Von den unzufriedensten Kunden kann man das meiste lernen. Bill Gates

Akzeptiert das globale Dorf

Das Internet bietet viele Chancen – doch nur der aufgeklärte Bürger kann sie wahrnehmen. Medienkompetenz ist der Schlüssel für diese Aufklärung. In der Enquete-Kommission ist diese Erkenntnis noch nicht angekommen, stattdessen geht es nur um die Gefahren des Netzes.

Wenn ein Begriff gerade in Mode ist, so ist es dank der Sitzung der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft sowie der Diskussion rund um den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag wohl gerade jener der “Medienkompetenz”. Auffällig dabei ist allerdings, dass meist nicht definiert wird, was er eigentlich meint, und so bedeutet er wahrscheinlich für jeden etwas leicht anderes.

Allen Diskussionen gemeinsam ist aber wohl eines: Es geht um Gefahren, die von Jugendlichen abzuwenden sind. So gibt es einmal mit dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag die Variante, in der der Staat die Jugendlichen beschützt, und bei der Medienkompetenz die Variante, mittels derer der Jugendliche sich selbst beschützt. 

Im Internet ist jeder Sender

Doch beide Ansätze greifen zu kurz. Beim Jugendmedienschutz-Staatsvertrag ist das Hauptproblem, dass man versucht, Gesetzmäßigkeiten des klassischen Rundfunks auf das Internet zu übertragen. Man geht davon aus, dass es nur wenige Sender und kein Ausland gibt. Das Ergebnis sind Sendezeiten im Internet. Was aber fehlt, ist die Erkenntnis, dass im Internet jeder ein potenzieller Sender ist.

Beim Thema Medienkompetenz scheint man da ein wenig weiter zu sein, denn hier wird immerhin anerkannt, dass im Prinzip alle senden. Doch anstatt eben genau dies als Chance zu begreifen, wird es doch wieder als Risiko gesehen. So soll Jugendlichen z. B. klargemacht werden, wie sie ihre Privatsphäreneinstellungen konfigurieren, sodass eben nicht die ganze Welt alles von ihnen mitbekommt. Senden also gern, aber bitte doch nicht an alle.

Nun ist es sicherlich so, dass einem schon bewusst sein sollte, an wen man gerade sendet, und man sollte auch in der Lage sein, Inhalte bewerten und einordnen zu können. Aber damit darf es sich nicht erschöpfen. 

Das Internet gibt jedem das Wort

Die vielleicht größte Chance des Internets ist ja genau die, dass jeder publizieren kann. Man braucht keinen Verlag, keine Druckerei, kein Fernseh- oder Radiostudio, man braucht einen handelsüblichen PC und einen Internetanschluss und schon hat man die Chance auf ein großes Publikum. Was sollte man sich in einer Demokratie mehr wünschen, als wenn jeder Bürger Gehör finden kann und die Meinung nicht am Stammtischrand endet? Sollte nicht darauf hingearbeitet werden, die eigene Meinung sagen und vertreten zu wollen? Oder wollen wir nur Ja-Sager?

Sollte also nicht die Erstellung von Inhalten gefördert werden? Sollte man nicht lernen, wie man YouTube-Videos erstellt, bloggt, twittert, eine Community aufbaut und mit Trollen umgeht?

Auch ist das Internet ein sozialer Raum und soziale Interaktionen finden nun einmal besser statt, wenn man das Gegenüber kennt. Es ist also eventuell nicht unbedingt sinnvoll, sein komplettes Profil privat zu schalten. Sollte man hier nicht eher lernen, damit offensiv umzugehen, also sein eigenes Image im Internet zu schaffen, anstatt dies andere tun zu lassen?

Der Bürger braucht Medienkompetenz

Verfolgte man die Sitzung der Enquete-Kommission, so war davon leider wenig zu hören. Es ging hauptsächlich um Gefahren, um die Namensgebung der Arbeitsgruppe und um die Frage, wem man denn eigentlich Medienkompetenz beibringen müsse. Ist es der Jugendliche? Oder sind es doch die Eltern? Oder gar Journalisten? Die Antwort ist natürlich: jedem Bürger! 

Meines Erachtens sollte das Ziel keine Gesellschaft von Geheimniskrämern sein, sondern eine, in der es normal ist, seine Meinung sagen zu wollen und sagen zu können. Das globale Dorf ist hier, wir müssen es nur akzeptieren!

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Jimmy Schulz, Jens Seipenbusch, Thomas Jarzombek.

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Mehr zum Thema: Internet, Enquete-kommission, Netzsperre

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