Der Kampf französischer Feministinnen hat sich gelohnt: Frauen müssen auf administrativen Formularen nicht mehr ihren Ehestand angeben.
Im letzten Jahr lancierte der feministische Verein Osez le féminisme [Wagt den Feminismus] zusammen mit den Chiennes de garde [Wachhündinnen] die Kampagne „Mademoiselle, la case en trop“ [Mademoiselle, das Kästchen zu viel]. Hintergrund: Während französische Männer auf administrativen Formularen lediglich Monsieur ankreuzen müssen, haben Frauen die Wahl zwischen Madame (verheiratet) und Mademoiselle (unverheiratet). Viele Frauen empfanden diese Angabe ihres Ehestandes als sexistisch – in Deutschland beispielsweise wurde Fräulein schon in den 1970er Jahren aus solchen Verwaltungsformularen gestrichen.
Gestern hat Premierminister François Fillon nun eine neue Verordnung durchgesetzt: Mademoiselle verschwindet von den Formularen. Die Redaktion von rue89.com hat dies zum Anlass genommen, einen drei Monate alten Text zum Thema von Alix Debeunne erneut zu veröffentlichen: Damals hatte die Ministerin für Solidarität, Roselyne Bachelot, die feministische Kampagne unterstützt. Osez le féminisme schrieb:
Tatsächlich werden Männer und Frauen 2011 in Frankreich immer noch nicht über einen Kamm geschoren: einfache Staatsangehörigkeit für die Männer, doppelte Staatsangehörigkeit für die Frauen!
Die Wahl zwischen Mademoiselle und Madame, so das Argument der Feministinnen, zwinge die Frauen dazu, ihre persönliche Situation offen zu legen. Das fand auch Roselyne Bachelot, die in einer Fernsehsendung sagte:
Das ist folglich ein Eingriff in das Privatleben, denn man fordert die Person dazu auf, sich als verheiratet oder nicht-verheiratet einzuordnen. Es ist wahr, dass der Mann diese Wahl nicht treffen muss. […] Ich möchte Gleichheit überall.
François Fillon hat sich dieser Forderung nun gebeugt, Frankreichs Feministinnen (und Feministen) triumphieren.
Den vollständigen Artikel lesen sie auf rue89.com. Eine ausführliche Meldung zu der gesetzlichen Änderung findet sich auf figaro.fr.
Neben all den drögen Krisenherden unserer Politik wirkt Georg Schramm als Präsidentschaftskandidat durchaus aufmunternd.
Dass Komiker wie Georg Schramm oder Martin Sonneborn überhaupt so hervorragen können, sei das traurige Resultat der sonst blassen Politelite. Das meint Tom Strohschneider in der taz.
Nun, der letzte Bundespräsident war eine Lachnummer – da kann es eigentlich nur ein Fortschritt sein, wenn einmal jemand im Schloss Bellevue sitzt, der das komische Fach wirklich beherrscht. Aber es steckt mehr darin, ein Paradigmenwechsel: Was Politikern nicht mehr zugetraut wird, sollen immer öfter Kabarettisten richten.
Im Ausland gibt es zahlreiche Vorbilder.
2010 obsiegte der Komiker Jón Gnarr bei der Bürgermeisterwahl in der finanzkrisengeschüttelten Hauptstadt Islands. In Italien wurde der Spaßblogger Beppo Grillo zum Hoffnungsträger Zehntausender, die sich von ihrem korrupten System weder Bespaßung noch Interessenvertretung erwarten wollten. Und in den USA spielte unlängst der Entertainer Stephen Colbert öffentlich mit dem Gedanken einer Kandidatur ums Weiße Haus – die lachende Begeisterung darüber entsprach dem bitteren Ernst im Zweiparteien-Patt.
Den vollständigen Kommentar lesen Sie in der taz. Die Reaktion Martin Sonneborns auf seine Wahl durch die The European-Leser finden Sie hier.
Am Leipziger Max Planck Institut haben zwei Psychologen ein Experiment entwickelt, das mit Kleinkindern faires Teilen simuliert.
