Der Papst ist kein Antisemit. Martin Mosebach

Barbara Hendricks vs. Björn Lomborg

In der „FAZ“ debattiert Umweltministerin Barbara Hendricks mit Björn Lomborg die deutsche Klimapolitik. Dabei präsentiert sie sich äußerst schwach – und offenbart, dass Kritiker der Klimapolitik schnell auf das Abstellgleis geschoben werden.

Björn Lomborg veröffentlichte am 8. Mai in der „FAZ“ einen einseitigen Artikel, in dem er die Probleme der deutschen Klimapolitik sehr gut zusammenfasste und offenbar für Verärgerung bei Umweltministerin Barbara Hendricks sorgte. Am 29. Mai druckte die „FAZ“ eine Replik der Ministerin, die kein gutes Licht auf die Autorin wirft.

Frau Hendricks ist sich offenbar der ungleichen Stärke bewusst und sucht ihr Heil daher in Tritten unter die Gürtellinie, ergänzt durch allgemein gehaltene Halbwahrheiten und einen bunten Strauß an Behauptungen zum Beleg der großen Erfolge der Klimapolitik.

Sie beginnt mit einer Einordnung des Gegners: „Seit Jahren werden einige nicht müde, den geballten Erkenntnisstand der Klimawissenschaft und die Klimapolitik der Staatengemeinschaft in Zweifel zu ziehen, traurigerweise stets mit den gleichen Argumenten, mit denen sie schon zuvor gescheitert sind.“ Lomborg ist also einer von einigen, die nicht aufhören, zu zweifeln. Die Ministerin ist hingegen auf Seiten der Orthodoxie (und der Staatengemeinschaft), an der solche wie jener doch bisher immer gescheitert seien. Sie versteht nicht recht, warum einer von diesen dann immer noch weiter machen muss.

Ein neuer McCarthyism

Zum Glück gibt es ja noch andere, denen es ergeht wie ihr, die auch Unmut verspüren, wenn Lomborg auftaucht. Während die „FAZ“ noch so dumm gewesen sei, dem Scharlatan eine ganze Seite „freizuräumen“, so sinngemäß die ausgebildete Lehrerin Hendricks, sei er am selben Tag entlarvt und von der Universität von Westaustralien zurückgewiesen worden, da er „weder Wissenschaftler noch Ökonom“ sei. Nun, Lomborg ist Politikwissenschaftler und Professor an der Copenhagen Business School. Die von ihm publizierten Thesen wurden von 100 Ökonomen erarbeitet, darunter 7 Nobelpreisträger. Das mag für die Politikerin Hendricks nicht zählen. Für die Australier war diese vermeintlich mangelnde Qualifikation aber keineswegs der Grund, weshalb die Zusammenarbeit platzte.

Was genau sich am anderen Ende der Welt zugetragen und der Ministerin geholfen hat, den Gegner ins rechte Licht zu rücken, bleibt nur angedeutet. Deshalb will ich es kurz erläutern. Geplant war die Etablierung eines Forschungszentrums mit Namen „Australia Consensus“ als gemeinsame Einrichtung der Universität und des von Lomborg geleiteten Think Tanks „Copenhagen Consensus“. Da Lomborg für viele Klimaaktivisten ein rotes Tuch ist (man betrachte nur den Gesichtsausdruck von Al Gore auf diesem Foto), wurde heftig dagegen protestiert. Unter dem öffentlichen Druck knickte die Universitätsleitung ein und verzichtete angesichts der „emotionalen Reaktion“ auf das Zentrum – nicht ohne ausführlich größtes Bedauern und Enttäuschung darüber zum Ausdruck zu bringen und zu betonen, dass Dr. Lomborg es uneingeschränkt verdient hätte, eine Professur zu erhalten.

Nicht zu Unrecht fühlt sich der britische Kommentator Brendan O’Neill an die McCarthy-Ära in den USA der 1950er-Jahre erinnert. Zum Zwecke der Anklage wurde Lomborg als Climate Contrarian bezeichnet, also jemand, der zwar den Klimawandel nicht anzweifelt und ihn sogar durchaus als große Herausforderung für die Menschheit sieht, aber die Sünde begeht, ihn nicht als unbestritten größtes Problem von allen zu akzeptieren und vor allem die bisherige Klimapolitik infrage zu stellen.

