Welches Bild hat die deutsche Gesellschaft vom Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan? Welches Bild hat sie von ihren Soldaten? Dem ein oder anderen mögen noch die so genannten Schädelfotos in Erinnerung sein. In den Jahren 2003 und 2004 posierten deutsche Soldaten in Afghanistan mit menschlichen Überresten; die Bild-Zeitung hob die Fotografien 2006 auf die Titelseite. Positive Bilder aber fehlen. Diese Bilder braucht es jedoch – in einer Freiwilligenarmee umso mehr -, denn sie sind eine Grundlage, um den Dienst anzuerkennen. Genau darum geht es, wenn Verteidigungsminister Thomas de Maizière sagt „Unsere Soldaten sollen es als eine Auszeichnung begreifen und erleben, dass sie Deutschland dienen.“
Soldaten und Gesellschaft sind sich fremd
Soldaten, die im Gefecht stehen, fühlen, riechen und schmecken den Kampf. Sie erleben existenzielle Momente. Die Bilder und Erinnerungen brennen sich fest ins Gedächtnis ein. Dieses Paket bringen sie mit nach Hause, und allzu oft finden sie nicht die Worte, um über das Erlebte zu berichten. Der Krieg entfremdet die Staatsbürger in Uniform der Gesellschaft, aus der sie stammen und zu der sie gehören wollen. Ein Grund für diese Entwicklung ist, dass Soldaten und Gesellschaft keine gemeinsame Basis haben, um sich auszutauschen. Ihnen fehlt ein kollektives Gedächtnis. Damit ist es den meisten Bürgerinnen und Bürgern fast unmöglich, anzuerkennen, was die Soldaten im Einsatz leisten. Genau das aber ist es, was sich Soldaten am meisten wünschen: Anerkennung.
Die Versuche von Seiten der Politik, ihren Soldaten diese Anerkennung zuteilwerden zu lassen, sind bislang halbherzig. Das der Bevölkerung entzogene Ehrenmal der Bundeswehr und neue Abzeichen für Einsätze und Gefechte haben allenfalls symbolische Wirkungen und bleiben auf die Bundeswehr selbst beschränkt. In den relevanten Anerkennungsplattformen moderner Gesellschaften aber, den Medien, herrscht, abseits von tragischen Ereignissen, weiterhin freundliches Desinteresse. Auch die Eigenmedien des Militärs helfen hier kaum. Sie sind mit Masse inhaltlich und handwerklich weit von den Inszenierungsstandards der Medienindustrie entfernt. Erschwerend kommt hinzu, dass die militärische Öffentlichkeitsarbeit vorwärtsgerichtete Vorhaben gezielt blockiert. Projekte wie „A Year at War“ der New York Times oder die dänische Dokumentation „Armadillo“ sind in Deutschland trotz Initiativen professioneller Medienmacher bislang wegen des politischen Unwillens nicht umsetzbar.
Die Zukunft: Konsequente Medialisierung des Militärischen
Wer die Bundeswehr auch in der Ära nach Abschaffung der Wehrpflicht in der Gesellschaft verankern will, muss die Medialisierung des Militärischen konsequent vorantreiben. Je mehr die Truppe sich infolge von Standortschließungen aus der Fläche zurückzieht, umso stärker muss sie in den Medien präsent sein. Voraussetzung dafür ist unter anderem eine intensivere und freizügigere Pressearbeit im Einsatz. Statt Journalisten wie bisher an der engen Leine zu führen, muss die Bundeswehr ihnen einen offenen Zugang zur Truppe ermöglichen. Und statt Soldatinnen und Soldaten die Nutzung von Kameras zu untersagen, sollte sie diese ermutigen, die Bilder ihres Krieges selbst zu machen und mit anderen zu teilen. Nur wenn wir diese Bilder haben, können wir ernsthaft darüber diskutieren, was wir unseren Soldatinnen und Soldaten zumuten wollen. Haben wir sie nicht, wird die Bundeswehr zu einer Legion von Fremden im eigenen Land.
















Die Bundeswehr wurde schon seit ihrer Gründung in unserer Gesellschaft nicht akzeptiert.Aus dem Bürger in Uniform wurde der Mörder in Uniform. Schuld daran ist meines Erachtens die Politik. Mal wird die BW von ihr in den Himmel gehoben, mal als Stimmenfangmittel zur Säufertruppe beschimpft.Aber niemals war die BW ein Mitglied unserer Gesellschaft. Unser Verteidigungsminister bereitet uns schon einmal darauf vor, das sich die Auslandseinsätze der BW vermehren werden. Das heist, es werden mehr Opfer zu beklagen sein. Damit wird die BW und ihre Einsätze zum Spielball der Politik. Wärend die eine Seite den angebliche Frieden preist den die BW im Einsatz bringt, werden die anderen uns die Opfer der Gegenseite vorhalten. Was der BW fehlt, sind klare gesetzlich geregelte Vorschriften für den Einsatz mit der Waffe. Es kann nicht angehen das der Soldat mit seinem Rechtsbeistand in den Krieg ( jeder bewaffnete Einsatz ist ein Krieg ) zieht, da auf der anderen Seite der Staatsanwalt steht.Wir, der Wähler, sollten entscheiden, wie der neue Weg der BW auszusehen hat.Denn nur wenn das Volk hinter seinen Soldaten steht, ist er auch ein Mitglied unserer Gesellschaft und nicht wie jetzt ein Opfer unserer Politik.
Das Interesse ist in der Bevölkerung meiner Meinung nach vorhanden,aber das Themengebiet zu komplex. Wer soll das Dilemma nachvollziehen, in das Soldaten gerieten (noch heute geraten?), wenn sie von der Waffe gemäß der Einsatzregeln Gebrauch machen müssen? Ausrüstungsprobleme, Belastungen vor, während und nach dem Einsatz werden konsequent abgetan mit: “Ihr seid ja freiwillig zur Bundeswehr!” Ja, dass mag für die Soldaten zutreffen. Aber sie erfüllen auch ihre Pflichten als Staatsbürger in Uniform. Aber wie sieht es mit dem “Staatsbürger in Zivil” aus? Politische Entscheidungen hinterfragen, sich beteiligen, kommentieren – und wenn nötig auch protestieren. Bürger, die sich freiwillig dafür entscheiden, diese Aufgaben nicht mehr wahrzunehmen, müssen sich nicht darüber wundern, wer dann diese Mittel plötzlich für sich in Anspruch nimmt.