Jonathan Haidt erläutert in der New York Times wie die Testpersonen reagieren und was das für die Amerikanische Politik heißen könnte.
Pretend you’re a three-year-old, exploring an exciting new room full of toys. You and another child come up to a large machine that has some marbles inside, which you can see. There’s a rope running through the machine and the two ends of the rope hang out of the front, five feet apart. If you or your partner pulls on the rope alone, you just get more rope. But if you both pull at the same time, the rope dislodges some marbles, which you each get to keep. The marbles roll down a chute, and then they divide: one rolls into the cup in front of you, three roll into the cup in front of your partner.
Das Ergebnis:
In this situation, where both kids have to pull for anyone to get marbles, the children equalize the wealth about 75% of the time, with hardly any conflict. Either the “rich” kid hands over one marble spontaneously or else the “poor” kid asks for one and his request is immediately granted.
Eine Variation macht das Experiment noch interessanter. Nun hängen die gezogenen Schnüre nicht zusammen, jedes Kind gewinnt die Murmeln nur für sich selbst.
Only about 30% of the time did the kids work out an equal split. In other words, the “share-the-spoils” button is not pressed by the mere existence of inequality. It is pressed when two or more people collaborated to produce a gain. Once the button is pressed in both brains, both parties willingly and effortlessly share.
Der Gedanke habe durchaus Implikationen für den Fairnessbegriff in der amerikanischen Wirtschaft und Gesellschaft, so Haidt.
So now let’s look at a key line in President Obama’s State of the Union address: “we can restore an economy where everyone gets a fair shot, and everyone does their fair share, and everyone plays by the same set of rules.” The president is making three arguments about fairness in this one sentence, but do any of them press the “share-the-spoils” button? If you think that the economy is like a giant marble dispenser with a single rope, then you’d probably agree that if everyone does their “fair share” and pulls on the rope as hard as they can, then everyone is entitled to a “fair share” in the nation’s wealth. But do Americans perceive the economy as a giant collaborative project?
Den vollständigen Kommentar lesen Sie in der New York Times. Den Beitrag der Wissenschaftler finden Sie in nature.
Reid Hoffman hat mit Linkedin eine der erfolgreichsten Firmmen der 2000er gegründet. Jetzt behauptet er in seinem neuen Buch: Jeder sollte sein Leben als Start-Up sehen.
In einem Video-Interview mit dem TIME-MAGAZINE" spricht der Unternehmer über sein neues Buch „The Start-Up of You“. Laut Hofmann sollte jeder sein Leben wie ein Startup betrachten, um zu Erfolg zu kommen.
Vergangene Nacht haben sich die Euro-Finanzminister auf neue Hilfskonditionen geeinigt. Aber das Problem der Griechen ist nicht Geld.
Kostas Karkagiannis erklärt in der belgischen Tageszeitung De Morgen, woran es den Griechen tatsächlich mangelt.
Das eigentliche Problems liegt woanders: Zum einen mangelt es an Gesetzen und einer gut funktionierenden Justiz. Zum anderen herrscht ein Klientelsystem, das nur seinen eigenen Interessen dient. Es baut auf politischen Gefälligkeiten, dem Austausch bewährter Dienste, Korruption und einem monströsen bürokratischen Apparat auf, der jeglichen Unternehmergeist verscheucht und die griechische Bevölkerung strapaziert. All das legt finanziellen Fortschritten Steine in den Weg.
Anders als in Deutschland, wo sogar gegen das Staatsoberhaupt ermittelt werden kann, könnten sich griechische Politiker unter einem Immunitätsschirm ausruhen.
In dem System, das Griechenland regiert, ist die Justiz machtlos und brauchen Politiker niemals Rechenschaft ablegen. Die (von den beiden größten Parteien schamlos und sogar eifrig getragene) griechische Verfassung schränkt die Möglichkeit, Ermittlungen gegen Politiker einzuleiten, ganz maßgeblich ein. So kam es noch nie zur Anklage eines griechischen Politikers, egal wie sensationell die Fälle auch waren, wie es die Siemens- und die Vatopedi-Affäre zeigten.
Kakagiannis zählt die drei entscheidenden Faktoren auf.
