Euphorie Anfang der 1990er, Einbruch Ende der 1990er: Techno wird die letzten 20 Jahre ziemlich durchgewirbelt. In Berlin erlebt elektronische Tanzmusik aber einen schier nie endenden Hype. Warum es sich hier anders tanzen lässt als anderswo, und wieso Masse – in diesem Fall wirklich – Qualitätskriterium wird, erklärt Sascha Funke im Gespräch mit Bettina Koller.
Sie lagen sich in den Armen und feierten zur gleichen Musik: 20 Jahre später ist die Technobewegung ein wenig kühler geworden, Wirtschaftsinteressen sind heute vielen wichtiger. Gut, dass das Gefühl anderorts noch möglich ist.
Die Partyszene in den 1990ern war dominiert von Fröhlichkeit und mitunter auch von bunten Tabletten: Sex war eher eine Randerscheinung. Warum diese Zeit sonst noch außergewöhnlich war, erzählt Rainer Schmidt, Autor von “Liebestänze”, im Gespräch mit Bettina Koller.
Mit “Berlin Calling” erreichte der Regisseur Hannes Stöhr Technofreunde und Technoskeptiker. Mittlerweile hat sich der Film verselbstständigt und wird in Argentinien neu übersetzt. Der Clou: Die Übersetzer sprechen kein Wort Deutsch.
Möglicherweise sind Indie und Techno zwei verschiedene Welten, möglicherweise verbindet die beiden aber mehr, als man denkt, und möglicherweise ist es doch nur eine Definitionsfrage.
20 Jahre nach der ersten “Love-Parade” feiert ein anderes ehemaliges Underground-Phänomen seinen Höhepunkt im Mainstream: Ist Indie das neue Techno?
Viele werden der eigentlichen Kultur müde und sind als Touristen in anderen Szenen unterwegs, wechselseitige Besucher sind an der Tagesordnung.
Die “Gude Laune”, die Techno-Papa Sven Väth immer wieder verkündet, ist in der Szene nach den schrecklichen Ereignissen von Duisburg getrübt. Aber ein Ende der Bewegung ist lange nicht in Sicht – vor allem, weil die Loveparade schon lange nicht mehr für den wahren Spirit des Techno steht.
Das Unglück von Duisburg hat allenthalben der Event-Sucht der Veranstalter ein Ende gesetzt. Die Technokultur bleibt davon unbeeinträchtigt. Wer jetzt den Abgesang eines Zeitalters anstimmt, verkennt, dass Techno gesellschaftspolitisch nicht mehr als eine Marginalie darstellt.