norddeutsche orientieren sich heute weniger nach Berlin als vor 20 Jahren. Es ist eine große generationelle Enttäuschung. Berliner sehen sich ja selber gerne als Welt-Hauptstadt. Dabei sind sie nicht einmal akzeptierte Kapitale des eigenen Landes. Ihr Reiz verfängt nur noch bei Spießern des verblassenden Nonkonformismus’. Oder wie Fjodor M. Dostojewski gesagt hat: „Aber mein Gott, was für eine langweilige, entsetzliche Stadt ist Berlin.“

Lesen Sie auch die letzte Kolumne von Valentin Weimer: Wann kommt Bahamas?

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