Zunächst einmal sind da die Politiker und ihre Verbündeten im öffentlichen Dienst und im Privatsektor. Sie weigern sich, die notwendigen Strukturreformen effektiv umzusetzen, zumal sie die ersten wären, die unter dem Zusammenbruch des Systems leiden würden. Und dann sind da die Leute, die die Nase voll haben und Veränderungen wollen. Allerdings verfügen sie über keinerlei politische Vertretung. Die dritte Gruppe bilden unsere europäischen Partner, die sich bisher für keines der beiden Lager entschieden haben, aber gerade diejenigen unterstützen, die an der Macht sind.
Den vollständigen Kommentar aus De Morgen lesen Sie in deutscher Übersetzung auf Presseurop.
Typisch deutsche Kleinkariertheit meinten manche zur Kritik an Wulff. In China können es Politiker viel bunter treiben.
Im Wall Street Journal berichtet Lars Ophüls vom Fall des Henry Tang aus Hongkong, der mit den Baubehörden klüngelte, um sich ein schickes Wohnhaus zu errichten. Nun gibt es Ärger.
Mit geradezu Wulff’schem Durchhaltevermögen versucht Henry Tang ein Mediengewitter auszusitzen, dass um seine Person tobt. Bisher galt der 59-Jährige als sicherer Kandidat für den Posten des Regierungschefs der Sonderverwaltungszone.
Tangs Villa fällt allerdings ungleich luxuriöser aus als Wulffs Eigenheim.
Auch Tang wurde sein Eigenheim zum Verhängnis. Allerdings handelt es sich dabei nicht um einen biederen Klinkerbau in Großburgwedel, sondern um ein stattliches Anwesen in der Nobelgegend Kowloon Tong. Hier soll sich Tang in seinem Keller ein eigenes Freizeitparadies eingerichtet haben – und das ohne Baugenehmigung. Nach Berichten der örtlichen Presse sollen sich in dem 185 Quadratmeter großen „unterirdischen Palast“ ein Weinkeller, ein Verkostungsraum, ein japanisches Bad und eine Fitnessnlage befinden.
Auch seine Verteidigungsstrategie ist für westliche Beobachter eher befremdlich.
Er schickte seine Ehefrau auf eine Pressekonferenz, in der sie unter Tränen gestand, die Bauarbeiten ohne das Wissen ihres Mannes in Auftrag gegeben zu haben. Während einer Affäre Tangs habe man zu der Zeit eben „nicht miteinander gesprochen“, entschuldigte sich Lisa Kuo, die laut Grundbucheintrag Eigentümerin der Villa ist. Warum sie aber gerade in einer Ehekrise für den untreuen Gatten und bekannten Hobby-Sommelier einen Weinkeller einrichten ließ, blieb offen.
Den vollständigen Kommentar lesen Sie auf Wall Street Journal. Welche Aufgaben währenddessen auf unseren neuen Präsidenten warten, lesen Sie in der Kolumne von Richard Schütze.
Der Blogger Fefe ist mit der voraussichtlichen Wahl von Joachim Gauck zum Bundespräsidenten nicht glücklich. Die Union habe sich mal wieder für die falsche Option entschieden.
Fefe verweist in mehreren Blogposts auf Gaucks Haltung zur Vorratsdatenspeicherung und seine Verbindung zu einem alten Bekannten: Carsten Maschmeyer, seines Zeichens ehemaliger AWD-Chef und Freund von Christian Wulff:
Ach nee, was kommt denn hier gerade vorbeigescrollt? Nochmal zu Gauck: Gauck lässt es sich mit Maschmeyer auf einer Party gutgehen. Maschmeyer? Ja, DER Maschmeyer, der auch mit Wulff befreundet war.
Auch seine Haltung zum Thema Integration bringt ihn zum Grübeln. Der Kandidat hatte damals das heftig umstrittene Buch von Thilo Sarrazin als „mutig“ gelobt und behauptet, „die politische Klasse könne aus Sarrazins Buch etwas lernen“. Fefe damals:
Ja SUPER, genau das brauchen wir jetzt, noch mehr Ausländerhetze und sinnentleerten Populismus auf Kosten von Minderheiten.
