Den Zivildienst auf sechs Monate zu verkürzen und diesen Kompromiss dann auch noch als Erfolg anzusehen kann nur von denen gutgeheißen werden, die kurzfristige politische Entlastungsstrategien langfristigen und nachhaltigen Entscheidungen vorziehen.
Es gilt in der Debatte um die Wehrpflicht, nur eine ernst zu nehmende Frage zu lösen: Wie kann man die Armee mit Nachwuchs versorgen, wenn es die Verpflichtung nicht mehr gibt? Die Antwort liegt auf der Hand: mit guten Aufstiegschancen und einer attraktiven Besoldung.
Der Zivildienst hilft jungen Männern beim Erwachsenwerden. Wenn die Wehrpflicht kippt, verliert die Gesellschaft mit dem Zivildienst eine wirksame Institution, Adoleszenten nahezubringen, wie wichtig und schön soziales Engagement ist.
Das Gespräch führte Nina Anika Klotz.
Die Gesellschaft lebt von der Beteiligung des Einzelnen. Das gilt in der Politik genauso wie im Sozialbereich. Inanna Fronius und Martin Eiermann sprachen mit Peter Tauber, Mitglied des Unterausschusses “Bürgerliches Engagement”, über die Zukunft des Zivildienstes und die Chancen des Netzes als Motor für politischen Diskurs.
Mit dem Ende der Wehrpflicht wird auch der Zivildienst abgeschafft. Zehntausende Stellen im Pflegebereich müssen neu gefüllt werden: durch Freiwilligenarbeit, Anreize beim Studium oder professionelle Pflegekräfte. Klar ist: junge Menschen müssen sich für die Zukunft des Sozialstaates engagieren.
Der Wegfall des Zivildienstes muss durch Freiwilligenarbeit kompensiert werden. Davon profitieren alle Seiten: die Pflegesysteme genauso wie die jungen Menschen, die sich engagieren. „Tu etwas für dein Land!“ muss zum allgemeinen Credo werden.
Die Vorschläge der Bundesregierung zum Freiwilligendienst gehen nicht weit genug. Wir brauchen einen öffentlich geförderten Pflegesektor, der Arbeitsplätze schafft. Freiwilligendienste dürfen reguläre Stellen nicht verdrängen.
Die Zivildienststellen waren zwar oft vom Sozialsystem nicht ausfinanziert, aber dennoch unverzichtbar. Es stellt sich die Frage, wie diese Stellen in Zukunft finanziert werden. Der neue Bundesfreiwilligendienst kann eine gute Sache werden. Er wird das entstehende Loch nicht füllen können, aber das muss er auch nicht. Der Beginn einer neuen Ära.
Nicht nur der Sozialstaat braucht Zivildienstleistende, auch junge Menschen können von der Arbeit profitieren, denn sie formt soziales Bewusstsein. Die Wohlfahrtsverbände müssen nun handeln und die Politik ist dazu aufgerufen, die vorhandenen Angebote zu fördern. Geld allein reicht dazu nicht.
Der typische Zivildienstjob schafft eine Win-win-Situation für alle Beteiligten. Für Patienten, Arbeitgeber und den Zivi selbst. Auch wenn viele nun den Staat in der Pflicht sehen, freiwilliges Engagement zu fördern, dürfen wir nicht vergessen, dass das eigentlich eine Aufgabe der Zivilgesellschaft ist.