Die Reaktorkatastrophe von Fukushima hat vor allem in Deutschland große Wellen geschlagen. Mehr als 70 Prozent aller Artikel, die in Europa über Fukushima geschrieben wurden, sind in Deutschland erschienen, in Frankreich und England steht nach wie vor das Erdbeben mit dem anschließenden Tsunami im Mittelpunkt der Berichterstattung. Nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch in der Politik macht sich ein Umdenken breit: So haben CDU und FDP eine Kehrtwende in der Energiepolitik vollzogen: die älteren Reaktoren wurden sofort für drei Monate abgeschaltet und eine Ethikkommission wurde eingesetzt, um die Risiken der Kernenergie und die Chancen einer Energiewende zu bewerten. Wie kam es dazu?
Politik, Angst und Wut
Zum Ersten spaltete die Atomenergie von Anfang an die politischen Lager in Deutschland. Die grüne Bewegung beispielsweise ging maßgeblich aus Anti-Atomkraft-Initiativen hervor und bildet bis heute in dieser Frage die prägende politische Kraft der Bundesrepublik. Immer noch eint der Protest gegen die Kernkraft alle Flügel der grünen Partei – von den Realos bis zu den restlichen noch vorhandenen Fundis. Mit Fukushima sehen sie nun die einzigartige Chance, endgültig aus der Nutzung der Kernenergie auszusteigen.
Zum Zweiten (und das ist nicht nur typisch für Deutschland) haben alle Technologien ein großes Angst einflößendes Potenzial, deren Folgen man nicht sehen, schmecken oder riechen kann – so wie die Strahlung von Kernbrennstoffen. Sie treten an die Stelle von realen Gefährdungen wie bestimmten Krankheiten oder Hunger, die früher die Menschen sorgten, aber heute weniger präsent sind oder gar völlig fehlen.
Ein dritter Punkt lässt sich auf die umstrittene Laufzeitverlängerung zurückführen, die zur Entstehung und Förderung des Wutbürgertums beigetragen hat. Fukushima stellt quasi eine Art Projektionswand dar, auf der Fragen zur Kernkraft wie die verlängerten Laufzeiten oder das fehlende Endlager nochmals abgebildet werden.
Die Welt guckt nach Deutschland
Alle Welt sieht jetzt auf Deutschland, ob es diesem Hochtechnologieland gelingt, in absehbarer Zeit aus der Kernenergie auszusteigen und gleichzeitig Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Es würde den gesamten Atomausstieg konterkarieren, wenn Deutschland den fehlenden Strom aus tschechischen oder französischen Kernkraftwerken importieren würde. Die Energiewende muss ein nationales Programm werden, das Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam angehen. Die Energiewende ist nach Ansicht der meisten Wissenschaftler und Energiefachleute möglich, allerdings nicht zum Nulltarif. Sie ist auf Investitionen in Infrastrukturleistungen und auf ambitionierte Effizienzgewinne angewiesen. Dies setzt nicht nur ein Umdenken in vielen Chefetagen von Wirtschaft und Politik, sondern auch eine Einsicht der Bürgerinnen und Bürger voraus, dass die Energiewende ohne neue Netzleitungen und Speicherkraftwerke Makulatur bleibt.
Ein zügiger Ausbau der Infrastruktur braucht aber nicht an dem Wunsch der Bürgerinnen und Bürger an mehr Beteiligung zu scheitern. Im Gegenteil, je mehr die Bürgerschaft in die Entscheidungsfindung eingebunden wird, desto eher ist auch damit zu rechnen, dass das, was sie in jeder Umfrage mit über 80 Prozent als Präferenz äußert, auch in die Realität umgesetzt wird. Jetzt ist Zeit, dass Wahrnehmung und Realität zusammenkommen. Wenn das gelingt, wird das Ausland dies mit Hochachtung und Respekt kommentieren. Wenn nicht, wird der deutsche Sonderweg zum Gespött aller.























Die Energiewende setzt die Einsicht bei den CitoyenNEs voraus, dass Netzwerke und Speicherkraftwerke v o r d e r e i g e n e n H a u s t ü r e n e u z u b a u e n eine unbedingte Notwendigkeit ist.
Weil aber St. Florian, der z. B. verhindert, dass die Flugverkehr-Entlastungsstrecke zwischen Paris und Prag einen schicken subterranen Bahnhof nahe Daimler bekommt, der Genius unserer Zeit ist, werden Energieerzeugungsanlagen, die nicht zwingend außerhalb der Sichtweite von Stefan Austs Gestüt nahe Emden und somit nicht mind. 50 km vor der Küste platziert sind, keine Chance auf Realisierung haben.
Ich wohne nordöstlich von Biblis und kann mir ein Gaskraftwerk an selben Standort vorstellen. Nur wenige der Anti-AKW-Demonstranten können das, zu wenige. Der Protest zementiert den Status Quo.
Wenn Jeder nach seinem eigenen Befinden schon im Vorfeld sagt, “das geht nicht”, dann geht’s auch nicht.
Wenn man aber versucht, Jeden davon zu überzeugen, dass es nur gemeinsam und mit Abstrichen für Jeden (ohne Ausnahme!) geht, kann man vielleicht doch Alles zeitnah so umsetzen, dass es geht.
Eine technische Frage stellt sich mir allerdings, vielleicht hab ich ja auch nicht richtig aufgepasst?
“Warum brauchen wir neue Trassen? Die jetzige Versorgung läuft doch auch über schon bestehende Trassen, warum also Alles neu?”
Klar, das Eine oder Andere ist marode und muss erneuert werden. Es scheint aber doch so, als könne erneuerbarer Strom nicht über dieselben Leitungen verteilt werden, als der bisherige Strom, egal woraus er hergestellt wird.
Warum ist das so? Wer weiß das (definitiv!)? Wer kann’s erklären?
liebe erna
es braucht neue trassen, weil der strom z.b. bei windkraft im norden produziert wird und anschließend in den süden transportiert werden muss. den es wird auf absehbare zeit keine offshore-anlagen bei biblis und isaa1/2 geben.
Man spricht gemeinhin immer vom “fließenden elektrischen Strom” – aber das ist eigentlich falsch. Denn in unseren Leitungen haben wir Wechselstrom und da fließt eigentlich so gut wie gar nichts. Es wird nur die Spannung gehalten mit 50 Hz Frequenz und natürlich hat´s auch ordentlich Stromstärke – sprich Ampere. Es ruckelt also nur 50x in der Sekunde hin und her – kein Transport im eigentlichen Sinne. Wenn es fließen müsste (z.B bei Gleichstrom) käme schon in 100km Entfernung nicht mehr viel an. Alles würde in Wärme verpuffen. Das hat man schon vor über 100 Jahren entdeckt und deshalb von Gleichstromm auf Wechselstrom umgestellt. In ganz Deutschland haben wir ein Verbundnetz zwischen den Energieversorgern, um regionale Stromausfälle abzusichern. Anders wie bei den Japanern, wo die Netze der Konzerne nur jeweils für sich alleine stehen. Deshalb gab´s ja auch tagelang keinen Strom im Versorgungsbereich von Tepco nach der Katastrophe von Fukushima. (Anm.: Und das soll ein Hochtechnolgieland sein?). Und deshalb sei trotzdem hier noch einmal die Frage gestellt: Warum überhaupt neue Stromtrassen durch das ohnehin schon gequälte Land ziehen. Es müsste doch im wesentlichen reichen die Bestehenden zu erneuern oder auszubauen. Und überhaupt: dezentrale Energiegewinnung ist viel besser. Also überall etwas einspeisen. Die Leitungen dafür gibt es jetzt schon.