Man kann die Menschen manchmal betrügen, aber nicht immer. Bob Marley

Energiesparmodus für Griechenland

Wie Griechenland die Krise bewältigen kann, dazu häufen sich die Vorschläge und Diktate. Nun hat auch Greenpeace einen Vorschlag parat: Das Land soll auf erneuerbare Energien setzen.

Alle fragen sich, wie es mit Griechenland weitergehen soll. Welcher Weg führt raus aus der Misere? Dazu hat jetzt auch Greenpeace eine Meinung. Die Energiewende könne ein „Schlüssel zum Meistern der Krise“ sein, erfahre ich im „Greenpeace Magazin“. Wird sich ausgerechnet Griechenland als Musterschüler erweisen und dem deutschen Energiewendevorbild nacheifern? Wohl kaum. Denn offenbar sind die Griechen doch noch einigermaßen bei Trost.

Deutschland als Vorbild wäre fatal für Griechenland

Laut Greenpeace sollten die Griechen ihre Gebäude sanieren und auf die erneuerbaren Energien setzen. Die Haushalte in Griechenland verbrauchen „rund dreimal mehr Energie zum Heizen als zum Beispiel in Finnland“, so habe das eine Studie der Europäischen Umweltagentur (EEA) festgestellt. Eine genaue Quelle wird leider nicht genannt.

Kann das sein? In Finnland herrscht 100-200 Tage im Jahr Winter, in dem es bis zu -50 Grad kalt wird. In Athen ist der Januar mit einer Durchschnittstemperatur von 9,8 Grad der kälteste Monat. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Griechen sich bisher nicht sehr intensiv mit dem Dämmen ihrer Häuser befasst haben. Ich will aber auch bezweifeln, dass dies in Zukunft eine besonders dringliche Aufgabe sein sollte. Angesichts der Erfahrungen in Deutschland ist unbedingt abzuraten. Einer Prognos-Studie zufolge stehen hierzulande notwendigen Investitionen von insgesamt 838 Milliarden Euro bis 2050 eingesparte Energiekosten von 372 Milliarden Euro gegenüber.

Wie sieht es mit der Photovoltaik aus? In Griechenland scheint definitiv sehr häufig die Sonne. Das Potenzial für Solarstrom ist also deutlich größer als in Deutschland. Dennoch gab es bis zum Jahr 2000 praktisch keine PV-Anlagen in Griechenland.
Dann setzte, mitten in der Krise, plötzlich ein Boom ein. In den Jahren 2011 und 2013 bauten die Griechen rund 2500 MW Solarleistung auf. 2014 war es damit dann wieder vorbei, lediglich 13 MW kamen dazu. 2015 sieht es bisher auch nicht besser aus. Was war passiert? Griechenland hatte erst üppige Einspeisevergütungen nach deutschem Vorbild eingeführt und sie dann schnell wieder drastisch reduziert, nachdem das Solardefizit bis Ende 2013 auf rund 550 Millionen Euro gestiegen war. Sich Deutschland als Vorbild zu nehmen, wo der Solarstrom zwar nur 5,7 Prozent zur Stromerzeugung beiträgt, aber allein in diesem Jahr über die EEG-Umlage mit rund 9,4 Milliarden Euro subventioniert wird, wäre für Griechenland wohl fatal.

Billige Kohle statt teurer Sonne

Woher bekommen die Griechen ihren Strom? Laut Greenpeace aus „ineffizienten Kohlekraftwerken“. Das ist insofern richtig, als knapp die Hälfte des griechischen Stroms aus Braunkohlekraftwerken kommt und diese teileweise sehr alt sind. Moderne Gaskraftwerke könnten mit höherem Wirkungsgrad und geringerem Schadstoffausstoß punkten, allerdings nicht mit niedrigeren Kosten. Wenn wir über Kosteneffizienz sprechen, also viel Energie für wenig Geld, ist Braunkohle nun einmal das Maß der Dinge. In Deutschland liegen die Stromgestehungskosten von Braunkohlekraftwerken bei 4-5 Cent, die von PV-Anlagen bei 8-14 Cent pro Kilowattstunde.

Für arme Länder ist eine Energiewende samt Ausstieg aus der Kohleverstromung nach deutschem Vorbild Austerität pur. Energiepreise sind die wichtigsten Treiber der Lebenshaltungskosten. Wer in einem Land, in dem mehr als 30 Prozent der Menschen in Energiearmut leben, künstliche Verteuerung von Energie propagiert, scheint wenig Gutes für die Bevölkerung im Sinn zu haben.

Keine primitive Ökotechnik

Von Syriza war zu befürchten, dass sie versuchen würden, auf den Ausbau erneuerbarer Energien zu setzen. Dies stand, zumindest vage, in ihrem Programm. Passiert ist aber nichts. Stattdessen lese ich mit Erstaunen, die neue Regierung sei „im Krieg mit den Umwelt-NGOs“. Gegenstand des Streits ist das geplante Kohlekraftwerk „Ptolemaida V“, das WWF, Greenpeace etc. verhindern wollen.

Offenbar stellt sich Syriza in dieser Frage der Realität und hält an der Kohle fest. Dafür gibt es zwei Gründe. Zunächst offensichtlich die Kostenfrage: „Die billigste Energiequelle ist und bleibt die Kohle“, erklärt Wirtschaftsminister Giorgos Stathakis. Der Strompreis in Griechenland betrug 2014 17,7 Cent/kWh, während die Deutschen mit 29,8 Cent fast 70 Prozent mehr bezahlten. Deutsche Preise wären für ein armes Land eine Leistung jenseits von Gut und Böse. Zudem stellt man sich die Energiewende wohl intelligenter vor als nach dem Vorbild von Ländern, denen es nichts ausmacht, viel Geld aus dem Fenster zu werfen.

Bemerkenswerterweise schreibt Yanis Varoufakis 2014 in seinem „grünen“ Manifest „Think Big, Think Bold: Why the Left must aim for a radical Pan-European Green New Deal“:

„Es gibt keinen Grund, warum unsere Gesellschaften nicht ein neues Manhattan Project ins Leben rufen sollten, mit so vielen Wissenschaftlern wie möglich und dem Ziel, neue Formen grüner Energie zu entdecken, im Gegensatz zu den bestehenden, primitiven grünen Technologien.“

Dieser Aussage liegt eine wichtige Erkenntnis zugrunde: Die globale Energiewende wird dann stattfinden, wenn die notwendigen, konkurrenzfähigen Technologien erforscht und entwickelt sind. Und nicht dadurch, dass Deutschland dazu aufruft, ineffiziente Technologien zu subventionieren.
Eine zweite Erkenntnis daraus ist: Ein Europa, dass sich aufzubauen lohnt, muss mehr sein als ein Haufen von Ländern, die sich gegenseitig zum Sparen verpflichten.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Thilo Spahl: Giftalarm? Fehlalarm!

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