Am Ende weist er noch einmal auf Gaucks Einstellung zur Vorratsdatenspeicherung hin. Wohlgemerkt ein Vorhaben, dass Teile der FDP ablehnen – etwa Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Gauck in einem Gespräch beim österreichischen Standard:
Sie müssen wissen, dass etwa die Speicherung von Telekommunikationsdaten nicht der Beginn eines Spitzelstaates ist.
Die Blogposts von Fefe finden Sie hier und hier. Den Artikel beim Standard hier. Aktuelle Kommentare zur Kandidatur Gaucks finden Sie hier in unserer Debatte.
Dem FrauenMediaTurm in Köln sollen die Mittel gekürzt werden. Alice Schwarzer verknüpft das feministische Archiv wie immer zu eng mit ihrer eigenen Person.
Seit die rot-grüne Landesregierung in Nordrhein-Westfalen beschlossen hat, dem von Schwarzer 1984 gegründeten Archiv im Bayenturm die Zuschüsse zu kürzen, geht die EMMA-Herausgeberin auf die Barrikaden. Jürgen Rüttgers hatte während seiner Amtszeit eine langfristige Finanzierung zugesagt.
Viel Kritik am FrauenMediaTurm wurde bereits laut (seltsame Öffnungszeiten, seltsame Nutzungsbedingungen) – Andrea Roedig stört auf freitag.de jedoch noch etwas ganz anderes:
Alice Schwarzer ist der Inbegriff einer „Personalunion“. In allem, was sie tut, in jeder ihrer öffentlichen Interventionen, verknüpft sie sich mit der Sache, für die sie kämpft, zu einem unlösbaren Bündel. Das hat enorme Vorteile für die Sichtbarkeit der Inhalte und den Nachteil, dass man bei Kritik immer das ganze Bündel trifft.
Problematisch sei nun bei der Diskussion um den FrauenMediaTurm, dass die Sache an sich mal wieder nur mit Schwarzer verknüpft würde:
Ist das Sparen beim MediaTurm nun gerecht, ungerecht, antifeministisch oder schlicht nur notwendig? Schwer zu sagen. Denn gemäß dem Prinzip der „Personalunion“ sind Vor¬behalte gegen den MediaTurm immer auch Vorbehalte gegen Schwarzer.
Roedig sieht hier ein generelles Problem, welches viele gemeinnützige Institutionen betrifft:
Nicht wenige gemeinnützige Institutionen sind anfällig dafür, dass ihre Leiter und Leiterinnen als Verkörperung der guten Sache ungestört autokratisch vor sich hin regieren und somit öffentliche Gelder auch zur Finanzierung ihrer kleinen Fürstentümer nutzen. Das Dilemma solcher Symbiosen ist, dass ohne den persönliche Einsatz auch die Institution selbst zur Bedeutungslosigkeit zerfiele – welches andere Frauenarchiv hätte es denn zu so viel Aufmerksamkeit gebracht?
Den Originalkommentar auf freitag.de lesen sie hier.
Christian Wulff ist zurückgetreten – in einigen europäischen Ländern kann man die Gründe dafür nicht ganz nachvollziehen.
„Stellen sie sich vor: ein Präsident, der seinen Posten aufgibt, weil man ihm vorwirft, er habe einige Vergünstigungen in Anspruch genommen…“ schreibt Daniel Vernet auf slate.fr. Den Vorgang an sich findet man zwar spannend, die Gründe für den Rücktritt leuchten den Franzosen allerdings nicht ganz ein:
Kleinkram, denkt man auf der anderen Seite des Rheins. Nicht in Deutschland. Christian Wulff – das ist der Name dieses Präsidenten – wird weniger als zwei Jahre auf seinem Posten geblieben sein. Sein Rücktritt ist ein schwerer Schlag für Angela Merkel. Nicht, dass der Bundespräsident viel Macht hätte. Er hat davon weniger als unter der IV. Republik in Frankreich.
