“Europa, wir kommen!”, so titelte eine Istanbuler Tageszeitung am Tag nach der historischen Sitzung des türkischen Parlaments. In einer Marathonsitzung verabschiedete das Parlament damals im August 2002 ein Reformpaket, dessen Umsetzung kaum jemand in Europa für möglich gehalten hatte. In einem für die Türkei bisher unbekannten Tempo peitschten die Abgeordneten eine Reform nach der anderen durch das Parlament, ohne Rücksicht auf Tabus: Sie durchschlugen den gordischen Knoten und schafften sogar die Todesstrafe ab. Das ist über acht Jahre her. In der Zwischenzeit hat die EU mit dem Ratsbeschluss vom Dezember 2004 Beitrittsgespräche mit der Türkei aufgenommen und manche der 35 EU-Kapitel sind sogar abgeschlossen.
Am 3. Oktober 2005 begannen die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei. Dennoch erscheint die Situation im Hinblick auf die demokratischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen für den Beitritt, insbesondere wegen der regionalen Disparitäten und Strukturdefizite, die ohne eine deutliche Nivellierung zu einer nicht zu verkraftenden Belastung für den EU-Haushalt werden könnten, weiterhin sehr schwierig. Daran ändert auch das einem Wirtschaftswunder gleichende Wirtschaftswachstum der letzten Jahre nichts. Die geringen Erwerbs- und Verdienstmöglichkeiten in den schwach entwickelten Gebieten der Türkei, besonders im Osten, haben in den vergangenen Jahrzehnten zu einem kontinuierlichen Exodus in die wirtschaftlich entwickelten Regionen im Westen des Landes geführt. Das geografische Gefälle wird besonders deutlich, wenn die Einkommensverhältnisse betrachtet werden; während das jährliche Pro-Kopf-Einkommen in der wirtschaftlich florierenden Region um Istanbul bei ca. 14.000 Dollar liegt und dadurch bereits heute dem EU-Vergleich standhält, liegt es im Osten des Landes bei rund 1.000 Dollar und in den Grenzgebieten sogar bei 600 Dollar im Jahr.
Politisch weht ein rauer Wind
Politisch weht ebenfalls ein rauer Wind zwischen der EU und dem Beitrittskandidaten. Seit dem Ratsbeschluss zur Aufnahme der Beitrittsgespräche haben sich in Europa viele Vorzeichen geändert. Einerseits verlor die Türkei durch manch einen Regierungswechsel, z.B. in Deutschland oder einen Präsidentenwechsel, wie in Frankreich, starke Befürworter für den Türkeibeitritt. Andererseits steckt die EU in einer Krise, die gar zu einem Zusammenbruch der Union und nicht nur der Währungsunion führen könnte. Erschwerend kommt hinzu, dass die Türkei sich einer Doppelmoral ausgesetzt fühlt. Das führt zu Verdrossenheit in Ankara und unter der türkischen Bevölkerung. Während im Jahre 2005 sich 72 Prozent der türkischen Bevölkerung für einen Beitritt aussprachen – dieser Zustimmungswert wurde in keinem der letzten Beitrittsländer erreicht – liegt dieser Wert in jüngsten Umfragen bei lediglich 35 Prozent.
Die EU ist kein christlicher Club
Die EU ist kein christlicher Club. In der EU muss auch Platz sein für die muslimische Türkei. Wie wichtig dieser Beitritt ist, zeigen auch die jüngsten Unruhen in den arabischen Ländern. Die Türkei gehört zu den wenigen Staaten, die es geschafft haben, die Gleichung Demokratie und Islam (einigermaßen) in Einklang zu bringen. Eine demokratische Türkei wäre ein bedeutender Stabilitätsfaktor in einer sehr fragilen Region. Von einem Beitritt werden sowohl die EU als auch die Türkei profitieren. Für die Türkei bedeutet der Beitritt politische Stabilität, eine weitere Modernisierung und höherer Wohlstand. Die EU würde kulturell, politisch, ökonomisch und sicherheitspolitisch hinzugewinnen. Daneben ist die Aufnahme der Türkei, mit einer unglaublich jungen Bevölkerung – nahezu 50 Prozent der Bevölkerung sind unter 30 Jahren –, aufgrund der demografischen Entwicklungen in den meisten europäischen Ländern mehr als notwendig. Mit einem Mitglied Türkei könnte die EU auch in Fragen der Energiepolitik gestärkt werden und so weniger abhängig von Russland sein. Daneben würde die EU-Mitgliedschaft der Türkei besonders die Integration der bereits seit Jahrzehnten in Europa lebenden Menschen aus der Türkei fördern, vor allem in Deutschland!



















