Mit Superlativen sollten wir zurückhaltender umgehen. Klaus Töpfer

Grüne 4,57%, CDU: 18,46%

Viele Politiker verkünden seit Tagen, dass nur knapp 13 und nicht 63 Prozent der türkischen Wähler für das Referendum gestimmt hätten. Vor allem Polenz von der CDU und Roth von den Grünen, aber auch ARD-Journalisten haben so gerechnet. Ich habe auf dieser Basis das Wahlergebnis von 2013 neu berechnet.

Seit Tagen werden wir belehrt, dass die Zustimmung der in Deutschland lebenden Türken zum Referendum viel geringer gewesen sei als es das Wahlergebnis von 63 Prozent nahelege.

Der Rechentrick

Und so funktioniert der politisch korrekte Rechentrick: Man vergrößert den Nenner bei der Prozentberechnung so lange, bis man das wünschenswerte Ergebnis hat:
Man addiert zu der Zahl der Wähler, die eine gültige Stimme abgegeben haben (das ist normalerweise bei allen Berechnungen für den Prozentwert bei Wahlen der Nenner):

- Personen, die zwar wahlberechtigt waren, sich jedoch gar nicht an der Wahl beteiligt haben.

- Weitere Personen, die nicht wahlberechtigt waren, weil sie keinen türkischen Personalausweis besitzen (aber beispielsweise türkische Eltern haben)

- Weitere Personen, die nicht wahlberechtigt waren, weil es Kinder und Jugendliche sind, die noch nicht wählen dürfen.

Durch diese willkürlichen Additionen wurde der Nenner auf 3,5 Millionen Menschen erhöht. Da 450.000 in Deutschland lebende Türken bei dem Referendum mit „Ja“ stimmten, kommt man so auf etwa 13 Prozent Zustimmung. So hat es zuerst der CDU-Politiker Ruprecht Polenz vorgerechnet, Claudia Roth und viele Journalisten von ARD und ZDF haben diese politisch korrekte Fake-Rechnung kritiklos übernommen.

Rückrechnung der Bundestagswahl 2013

Ich schlage Polenz und Roth vor, ihre Art der Berechnung nun auch rückwirkend auf das Bundestagswahlergebnis 2013 für ihre Parteien anzuwenden. 2013 erhielten die Grünen 8,4 Prozent der Zweitstimmen und die CDU 34,16 Prozent. Bezogen waren diese Prozentzahlen (so wie bei den 63 Prozent beim Türkei-Referendum) auf die Zahl der Wähler, die eine gültige Stimme abgegeben haben.

Wir wenden nun die alternative Polenz/Roth-Berechnungsmethode an, wie sie von den beiden Politikern (und in der Folge von vielen anderen) für das Türkei-Referendum verwendet wurde, vergrößern also den Nenner. Wir nehmen für diesen Zweck die Zahl der Einwohner Deutschlands laut offiziellen Angaben des statistischen Bundesamtes für Ende 2013. Das waren 80,8 Millionen. Darunter sind nun, wie bei der Polenz-Roth-Methode, zahlreiche Personen, die gar nicht wahlberechtigt sind oder sich nicht an den Wahlen beteiligt haben, obwohl sie wahlberechtigt waren.

Auf die Grünen entfielen bei den Bundestagswahlen 2013 3.694.057 Stimmen. Auf die CDU entfielen 14.921.877 Stimmen. Bezogen auf die neue, erweiterte Bemessungsgrundlage, nämlich die Einwohner Deutschlands, ergibt sich für die Grünen bei dieser Neuberechnung ein Ergebnis von 4,57% (statt offiziell 8,4%), für die CDU ergibt sich ein Ergebnis von 18,46% (statt offiziell 34,16 Prozent). Die Grünen sollten den Bundestag verlassen, weil sie – ohne es bisher zu merken – die 5%-Hürde verfehlt haben. Oder will man die alternative Berechnungsmethode nur dann verwenden, wenn es passt?

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Rainer Zitelmann: Warum Lindner Recht hat

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