„Natürlich muss die Gesellschaft beim Thema Zuwanderung auch einen gesunden Egoismus an den Tag legen.“ Götz Widmann
Umstrukturierung der EU: Die Union hat jetzt einen Präsidenten, Herman Van Rompuy, und eine Außenministerin, Catherine Ashton. Der Historiker Heinrich August Winkler über das Wesen Europas, Unehrlichkeit in den Beitrittsgesprächen mit der Türkei und den globalen Dialog im 21. Jahrhundert. Das Gespräch führte Tobias Betz.
Zwei Unbekannte sollen die EU künftig führen: Catherine Ashton als europäische “Außenministerin” und Herman Van Rompuy als EU-Ratspräsident. Eine kluge Wahl, denn letztlich geht es in Europa nicht um die “eine Stimme”, sondern um einen gut geführten Chor.
Gaddafi wurde für die Flüchtlingsbekämpfung von europäischen Staaten hofiert und aufgerüstet. Europa und auch die Bundesregierung tragen die Mitverantwortung an den Verstößen gegen die Menschenrechtskonventionen. Die Zurückweisung und das Abdrängen von Bootsflüchtlingen müssen aufhören.
Der EU ging es nie wirklich um die Einhaltung der Menschenrechte, wirtschaftliche Interessen waren stets wichtiger. Kein Wunder, dass die Gemeinschaft keine kohärente Antwort auf die Proteste in Nordafrika gefunden hat. Dabei gibt es auch jetzt noch genügend Gelegenheiten, die Weichen neu zu stellen.
Die Revolutionen im arabischen Raum haben deutlich gezeigt, wie schwerfällig die europäische Außenpolitik noch immer ist. Seien es unkoordinierte Vorstöße seitens einzelner Mitglieder oder die mangelhafte Handlungsfähigkeit. Nur wenn wir diese Defizite überwinden, können wir den strauchelnden Revolutionären beistehen.
Wenn islamische Terroristen Juden ermorden, sind die Juden selber schuld – so war es nicht gemeint? So ist es gemeint.
Statt bloß China zu hofieren, sollte Europa auch die Leistungen des kleinen Taiwan anerkennen – der Inselstaat repräsentiert europäische Werte wesentlich besser als die Volksrepublik.