Alexandra präsentiert auf cafebabel.de einen kleinen europäischen Korruptionsvergleich, denn längst nicht alle Länder sind so streng wie die peniblen Deutschen:
Ganze zwei Amtszeiten hielt sich Silvio Berlusconi im Amt – trotz Korruptionsverfahren und Strafandrohung. Italiens damaliger Ministerpräsident konnte über die Vorwürfe nur müde lächeln. “Vor dem Gesetz sind alle gleich”, sagt er. “Aber ich bin gleicher.”
Die Spanier empörten sich hingegen über die Anzug-Affäre:
Erst im Januar stand der Ex-Präsident der autonomen Region Valencia vor Gericht, weil er zum Beispiel Maßanzüge im Wert von 30.000 Euro angenommen haben soll. Die Beweislast war erdrückend, doch die Geschworenen sprachen ihn frei. Die spanische Gesellschaft ist über solche Fälle nicht minder erbost, als es die deutsche im Fall von Wulff war. Nicht umsonst gründeten sich die „Indignados“ in Spanien, um ihrer Wut Ausdruck zu verleihen. Doch gefühlt hat sich die Politik längst vom Alltag der Menschen entfernt. Allen Protesten zum Trotz, sind auch die korruptesten Minister noch im Amt.
Die Originalbeiträge finden sie auf slate.fr und cafebabel.de.
Wochenlang zehrte die Kritik an ihm. Nach der Entscheidung der Staatsanwaltschaft Hannover nimmt Christian Wulff nun den Hut.
Er sei nie der Präsident des Volkes gewesen, sondern nur der passende Kandidat für Merkel, meint Christian Bommarius in der Frankfurter Rundschau.
Ein anerkannter, allseits respektierter Bundespräsident ist Christian Wulff nie gewesen – dafür war seine Amtszeit zu kurz, seine Amtsführung zu wenig profiliert und sein Ende im Amt zu schmählich. Wulff war nicht wirklich der Präsident des deutschen Volkes, aber unbestreitbar und von Anfang der Präsident von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Sie hat dem niedersächsischen Ministerpräsidenten zum Sprung ins Schloss Bellevue verholfen, nachdem ihr Horst Köhler unerwartet abhanden gekommen war.
Nachdem nun der zweite Bundespräsident während ihrer Amtszeit verschlissen ist, müsse Merkel einen überparteilich akzeptierten Kandidaten suchen.
Nicht das Versagen Christian Wulffs als Präsident ist das Problem Angela Merkels, sondern die Tatsache, in ihrer Kanzlerschaft nun schon den dritten Bundespräsidenten aufbieten zu müssen, nachdem zwei sich den Anforderungen des Amtes aus unterschiedlichen Gründen nicht gewachsen zeigten. Diesmal wird sie – anders als vor zwei Jahren – ihren Kandidaten nicht gegen, sondern nur mit den Oppositionsparteien durchsetzen können, denn die schwarz-gelbe Mehrheit ist in der Bundesversammlung auf wenige Stimmen zusammengeschmolzen.
Den vollständigen Kommentar lesen Sie auf FR-Online. Sehen Sie auch den Kommentar von Margaret Heckel auf The European.
Parteien, Kirchen und Vereinen laufen die Mitglieder davon, denn wir brauchen sie nicht mehr, um uns zu rechtfertigen.
Frank Buchenwald erklärt den Mitgliederschwund der großen gesellschaftlichen Organisationen auf dem ZDF Blog Kennzeichen Digital. Die Zeiten, in denen man mit Parteizugehörigkeit klare ideologische Positionen verkörperte seien vorbei.
Natürlich ist die Zeit der großen ideologischen Auseinandersetzungen längst vorbei, auch der Kampf um soziale Emanzipation hat seine Schärfe verloren, und die Politikentwürfe gerade der Volksparteien werden immer ähnlicher. Spötter bescheinigen ihren Programmen die gleiche allgemeine und positive Verbindlichkeit wie dem Bekenntnis: “Wir kämpfen für Freiheit und Gerechtigkeit und gegen Erdbeben.”
Veränderte Milieustrukturen machten feste Bindungen unbrauchbar.
