Das öffentliche Wohl sollte das oberste Gesetz sein. Marcus Tullius Cicero

Die globale Marschrichtung

Ein Durchbruch bezüglich der Reduktion von Treibhausgasen ist in Cancún nicht zu erwarten. Dafür steigt das Interesse an flexiblen Mechanismen, etwa dem Emissionshandel. Auch wenn alternative Foren hier zukünftig eine große Rolle spielen müssen, brauchen wir jedoch eine globale Marschrichtung.

Die Durchführung einer optimalen globalen Klimapolitik steht den politischen Realitäten scheinbar unversöhnlich gegenüber. Nach dem Vorbild erfolgreicher internationaler Umweltschutzabkommen folgt das Kyoto-Protokoll dem Ansatz, bestimmte Treibhausgase (CO2 und fünf weitere) zu kontrollieren, für jeden Staat Reduktionen festzulegen und darauf zu bauen, dass diese Zusagen auch eingehalten werden. Sehr schnell wurde deutlich, dass der Vertrag seiner Differenzierung zwischen den historischen Verursachern einerseits und den Entwicklungs- und Schwellenländern andererseits zwar ein politischer Erfolg war, aber wenig zum Klimaschutz beitragen würde.

Eine Paketlösung wird erwartet

Das Kyoto-Protokoll könnte die Welt einer Klimawende näherbringen, wenn für eine weitere Runde bis 2020 sehr hohe Minderungen festgelegt würden. Dies ist aber nicht möglich, denn die beiden größten Emittenten China und die USA müssen bzw. wollen einen solchen Schritt nicht mitgehen. Anderseits spielen die in dem Protokoll eingeführten flexiblen Mechanismen für viele Regierungen eine wichtige Rolle: Emissionshandel, “Joint Implementation” und der “Clean Development”-Mechanismus werden zum Beispiel in Europa, China, Japan oder Indien zum Klimaschutz eingesetzt, und der Wunsch nach Fortsetzung ist groß.

Einer baldigen Einigung auf mehr Klimaschutz durch die Vereinten Nationen steht auch im Wege, dass dieser Teil eines Paketdeals sein und mit Anpassung, Finanz- und Technologiehilfen zusammen oder aber gar nicht verabschiedet werden soll. So äußern sich derzeit jedenfalls viele Länder. Für einen globalen Interessenausgleich, insbesondere für die Hilfen bei der Anpassung an den Klimawandel, sind die Vereinten Nationen unbestritten das wichtigste Forum. Für einen schnelleren Klimaschutz wäre es aber wichtig, diesen Teil aus dem Paket herauszulösen und noch einmal neu zu überlegen, was der Dringlichkeit des Problems gerecht würde.

Zugegeben, Sektor für Sektor voranzuschreiten oder bilaterale Initiativen zu verstärken – und dafür zusätzliche nationale Ressourcen zu schaffen – ist kleinteiliger und bestimmt mühsam. Aber vielleicht ließe sich beim Waldschutz, bei der energieintensiven Produktion oder im Transportwesen insgesamt mehr erreichen, wenn man jeweils die betroffenen Unternehmen, die Nutznießer und die Regierungen an einen Tisch holte. Und zwar aus jenen Ländern, für die diese Sektoren von überragender Bedeutung sind.

Die globale Marschrichtung

Auch ist Kreativität gefragt, um die wenigen großen Verschmutzer zu Hause und in internationalen Foren (G8, G20) beim Klimaschutz voranzutreiben. Was zeichnet einen Club aus, dem alle beitreten möchten? Energie- und Rohstoffeinsparungen, Innovationen und Hightech-Führung sind Bonuspunkte für Regierungen, die noch zu Amtszeiten eingefahren werden könnten. Schaffung weiterer gemeinsamer Märkte und ein politisches Wetteifern wären wünschenswerte Effekte einer intensiveren Klimazusammenarbeit.

Soll das nun heißen, dass die VN den Klimaschutz gar nicht mehr verhandeln sollen? Wohl nicht. Denn eine Marschrichtung muss bei einem globalen Problem nun einmal global festgelegt werden. In dieser Hinsicht ist das im Kopenhagen Akkord vereinbarte Zwei-Grad-Ziel zu Recht begrüßt worden. Es fehlt vor allem der Unterbau. Dass sich die Verhandlungen in Cancún vorrangig auf kleinere Baustellen konzentrieren, ist hierfür kein schlechter Anfang. Noch besser wären starke Signale der großen Staaten, dass sie den Klimaschutz voranbringen werden.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Martin Lätzel, Martin Kaiser, Felix Ekardt.

Leserbriefe

Aus der Debatte

Klimagipfel in Cancun

Wir sind Cancún und Kyoto!

Big_ff4425d70f

Bei der großen Kritik an Klimagipfeln wie Kopenhagen oder Cancún wird oft übersehen, was jeder von uns für den Klimaschutz tun kann. Wir kaufen im Schnitt immer größere Aut weiter...

Small_fda17abaec
von Martin Lätzel
20.12.2010

Auf Wiedersehen in Südafrika

Big_99f03c3d85 1

Der Klimagipfel in Cancún war kein Durchbruch, aber er hat einem globalen Abkommen den Weg geebnet. Besonders die Schwellenländer haben die Chancen der "Green Economy“ erkannt, d weiter...

Small_eb606f4652
von Martin Kaiser
17.12.2010

Das Ende des unendlichen Wachstums

Big_de56825408 8

Gemessen an den wahren Herausforderungen des globalen Klimawandels war Cancún eine verheerende Pleite. Angesichts des eigenen Verbrauchs ist die EU nun aber in der Pflicht, al weiter...

Small_2b7980c378
von Felix Ekardt
14.12.2010

Mehr zum Thema: Klimawandel, Klimagipfel, Klimaschutz

Debatte

Ausbau des Emissionshandels

Medium_8dc3c6b37d
2

Klimawende statt Durban

Durban wird, gemessen an den Herausforderungen, scheitern - jetzt könnte die EU zeigen, wie wichtig Klimaschutz auch im eigenen Interesse ist und dabei als Modell für Afrika und Asien dienen. weiterlesen

Medium_2b7980c378
von Felix Ekardt
27.11.2011

Debatte

Die regenerative Vollversorgung

Medium_ea11f4fe52
10

Schöpferische Zerstörung

Das grüne Wachstum ist längst Realität, die Vollversorgung mit regenerativen Energien könnte bei anhaltendem Trend bereits 2030 verwirklicht sein. Wer diese Dynamik begreifen will, sollte bei Schum... weiterlesen

Medium_011d2b193c
von Christian Friege
23.01.2011

Debatte

Grüne Chance auf Wachstum

Medium_d553a3b172
1

Hoch auf dem grünen Wagen

Klimaschutz ist der Wirtschaftsmotor der kommenden Jahrzehnte. Durch Investitionen in den grünen Sektor wächst die Wirtschaft, neue Arbeitsplätze entstehen. Vor allem Deutschland ist bestens positi... weiterlesen

Medium_1c7d67805e
von Claudia Kemfert
18.01.2011
meistgelesen / meistkommentiert