Im Bundestagswahlkampf wurde eine Koalition mit der Linken kategorisch ausgeschlossen. Aber alle in der SPD wissen: Das war das letzte Mal. In Zukunft geht es nicht mehr um die Frage, ob ja oder nein. Sondern nur noch um das Wie.
Oskar Lafontaines One-Man-Show überdeckt den lebendigen Kern der Linkspartei. Zwar wird sie an Vergangenheit und Geburtswehen noch einige Jahre zu tragen haben. Dass die Partei im Westen erfolgreich bleibt, steht jedoch außer Frage.
Im Westen geht die Linke den Weg, den die PDS nach ihrer Etablierung im ostdeutschen Parteiensystem mit Erfolg beschritten hat. Die Themen sind heute identisch: Arbeitsmarkt, Sozialpolitik, Bildung; die Ansätze unterscheiden sich oft noch. Ohne Lafontaine könnte die Partei pragmatischer werden.
Nach dem Überraschungserfolg bei der Bundestagswahl sucht die Linkspartei eine Zukunft ohne ihr wichtigstes Zugpferd und muss sich doch zunächst mit der Vergangenheit herumschlagen. Dabei braucht die Partei vor allem eines, eine programmatische Orientierung.
Wie geht es weiter mit der Linkspartei? Stefan Liebich, Bundestagsabgeordneter und parteiintern Koordinator des mächtigen Reformflügels “Forum demokratischer Sozialismus”, sieht in Lafontaine weiter ein Medienzugpferd. Den Jungen in der Partei will er die Unsicherheit nehmen – für die Zeit nach Lafontaine.
Angela Merkel weigert sich, Guido Westerwelle kann nicht, Oskar Lafontaine will nicht mehr, und jetzt auch das noch: Michael Ballack verletzt sich. Deutschland gehen die Leader aus. Was nun?
Die FDP ist längst keine Volkspartei mehr. Die Frage, die sich nun stellt, ist, ob wir die Liberalen überhaupt brauchen. Tatsächlich scheinen SPD, Union und Grüne derzeit alle politischen Spektren abzudecken. Und nebenbei: Was macht eigentlich die Linkspartei?
Die Linke hat die Chance zur Erneuerung verpasst. Es fehlen dezidierte Standpunkte zu den wichtigen politischen Richtungsfragen und auch wie mit der oppositionellen SPD umgegangen werden soll, weiß niemand so recht. Kein Wunder, dass die Partei nun auf ein Revival der alten Männer hofft.
In der Linkspartei regt sich nach den ewig währenden Debatten um Kommunismusvorstöße, Geburtstagskarten und Sportwagen nun auch wieder ein Wunsch nach Führungsstärke. Bestenfalls soll Oskar Lafontaine es richten.
Die Linke hat am Wochenende in Erfurt ihr erstes Grundsatzprogramm verabschiedet. Das ist allerdings alles andere als modern, da alle führenden Köpfe der Partei von der Droge Oskar Lafontaine abhängig sind.