Die Freiheit der Kunst ist ein hohes und nicht verhandelbares Gut. Michael Eissenhauer

Von Äpfeln und Birnen

Was denn nun? Sollen wir für den Frauenfussball andere Maßstäbe anlegen als für Männer oder auf Gleichberechtigung pochen? Beides gleichzeitig geht nicht. Dabei könnte es so einfach sein: Jedem das Seine, jeder das Ihre.

Kann Mann zum Frauenfußball eine eindeutige Meinung haben? Alle männlich-medialen Hämethemen im Stil von „Wird in der Kabine vorm Spiel noch etwas Rouge aufgelegt?“ oder „Welches Schuhdesign wählt Lira Bajramaj heute?“ mal beiseite – zu konstatieren ist: Das Fußballspiel der Frauen ist ein athletisch anderes als das der Männer. Insofern nicht vergleichbar. Insofern eigenständig. Insofern haben die Frauen recht, wenn sie auf diese Unterschiede ständig mit dem Zeigefinger draufzeigen.

Nicht besser, sonders anders

Was mich dennoch stört, ist die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Nämlich einerseits: die Forderung, frauenathletische Maßstäbe anzulegen. Andererseits: das Fußball-Spiel nach genau denselben männerathletischen Regeln spielen zu wollen, der Gleichberechtigung wegen. Das geht genauso wenig zusammen, wie die Forderung – und das Thema läuft seltsam parallel zur Frauen-WM – Lesben und Schwule sollten vorbehaltlos akzeptiert werden; andererseits aber beharren einzelne Gruppen auf geschlossenen Communities, wollen unter sich bleiben.

Frauenfußball ist auch nicht der bessere Fußball, er ist ein anderer Fußball. Kick and rush als Spielgestaltung, Zuspielbillard vor und in den Strafräumen, permanentes Bällewegschlagen, und – mein Liebling: die Hinterkopfballverlängerung eines hohen gegnerischen Balls nach hinten in die eigene Abwehr. Positiv gesagt: der Instinkt überwiegt, Technik und Taktik stehen hintan. Sind das wieder Männermaßstäbe? Es wirkt nicht wie die Frauen-Version des Fußballspiels; es ist eher die Softball-Version des Männerspiels.

Die Atmosphäre in den WM-Stadien ist zweifellos eine komplett andere als bei Männerspielen: statt Schlachtgebrüll und Fäkalbeschimpfung dominiert Frohsinnslachen und Spinnenangstgekreische. Es dröhnt kein basslastiges AC/DC-Stück – vielmehr planscht James Blunt platteuphorisch durchs weite Rund. Es fühlt sich eher an wie Kindergeburtstag.

Was hast du denn gegen Frauenfußball?

Aber die Männer kapieren’s auch nicht. Wann, wenn nicht jetzt, wäre zum Beispiel endlich die Gelegenheit, bei der Berichterstattung generell mal von Zuschauerinnen zu sprechen? Ganz anders auf den Punkt gebracht hat’s diese Dame (Name dem Autor bekannt): „Was hast du denn gegen Frauenfußball? Ich hab neulich in meiner Wohnung rumgeputzt, der Fernseher war an, ein Spiel lief gerade, und dann saß ich aufm Sofa und hab zugeguckt und fand’s ganz possierlich …!“

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Lukas Hermsmeier, Daniel Mack, Matthias Heitmann.

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