Friseurgespräche sind der unwiderlegliche Beweis dafür, dass die Köpfe der Haare wegen da sind. Karl Kraus

Das Passionsprinzip

Auf 20.000 Dollar wurde "La Bella Principessa" in den 80er-Jahren geschätzt. "19. Jahrhundert, deutsche Schule", mutmaßte Christie's. Nun, drei Jahrzehnte später, weiß man, es handelt sich um einen da Vinci. Sofort steigt der Schätzpreis auf sagenhafte 150 Millionen Dollar. Das Bild bleibt das Gleiche – gleich alt, gleich schön. Diese Schönheit war der Grund, aus dem der Sammler Peter Silverman das Werk vor zwei Jahren kaufte. – Eine Passion, unabhängig vom monetären Wert oder der Zuschreibung.

Schönheit liegt immer im Auge des Betrachters. Und Kunst hat schon an sich keinen wirklichen Wert. Weder kann man Kunst in einer Hungersnot oder Dürre konsumieren noch kann man sie in einer großen ökonomischen Krise einfach so weiterveräußern. Ihr Wert ist äußerst zaghaft und vorsichtig und unterliegt immer den Regeln des “Marktes” – in anderen Worten –, sie ist immer nur das Wert, was jemand anderes gewillt ist, dir dafür zu zahlen.

Also hat jeder, der Kunst als Spekulationsobjekt kauft, bereits verloren, da schon seine Voraussetzungen fehlerhaft sind. Wir BRAUCHEN Kunst nicht, müssen sie jedoch lieben, damit sie ihrem ursprünglichen Sinn dienen kann – Ästhetik, Erbauung, Inspiration und sogar Dekoration.

Teuer ist gleich schön

Also bewegen sich Spekulanten aus den falschen Gründen in der Kunstwelt. Und sie werden letztendlich das gleiche Schicksal erleiden wie all jene, die ihr Geld den Madoffs dieser Welt nachgeworfen haben. In der wirklichen Welt ist es leider nur zu oft so, dass Menschen den Geldwert einer Sache mit deren tatsächlicher Wertigkeit assoziieren. Das heißt, was viel kostet, ist auch schön.

Im Falle von “La Bella Principessa” von Leonardo da Vinci nahm man zuerst an, es handle sich um ein Gemälde einer deutschen Schule aus dem 19. Jahrhundert. Die Menschen, die das Kunstwerk im Auktionshaus sahen, empfanden es als recht hübsch.

Als später gemutmaßt wurde, es handle sich wahrscheinlich doch um ein italienisches Werk aus dem 15. Jahrhundert, fand man sie plötzlich wunderschön.

Jetzt, da bewiesen ist, dass sie von Leonardo da Vinci gezeichnet wurde und wohl um die 150 Millionen Dollar wert ist, ist sie regelrecht exquisit, außergewöhnlich, bemerkenswert und mehr.

Weil du es liebst

Das spricht Bände darüber, wie sehr sich unsere Perspektiven verändern, je nach Zuschreibung und Geldwert. Van Gogh verkaufte zu Lebzeiten nicht ein einziges Gemälde. Viele großartige Künstler, deren Werke heute Millionen von Dollar wert sind, konnten von den Einnahmen ihrer Kreationen kaum überleben.

Nur ein wahrer Sammler, der aus Leidenschaft kauft und Fachwissen und Expertise besitzt – gleichwohl vom Objekt selbst und vom Kunstmarkt –, sollte sich in die Kunstdomäne wagen. Kauf es, weil du es liebst, weil du es dir leisten kannst und damit leben willst. Leidenschaft ist an dieser Stelle das definierende Prinzip.

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