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Psychologie der Superreichen

Auf Anhieb große Beachtung in den Medien findet Rainer Zitelmanns neues Buch „Psychologie der Superreichen“. EUROPEAN sprach mit dem Autor.

Sie haben die erste sozialwissenschaftliche Studie zur Psychologie von Superreichen verfasst. Warum hat sich die Forschung bisher so wenig damit beschäftigt?

Ja, es gibt eine unendliche Fülle an Literatur über Armutsforschung, aber nur wenige wissenschaftliche Arbeiten über Reiche. Es herrscht eine Sprachlosigkeit zwischen der akademischen Elite und der Vermögenselite, die wenig voneinander wissen, aber wechselseitig umso mehr Vorurteile pflegen. Zudem ist es schwer ist, an die wirklich Reichen heranzukommen und sie zum sprechen zu bringen.

Man wirft den Superreichen vor, dass sie sich verstecken, abkapseln von der Gesellschaft.

Das hat Gründe. Auch ich musste meine Interviews anonym machen. Die meisten Superreichen sind froh, wenn sie nicht in einschlägigen Listen wie etwa im Manager Magazin auftauchen. Nicht nur, weil sie vielleicht Erpressungen oder Ent-führungen fürchten, sondern auch den alltäglichen Neid, der Menschen entgegenschlägt, die hohe Vermögen besitzen.

Wie sind Sie dennoch an Ihre Interviewpartner gekommen?

Erstens kenne ich viele, insbesondere aus der Immobilienbranche, in der ich selbst seit fast zwei Jahrzehnten aktiv bin. Da haben die Menschen Vertrauen zu einem, empfehlen einen auch weiter. Zweitens war es für mich einfacher, weil ich als überzeugter Marktwirtschaftler nicht in dem Verdacht stehe, unter dem Vorwand der Wissenschaft Vorurteile und Sozialneid zu pflegen.

Und was hat Sie angetrieben?

Das, was jeden Wissenschaftler antreibt. Neugier, mehr über etwas zu erfahren, über das man noch zu wenig weiß. Mich interessierte vor allem die Persönlichkeitsstruktur von Menschen, die es aus eigener Kraft geschafft haben, ein mindestens zwei- oder dreistelliges Millionenvermögen aufzubauen.

Sind die Personen, die Sie interviewt haben, nicht sehr unterschiedlich?

Natürlich sind sie unterschiedlich. Aber es gibt auch Gemeinsamkeiten und es gibt Denk- und Verhaltensmuster, die diese Menschen von vielen anderen unterscheiden. Eigentlich ist das logisch. Würden sie genauso denken und damit genau so handeln wie die meisten Menschen, hätten sie es kaum geschafft, solche Vermögen anzuhäufen.

Spielt nicht auch Glück eine Rolle?

Ich habe noch keinen kennengelernt, der sein ganzes Leben lang stets ungeheures Glück hatte. Diejenigen, die durch reines Glück reich werden, zum Beispiel Lottospieler oder Erben, verlieren es nicht selten wieder. Umgekehrt gilt: Wer weiß, wie man vermögend wird und über die richtigen mentalen Voraussetzungen verfügt, kann es auch wieder erlangen, wenn er es verloren hat. Das kann ein Lottospieler nicht. Übrigens ist das sehr interessant, warum so oft auf „Glück“ hingewiesen wird – auch von den erfolgreichen Menschen selbst. Ich habe dem Thema ein ganzes Kapitel gewidmet.

Sie kritisieren die traditionelle Eliteforschung – warum?

Wenn sich die Eliteforschung mit der Wirtschaftselite befasst hat, dann hat sie viel zu einseitig nur angestellte Manager von Großkonzernen in den Blick genommen. Die Gruppe, mit der ich mich befasse und die ich „Vermögenselite“ nenne, wurde dagegen weitgehend ignoriert. Ich meine damit selbstständige Unternehmer und Investoren. Ich denke, die Chancen, dass jemand aus einfachen Mittelschichts-Familien in diese Vermögenselite aufsteigt, sind viel größer als die Wahrscheinlichkeit, dass er DAX-Vorstand wird. Formale Bildungsvoraussetzungen beispielsweise spielen eine ganz untergeordnete Rolle. Einige der reichsten Interviewpartner mit denen ich sprach, hatten nur einen Haupt- oder Realschulabschluss, einer war Legastheniker und kann bis heute nur eingeschränkt lesen und schreiben. Der wäre bestimmt nie DAX-Vorstand geworden. Ich finde, das ist auch eine motivierende Botschaft und sie relativiert ein wenig die Klage über fehlende Aufstiegsmöglichkeiten in unserer Gesellschaft.

Haben Sie mit dem großen Interesse an dem Thema gerechnet?

Ich habe es gehofft, aber ich war schon positiv überrascht, dass der Verlag mir am ersten Erscheinungstag eine Mail schickte, dass das Buch nachgedruckt werden muss, weil man sonst in einigen Tagen nicht mehr werde liefern können.

Mehr Informationen erhalten Sie hier: Psychologie der Superreichen

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