„Es ist gut, dass die Menschen ihr Geldsystem nicht verstehen, denn sonst hätten wir noch vor morgen früh eine Revolution.“ Henry Ford
Eine Schülerin aus Hannover wird Deutschland beim Eurovision Song Contest vertreten. Lena Meyer-Landrut verkörpert die Sehnsucht nach dem Unverdorbenen und Ungelenken.
Pokal hin oder her – die Deutsche Nationalmannschaft hat gewonnen. Und Deutschland erst recht. Herzen haben sie gewonnen, das Team und sein Land, die Herzen der Welt! Mit dem Spiel gegen England kassierten sie die eine Hälfte, mit dem gegen Argentinien die andere.
Wirtschaft und Finanzmärkte sind transnational vernetzt. Im Bereich der Kultur gibt es lediglich den Eurovision Song Contest, in der Politik regiert die Europaskepsis. Wenn wir das Projekt Europa zukunftsfest machen wollen, brauchen wir mehr europäische Öffentlichkeit. Europa gehört seinen Bürgern.
Wie unpolitisch kann ein paneuropäischer Gesangswettbewerb sein? Mit dieser Frage sieht sich (mal wieder) der Eurovision Song Contest (ESC) konfrontiert. Die Europäische Rundfunkunion beharrt darauf, der Wettbewerb sei unpolitisch und nur zur Unterhaltung gedacht. Ist das aber überhaupt möglich, wenn er wie dieses Jahr in Aserbaidschan stattfindet – ein nahezu diktatorisch regierter Staat, in dem Menschenrechte und Meinungsfreiheit massiv verletzt werden?
Entgegen der Auffassung der Ausrichter ist der Eurovision Song Contest eine hochpolitische Veranstaltung. In Baku besteht die Gefahr, dass er als Propaganda für das herrschende Regime genutzt wird.
Die aserbaidschanische Menschen- und Bürgerrechtsaktivistin leitet das Institut für Frieden und Demokratie in Baku. Dieses hat es sich zum Ziel gemacht, das demokratische Bewusstsein der Öffentlichkeit zu stärken und die Bevölkerung über die Schwierigkeiten aufzuklären, einen Rechtsstaat zu etablieren. Yunus ist eine international bekannte Kritikerin des aderbaidschanischen Aliyew-Regimes.
Vor der politischen Situation in Aserbaidschan verschließen ESC-Organisatoren lieber die Augen. Dabei werden in Baku massiv Häuser zerstört und Anwohner vertrieben – damit für das Event des Jahres alles schön aussieht.
Selbst wenn man den aktuellen politischen Kontext ausblendet, ist und bleibt der Eurovision Song Contest eine politische Veranstaltung. Fast alle Länder nutzen die Bühne zur Selbstdarstellung – und werden darin immer besser.
Die Armenierin, 1988 in einem heute nicht mehr existierenden Staat geboren, studierte Internationale Beziehungen mit Fokus auf regionaler Entwicklung (u.a. Bergkarabach). Als Teilnehmerin und Pressebeauftragte der OSZE-Konferenz-Simulation beschäftigte sie sich mit Rechtsstaat, Korruption und Menschenrechten in ehemaligen Sowjet-Staaten. Martirosyan macht ihren Master mit Schwerpunkt Europastudien am Europakolleg in Warschau. Sie forscht in den Bereichen Europäische Außen- und Nachbarschaftspolitik, insbesondere zum aserbaidschanisch-türkischen Tandem und zum Armenien-Türkei-Konflikt.