Wer glaubt, dass jeder Facebook-Kontakt ein Freund ist, der weiß nicht, was Freundschaft bedeutet. Mark Zuckerberg

Dient Deutschland!

Die Wehrpflicht ist nicht einfach eine Bürde. Sie bietet jungen Menschen Erfahrung und Orientierung für das spätere Leben. Mit der Abschaffung der Wehrpflicht sollte man endlich “Wehrgerechtigkeit” herstellen und allen die Chance eröffnen, durch freiwilliges Dienen den eigenen Horizont zu erweitern.

Erst war “nur” eine Verkürzung des Wehrdienstes auf sechs Monate geplant, doch dann stellte der Verteidigungsminister die Wehrpflicht selbst auf den Prüfstand. So rückt deren Ende wieder näher. Bis auf CDU/CSU sowie Teile der SPD diskreditieren inzwischen alle anderen im Bundestag vertretenen Parteien zudem Wehr- und Zivildienst als “Zwang”, der jungen Menschen Lebenszeit raube.

Diese Sichtweise ist bedenklich, weil eine freiheitliche Demokratie darauf angewiesen ist, dass ihre Bürger aktiv für die staatliche Ordnung eintreten. Hinzu kommt: Viele Zivildienstleistende und Wehrpflichtige erleben ihren Dienst als Chance, sich zu qualifizieren, finden oft sogar eine Orientierung für ihr späteres Leben. Wehr- und Zivildienst sind Lerndienste, die neben der Pflichterfüllung Perspektiven eröffnen.

Darin offenbart sich die Schwäche der Wehrpflicht: junge Frauen und die ausgemusterten jungen Männer werden nicht herangezogen. Folglich profitieren sie auch nicht von den Erfahrungen, die ein Teil ihrer Generation macht. Die Alternative, eine einjährige Dienstpflicht für alle, ist zwar keine schlechte Idee, ist aber – abgesehen von verfassungsrechtlichen Bedenken – kaum mehrheitsfähig.

Neue Einsatzfelder erschließen

Darum ist es konsequent, den Blick stärker auf die Förderung des freiwilligen Dienens zu richten. Wenn junge Männer in ihrer persönlichen Entwicklung von der Dienstzeit profitieren, dann gilt dies auch für die gut 40.000 jungen Menschen, die jährlich ein Freiwilligenjahr absolvieren. Ähnlich viele haben Interesse an einem freiwilligen Dienst, finden aber keine Einsatzmöglichkeit. Wir können uns das eigentlich nicht leisten. Das bürgerschaftliche Engagement junger Menschen in den Freiwilligendiensten wird zudem künftig durch den demografischen Wandel “gefährdet”, wenn es uns in den nächsten Jahren nicht gelingt, eine neue Freiwilligenkultur zu entwickeln. Unternehmen müssen erkennen, dass Bewerberinnen und Bewerber, die in ihrem Lebenslauf ein Freiwilligenjahr vorweisen, soziale Kompetenzen mitbringen, die sie zusätzlich qualifizieren. Und für die jungen Menschen selbst bedarf es neben dem sozialen Freiwilligenjahr neuer Einsatzfelder in den Bereichen Kultur, Sport und Bildung, die ihren Fähigkeiten und Neigungen entsprechen.

Ein Bereich darf bei einem solchen Modell nicht vergessen werden: der Wehrdienst. Natürlich sollte die Bundeswehr jungen Männern und Frauen auch künftig die Möglichkeit geben, ein Jahr als “Einjährigfreiwillige” ihren Dienst in der Truppe zu leisten. Das Aussetzen der Wehrpflicht wäre also nicht das Ende, sondern vielmehr eine Chance, Wehrdienst und Zivildienst intelligent als freiwilligen Dienst für unser Land weiterzuentwickeln.

Eine sichere Investition

Am Ende dieser Entwicklung steht das freiwillige Dienstjahr als – um es an dieser Stelle einmal altmodisch aber doch wahrheitsgemäß zu formulieren – Ehrendienst für unser Land und unsere Gesellschaft. Was wäre so schlimm daran, wenn es “zum guten Ton” gehören würde, dass junge Menschen eine Zeit ihres Lebens nicht nur in den Dienst der Gesellschaft stellen, sondern dieses Jahr zusätzlich ganz bewusst für sich selbst als erweitertes Bildungsjahr nutzen würden? Dann bekäme der Satz “Haben Sie gedient?” in Vorstellungsgesprächen eine ganz andere, auf einmal unheimlich moderne Bedeutung. Wem dieser Zugang zu patriotisch klingt, für den kann man es wie folgt formulieren: Die Rendite einer so verstandenen Freiwilligenkultur für Deutschland ist sensationell. Und es ist in jedem Fall eine absolut sichere Investition.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Martin Böcker, Klaus Wittmann, Thomas Wiegold.

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