Werter Özcan Mutlu .
.
.. zunächst toll – türkische Abgeordnete durchschlugen vor acht Jahren den gordischen Knoten. Sicher gibt es dort auch die größten Liliputaner der ganzen Welt.
.
Das kann aber nun keine Pflicht für eine Beitritt ‘der muslimischen Türkei’ in die EU sein. Oder?
.
Ich bin gegen einen Beitritt der ‘muslimischen Türkei’ in die EU. Ich weiß mich damit mit der überwiegenden Mehrheit der deutschen Bevölkerung überein.
.
Mich stört die Islamisierung Deutschlands und Europas.
.
Ich fordere eine Volksabstimmung, einen demokratischen Volksentscheid, zum ‘Beitritt’ oder Nicht-‘Betritt’ der Türkei in die EU und auch zu Fragen der Einwanderung von Abermillionen Mohammedaner.
Warum?
.
Der Islam erklärt mich, als nicht seiner Religion zugehörig, zum Menschen zweiter Klasse. Gar zum Feind, wenn mir der ‘Dhimmi’-Status missfällt. Und mir missfällt der ‘Dhimmi’-Status.
.
Eine Religion, die andersgläubige und Religionsabtrünnige tötet, ist keine Religion, sondern ein primitiver, menschenfeindlicher Abschaumkult.
.
Daher. Es gibt für Europa keine Gemeinsamkeit mit dem Islam.
Bitte beachten Sie die Netiquette. Diffamierende Äußerungen und persönliche Angriffe haben in einer Diskussion nicht zu suchen.
Im Namen der Redaktion,
Martin Eiermann
Sehr geehrter Herr Eiermann.
.
Ich kann in meinem Diskussionsbeitrag keine ‘diffamierende Äußerungen und persönliche Angriffe’ erkennen. Helfen Sie mir. Was meinen Sie, um Missverständnisse auszuräumen, genau?
.
Ich würde es ja gern anders sehen und schreiben können, als wie ich es geschrieben habe.
.
Grüße derblondehans
@derblondhans
Zum Glück bestimmen nicht Nationalsozialistische Gedanken wer der EU beitritt, sondern handfeste wirtschaftliche Interessen. Diese Wirtschaftsfaktoren werden in der EU immer lauter.Die Suche nach starken verlässlichen Partnern hat uns über Indien nach China geführt.Sie wird uns auch in die Türkei führen, auch wenn nichteuropäische Länder dagegen sind.
Werter Rolf Kohl
.
.. richtig. Das kommt noch hinzu. Der türkisch-nationalistische Islam erinnert frappierend an den National-Sozialismus. Deutlich an Erdogans Großmachtstreben erkennbar. Oder?
Das ist ja auch aus der Historie hinreichend bekannt – die Zusammenarbeit der National-Sozialisten mit den Mohammedanern. Auch darum also keinen Beitritt.
.
Was hat die ‘laute Wirtschaft’ mit einem ‘Betritt’ der Türkei zu tun? Fordert die etwa auch einen Beitritt von Indien oder China?
@derblondehans
Ich will damit sagen das in Zukunft Staatsform und Religion keine Rolle mehr spielen werden wenn es um einen Betritt zur EU geht. Wirtschaftliche Stabilität und Wachstumsaussichten, das ist das was zählt. Ich persönlich bin für den Beitritt der Türkei in die EU, aber eher aus aussenpolitischem Interesse.
Werter R. Kohl
.
… verstehe. Sie wollen so eine Art ‘Sozialistische Internationale’. Und Sie führen das ganze – oder wer?
.
Was ist denn Ihr außenpolitisches Interesse?
Ich bin gegen den Eu Beitritt der Türkei weil ich nicht möchte das noch ca. 8-12 Mio. Türken nach Mitteleuropa einwandern.Das ist doch Grund genug.