Mindestlohn ist DDR pur ohne Mauer. Guido Westerwelle

Das wahre Gesicht von Facebook

2014 hat Facebook, das kleine freundliche Studentennetzwerk von nebenan, das Startup-Unternehmen Whatsapp übernommen – ein Botschaftsdienst von großer Beliebtheit, dessen Basis wie die von Facebook aus Daten, Daten, Daten besteht. Und natürlich würden diese Daten nicht zu einer kritischen Masse vereinigt und verdichtet, so schwor man hoch und heilig. Um es dann doch zu tun.

Facebook und Whatsapp – die Nutzergemeinde bevölkert zum großen Teil beide Plattformen, manche allerdings schwören auf das eine und verachten das andere. Solche Whatsapp-Fans wollten definitiv nicht, dass ihre persönlichen Vorlieben, Gewohnheiten, Adressen und Kontakte bei Facebook landen, wo sie möglicherweise aus gutem Grund nicht immatrikuliert waren. Aber wie das so ist: Gelogen wird in den feinsten Kreisen, und manchmal gar von wahren Wohltätern der Menschheit wie Mr. Zuckerberg, der doch nur den Planeten umspannen möchte mit seinem Netz und gar nicht mehr als das. Da fehlen nur noch ein paar Mitglieder, besser Kunden, denn man hat erst knapp zwei Milliarden Menschen unter der Knute – Verzeihung, man hat sie als „Freunde“, die sich beim Internetangebot von Facebook ihre Nachrichten holen. Und die übertriebenen Denkaufwand vermeiden, indem sie statt nachdenklicher, differenzierter Bewertung von Dingen die Wahl zwischen „Like“ und „Dislike“ wahrnehmen. Was beweist, dass die schöne neue Facebookwelt nur schwarz oder weiß kennt. Da sage noch mal jemand, die heutige Zeit sei unübersichtlich.

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Sehr übersichtlich auch die Kursentwicklung der Facebook-Aktie: Beim Börsengang 2012 gab es zwar mal einen Dämpfer, als Ungereimtheiten in der Informationspolitik des Unternehmens die Runde machten, seither aber ging es von Werten in den Dreißigern pro Anteilsschein auf derzeit 133 Euro, und die allermeisten Analysten raten zum Kauf. Mit einer Marktkapitalisierung weit über 300 Milliarden Euro darf man vermutlich nicht mehr erwarten, dass es hier um einen wohltätigen Verein geht, weshalb Mark Zuckerberg seine Aktien angeblich wohltätigen Zwecken zugeführt hat, auch wenn die Stiftung, in die er den Großteil seines Kapitals einbrachte, eine ganz normale Geschäftsverfassung hat. Muss man verstehen – niemand trennt sich gern von seinem Geld, will aber keine Steuern und einen guten Ruf, was nicht leicht gleichzeitig hinzubekommen ist.

Unter den diversen Übernahmen des feinen Mr. Zuckerberg waren stets datensammelnde Firmen in Wort und Bild und Ton, und der Ärger mit dem Kauf von Whatsapp kam in Europa auch nur daher, dass man glatt gelogen hatte: Die Zusammenführung der Daten von beiden Plattformen sei gar nicht möglich, hatte es geheißen. War es aber doch, und nur deswegen nun die Strafe von 110 Millionen Euro, weniger als 0,5 Prozent des Jahresumsatzes, die Facebook auch ohne Murren bezahlt – damit Ruhe ist. Die Daten hat man und behält man. Mancher mag sich an den Gründungswahlspruch von Google erinnern: „Sei nicht böse“. Den holt mit gutem Grund niemand mehr aus der Versenkung, denn das dann fällige Gelächter könnte Gehörgänge zerstören.

Die Datenkraken, wie sie alle heißen, sind weder von der EU-Kommission noch von den Kunden zu stoppen, die sich auf konzertierte Aktionen niemals verständigen könnten. Aber es gibt ein Leben ohne Facebook, in der Tat. Die beruhigendste Option vielleicht die: Konto dort löschen oder gar nicht erst eröffnen, und mit der Facebook-Aktie am Hype verdienen, ohne ihm ausgesetzt zu sein. Das hat zwar ebenfalls Risiko, aber immerhin eine Gewinnchance – die Facebook-Kunden sehen mehr Risiken ins Auge als die Facebook-Aktionäre.

Dieser Text erschien zuerst in der BÖRSE am Sonntag.

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