Teure und wirkungslose Klimapolitik stoppen

Lomborg ist in der Tat kein Klimaskeptiker. Sein Hauptargument ist, dass in globaler Hinsicht der Menschheit mehr gedient wäre, wenn wir mit der extrem teuren und wirkungslosen Klimapolitik aufhören und bessere Ansätze entwickeln würden. In der „FAZ“ schreibt er:

„Die einfache unbequeme Wahrheit lautet, dass Solar- und Windenergie noch nicht ausgereift sind: Sie sind zu teuer und benötigen teure Reserven, wenn der Wind nicht bläst oder die Sonne nicht scheint. Solange wir es nicht schaffen, Kosten und Effizienz erneuerbarer Technologien dramatisch zu verbessern, bleibt es bei selbstgefälliger Schönfärberei für westliche Gutmenschen. Genauso wenig werden wir die Entwicklungsländer überzeugen können, von günstigen und zuverlässigen fossilen Brennstoffen auf unzuverlässige und teure erneuerbare Energien umzusteigen.“

Genau das glaubt Frau Hendricks jedoch schaffen zu können, ja gar, bereits erreicht zu haben: „Während früher nur Industrieländer in der Pflicht standen, (…), haben wir heute erreicht, dass alle Länder bereit sind, ihren Beitrag zu leisten.“ Mit anderen Worten: Auch für die Armen der Welt soll die dringend benötigte Energieversorgung künstlich verteuert werden. Sollten sie es wagen, Kohlekraftwerke zu bauen, müssen sie mit Ärger aus Deutschland rechnen.

Hendricks glaubt, was sie schreibt – das ist das Problem

Das neue Zentrum in Perth sollte sich keinesfalls der Klimapolitik widmen, sondern auf Kosten-Nutzen-Analysen in der Entwicklungszusammenarbeit konzentrieren. Genau damit beschäftigt sich Lomborg seit vielen Jahren. Sein Frevel besteht darin, dass er die „Klimarettung“ nur als ein Ziel unter anderen sieht und die Klimaschutzmaßnahmen in den Analysen im Vergleich zu Bildungsinitiativen, Malariabekämpfung, besserer Ernährung, Reduzierung von Umweltverschmutzung und einigem anderen ziemlich schlecht abschneiden. Besonders katastrophal fällt das Ergebnis in Deutschland aus. In der „FAZ“ bemängelt Lomborg, dass Deutschland nach bisherigen Förderzusagen 100 Milliarden für die Subventionierung von Solaranlagen ausgibt und damit (nach dem Standard-Klimamodell) lediglich eine Verringerung der Klimaerwärmung um 0,0001 Grad erreicht, oder in Zeit ausgedrückt, eine Verzögerung der Klimaerwärmung um 37 Stunden. Er ist der Meinung, dass man mit 100 Milliarden Euro sinnvollere Dinge tun könnte. Frau Hendricks antwortet, es sei „zynisch, wenn man wie Lomborg vorschlägt, Gesundheitspolitik und Bildungsförderung gegen Klimaschutz abzuwägen“.

Sie ist außerdem ohnehin der Meinung, dass wir durch die teure Energie Geld sparen, und hat zum Beweis auch eine Milliardensumme parat: „2012 konnten schon Brennstoffkosten in Höhe von 10 Milliarden Euro durch erneuerbare Energien (…) eingespart werden.“ Dummerweise ist der Strom dabei aber viel teurer geworden. So einfach geht das! Vielleicht könnten wir dann ja auch alle Hemden aus Seide schneidern und dadurch Milliarden an Baumwollkosten sparen. Oder statt Kartoffeln Kaviar essen und Milliarden Kartoffelkosten sparen?

Eines wollen wir Frau Hendricks zugutehalten: Sie glaubt vermutlich alles, was sie da aufschreiben lassen hat. Aber gerade das ist das Problem.

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