Wenn wir durch Zauberhand nicht mehr unter US-Recht fallen würden, wäre das großartig. Sergey Brin

Die linke und die rechte Hand des Teufels

Nach oben gehorchen, nach links treten: Ein Bundespräsident Gauck wäre so deutsch, dass es schon jetzt zum Fürchten ist.

Es war der große Verdienst, halt: das große Verdienst des uncharmanten Hannoveraner Abgreifers, das Vaterland vor dem antikommunistischen Schleimer Gauck bewahrt zu haben, und der Herrgott möge es sich verkneifen, uns einen seiner verdorbensten Adoranten im zweiten Anlauf vor die staatsbürgerliche Nase zu setzen, nicht nur den in jüngerer Vergangenheit fraglos gewachsenen Unterhaltungswert des Amtes „nachhaltig“ (Chr. Wulff) zu beschädigen, sondern auch die frohe Botschaft freiheitlich-christlicher, gegen jede Form von altböser Gleichmacherei gerichteter Marktwirtschaft ex cathedra unters geneigte Volk zu blasen.

Die geballte Kraft aus Bürgerrecht und Kirchentag

So egal kann einem die viel beschworene Würde des Amtes gar nicht sein (eines Amtes, das so würdevoll nicht sein kann, wenn es, mit Ausnahme Gustav Heinemanns, abwechselnd von Nazis, Frömmlern oder Clowns bekleidet worden ist), um sich nicht trotzdem zu fürchten vor der geballten Kraft aus Bürgerrecht und Kirchentag: „In der Liebe zu einem Menschen, zumal einem Kind, zu einem Werk, zu Gott, der Kunst, der Natur, einer Arbeit, einem großen Stil entsteht eine fulminante Geneigtheit zu etwas außer mir selbst. Wer Freiheit als Verantwortung lebt, kommt letztlich bei den besten und tiefsten Potenzen an, die in uns angelegt sind.“ Bei Käßmanns Margot und ihrem gleichwie menopausalen Lebenshilfegegargel ist es noch absichtsloses Kabarett, bei Gaucks fulminanter Geneigtheit zur Verantwortung als Freiheit (man kann es drehn und wenden, es ist immer derselbe Dreck) die Verlängerung des von allen Fernseh- und Lifestylepfarrern in Richtung „Hörzu“ modernisierten Kanzeltons ins fulminante, sich an sich selbst schon sehr besaufende Arschgerede, dem Freiheit immer die Freiheit des BDI, mindestens aber die zum eigenen Fernsehauftritt ist.

„Manchmal befällt mich ein Albtraum: wir alle, die wir für Freiheit und Demokratie aufstanden, vergäßen unsere Siege, unsere Vollmacht, die großen Niederlagen der großen Unterdrücker“, derselben großen Unterdrücker, die Joachim Gauck, gegen ihre Überzeugung, Religion sei Volksverdummung, Theologie studieren ließen, während im freiheitlich-demokratischen Westen ein kommunistischer Briefträger Berufsverbot bekam. „Solchem Albtraum wehre ich mit zweierlei: mit offenen Augen, die die Siege der Menschen über ihre Unterdrücker in der Geschichte suchen, und mit geschlossenen Augen, die die Hoffnung herbeirufen, jene tiefe zumal, die nie nachgelassen hat, nach Freiheit zu rufen.“

Es ist schwer, vor dieser um gesellschaftliche Wirklichkeit ganz unbekümmerten, sich rücksichtslos anbiedernden, das eigene Kriegserlebnis im Kampf gegen Stasi und „Aktuelle Kamera“ eitel ausschlachtenden Salbungsvöllerei nicht das Brechen zu kriegen. Freiheit, Hoffnung: Dass jene, verstanden im Sinne Gaucks, diese ganz unmöglich macht, ist eine Wahrheit, die nicht zu sehen sich entweder materiellem Interesse oder göttlichem Auftrag verdankt, und der Gauck hat beides reichlich. „Ihr“, der Hoffnung bzw. der Freiheit, ist auch wurscht, „traue ich noch viel zu. Genau wie den Menschen, die ihr angehören – und jener göttlichen Kraft, die sie in unsere ängstlichen Herzen gegeben hat.“

Gauck ist für die Stimmung da, nicht fürs Catering

Die Frage, wo die Angst in unseren Herzen herkommt, z.B. die, via Hartz und Minilohn von allem außer sich selbst abgeschnitten zu sein, muss Gauck dabei nicht interessieren; er ist für die Stimmung da, nicht fürs Catering, und außerdem gilt: Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott.

Würde Gauck Präsident, wäre diesem Land aber wirklich nicht mehr zu helfen.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Ernst Elitz, Malte Lehming, Christoph Giesa.

Leserbriefe

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