Die Leute benennen ihre Bälger immer noch, als wären sie ein Schosshündchen von Fräulein Hilton. David Baum

Investieren jetzt auch die Banken?

EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch sieht den Bitcoin-Hype mit Sorge und hält ihn für eine Gefahr für die Finanzstabilität. Da jetzt auch Banken in Bitcoins investierten, müsse die Bankenaufsicht genau prüfen, wie groß die eingegangenen Risiken seien.

Am meisten treibe ihn indes um, wenn Finanzmarktinfrastrukturen wie Börsen in dieses Geschäft einsteigen, sagte Mersch der BÖRSEN ZEITUNG: “Das birgt große Gefahren für die Finanzstabilität.” Mögliche Verluste einzelner Anleger seien dagegen kein Thema für die EZB: “Was den einzelnen Investor betrifft, steht es jedem frei zu zocken. Dann soll er aber bitte, wenn etwas schief gelaufen ist, auch nicht zu uns kommen und sagen, wir hätten das verbieten und ihn vor sich selbst schützen müssen.”

Da kann man nur jedem Wort zustimmen – wobei ich gerne hinzufügen würde, dass die größte Gefahr für die Finanzstabilität bestimmt nicht die Bitcoins sind, sondern die verrückte Politik der EZB unter Draghi, die durch ihre unverantwortlichen Käufe von Staats- und Unternehmensanleihen und durch ihre Nullzinspolitik weitgehend marktwirtschaftliche Mechanismen abgeschafft hat.

„Milchmädchen“?

Dass jetzt offenbar auch Banken anfangen, in Bitcoins zu investieren, bestätigt eine alte These von mir: Die bei Börsianern beliebte Rede von der „Milchmädchenhausse“ tut den armen Milchmädchen unrecht (mich wundert es sowieso, dass gegen dieses Wort noch keine Gender-Expert*in wegen Frauenfeindlichkeit protestiert hat). Denn in der letzten Phase einer Spekulationsblase steigen meist erst die Banken und andere Institutionelle ein, die sich dadurch auszeichnen, dass sie extrem pro-zyklisch agieren und erst auf einen Trend aufspringen, wenn er schon bald wieder vorbei ist. Insofern ist ihr Verhalten ein ganz guter Kontraindikator für clevere Investoren – ebenso wie die Tatsache, dass jetzt jede Menge mit dem Bitcoin unterlegte Finanzderivate aufgelegt werden.

Absurde Kritik des HANDELSBLATT an Banken

Ein guter Indikator dafür, dass es sich beim Bitcoin um eine spekulative Blase handelt, ist der Tenor in einigen Wirtschaftsmedien, die seinerzeit auch dabei waren, den „Neuen Markt“ hochzujubeln. Das HANDELSBLATT kritisierte die Banken unlängst nicht etwa, weil einige in das Bitcoin-Geschäft einsteigen, sondern spekulierte über dunkle Motive dafür, dass sie ihre Kunden davor warnten: „Die Vermutung liegt nahe, dass es hier vielleicht nicht allein darum geht, dass die Banken ihre Kunden vor zu hohen Risiken schützen wollen. Ist es vielleicht eher gekränkter Stolz, dass quasi aus dem Nichts eine digitale Währung erschaffen wurde – an den Banken vorbei und ohne Möglichkeit für die Finanzhäuser, sich daran zu beteiligen? Je erfolgreicher der Bitcoin wird, desto mehr wird klar, dass dies eine Technologie ist, die Banken überflüssig macht. Schließlich ermöglicht es die Blockchain-Technologie, auf der der Bitcoin basiert, Transaktionen ohne Banken als Mittelsmänner durchzuführen.“ Diese Passage stammt nicht aus einer zu Verschwörungstheorien neigenden Online-Plattform, sondern aus dem HANDELSBLATT. Unsinnigerweise wird im gleichen Artikel der Bitcoin, der einfach eine Spekulation mit Nichts ist, mit Leveraged Loans und der Verbriefung von Hypothekenkrediten verglichen, nur weil Auswüchse bei Letzteren zur Finanzkrise beigetragen haben.

Bitcoin nicht besser als „Fiat-Geld“?

In Diskussionen mit Bitcoin-Fans wurde mir von diesen oft entgegengehalten, auch Fiat-Geld (= Papiergeld) sei „Nichts“, weil es nicht mit Gold gedeckt sei. Daher sei es unfair, wenn ich Bitcoins als Spekulation mit „Nichts“ bezeichne. Nun, ich gehöre seit Jahren zu den schärfsten Kritikern der Politik der Zentralbanken, die in der Tat letztlich nur möglich ist durch unser gegenwärtiges Geldsystem. Aber ganz pragmatisch ist mir das „Fiat-Geld“ sehr viel lieber als die angebliche „Währung“ Bitcoin, die in Wahrheit keine einzige Funktion einer Währung erfüllt. Ich käme auch nicht auf die Idee, nur weil ich das gegenwärtige Geldsystem kritisiere, Tulpenzwiebeln zu kaufen. Denjenigen, die mir erklären, Papiergeld sei doch auch „Nichts“ wert, habe ich immer geantwortet: Ich will euch nicht belehren. Bleibt bei eurer Meinung. Und gebt das aus eurer Sicht wertlose Papiergeld anderen Menschen, die eure Meinung nicht teilen, sondern dem einen Wert beimessen.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Rainer Zitelmann: Zielmarken für verarbeitete Lebensmittel

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