Hinzu kommt: die einst festgefügten sozialen Milieus, seit jeher Humus für die Bindungskraft auch der Parteien, erodieren. Die Arbeiter, die nach der Schule als Lehrlinge in einen Betrieb eintraten und im Kalender mit großer Sicherheit ablesen konnten, dass sie nach vierzig Jahren im Betrieb eine silberne Taschenuhr mit Firmenlogo in Empfang nehmen konnten, sind fast ausgestorben.
Vielleicht sei die Entwicklung auch nur allzu verständlich und wir müssten uns schlicht auf eine neue Epoche gesellschaftlicher Verbindungen einstellen.
Umgekehrt wird der berühmte Schuh daraus: Ist es nicht vielmehr ein Zeichen demokratischer Reife, wenn eine Gesellschaft sich der Knute des Korporatismus und seinen Kontrollzwängen entzieht? Und, auf die Parteien bezogen: Kann man nicht Verständnis dafür haben, das immer weniger Menschen bereit sind, samstags verloren in der Fußgängerzone zu stehen, unter jämmerlichen Sonnenschirmen mit nichtssagenden Handzetteln und sich für “die in Berlin” oder “die” in der jeweiligen Landeshauptstadt abwatschen zu lassen?
Lesen Sie den vollständigen Kommentar auf dem ZDF Blog Kennzeichen Digital.
Christian Böhme hat sich in seiner Kolumne von dieser Woche mit dem Mitgliederschwund bei den Parteien befasst. Seine Kolumne lesen Sie hier.
Roman Lob tritt die Nachfolge von Lena Meyer-Landrut an und reist für Deutschland zum Eurovision Song Contest.
Die Quoten waren mies, die Teilnehmer irgendwie blass, die Jury zu euphorisch: „Unser Star für Baku“ musste bis zur finalen Show gestern viel Kritik einstecken – insbesondere die von Stefan Raab erfundene Blitztabelle, die ungefähr die Hälfte des Fernsehbildschirms einnahm und sowohl die Jury, als auch die Zuschauer zu Hause und im Studio verrückt machte. Im Finale hat sich Roman Lob nun gegen Ornella de Santis durchgesetzt. Felix Bayer kommentiert für Spiegel Online:
Mit dem Erklären des Abstimmungsmodus und diversen Einspielfilmen verging fast eine halbe Stunde, bis endlich gesungen wurde – doch dann stellte sich Ernüchterung ein: Die von “echt guten, internationalen Songwritern” (Roman Lob) den Finalisten “auf den Leib geschriebenen” Lieder (Thomas D) waren für den 21-jährigen Lob drei Powerballaden, von denen zwei äußerst unsubtil in den herauszuschmetternden Refrain übergingen. Die dritte, der spätere Siegertitel “Standing Still”, war etwas intelligenter aufgebaut, brachte das Saalpublikum zum Mitklatschen und hatte ein cleveres “falsches Ende”, eine Unterbrechung, nach der der Song noch einmal einsetzte.
De Santis, eindeutig die Frau für Balladen à la Whitney Houston oder Céline Dion, konnte mit ihren Auftritten nicht überzeugen – ebenso wenig wie „Unser Star für Baku“ als Format, denn Casting-Shows wie „X-Faktor“ oder „The Voice of Germany“ setzen ebenfalls auf den Kuschelfaktor mit angemessener Kritik und netten Juroren. Stefan Raab scheint seinen Entschluss, sich aus dem Eurovision-Song-Contest-Spektakel zurückzuziehen, bereits zu bereuen:
Er betonte auffällig, dass Thomas D von den Fantastischen Vier für die Songauswahl verantwortlich war, die gleichförmiger ausfiel als in den Vorjahren unter Raabs Regie.
Chancen auf Erfolg in Baku hat Roman Lob nach Mayers Meinung trotzdem:
“Standing Still” klingt nach internationalem Pop-Standard, etwas zu sehr nach Standard vielleicht. Aber es hat diese Stelle, die gut gesungen einen großen Moment ausmachen kann, der sich im Schnelldurchlauf gut zeigen lässt. Eine Top-Ten-Plazierung könnte möglich sein in Aserbaidschan.
Felix Mayers vollständigen Kommentar auf Spiegel Online finden sie hier.