Apple muss nur noch die Kreativität der Menschen herausfordern, um damit Umsatz zu machen. Ibrahim Evsan

Mehr Fleisches-Lust – statt Billig-Wurst

Im Sommer lassen sich viele gern Steak und Würstchen schmecken. Aber das Grillvergnügen hat unerwünschte Nebenwirkungen in Form von CO₂-Emissionen, Flächenverbrauch und schwindenden Regenwäldern. Zum Glück gibt es Alternativen.

Sommerabend, Freunde und Familie, was Schönes zum Trinken, der Grill in der Mitte – für viele von uns ist dieses Szenario ohne Wurst oder Steak nicht denkbar. Die Konsequenzen für Klimaschutz und Hungerbekämpfung müssen ja nicht unbedingt beim Grillen gezogen werden. Dazu bleiben ja auch noch ein paar andere Wochentage.

Aber die Brutzel-Produkte sind oft mangelhaft, wie die Stiftung Warentest zeigt. Und die Bilder geschundener Schweine oder Hühner passen auch nicht zum Grillvergnügen.

Weniger, aber dafür qualitativ besseres Fleisch und bessere Würstchen aus artgerechter oder ökologischer Haltung zu kaufen, das geht. Artgerechte Tierhaltung steht nicht nur für gute Lebensbedingungen für die Tiere, sie verzichtet auch auf Antibiotika u.a. und minimiert so Rückstände.

Auf dem Grill gibt’s genauso Schafkäse, Tofu, Pilzspieße mit Ziegenfrischkäsefüllung und leckeres Gemüse: Dann sind eigentlich alle glücklich.

Weniger Fleisch – besser für’s Klima

Die zweite Frage ist, ob es immer und jeden Tag Fleisch sein muss. Wir Deutschen essen viel zu viel Fleisch, nämlich viermal so viel wie Ernährungswissenschaftler empfehlen. Das schadet nicht nur unserer eigenen Gesundheit, sondern auch dem Klima und der biologischen Vielfalt. Laut Weltklimarat und Welternährungsorganisation stammen 18 Prozent der globalen Treibhausgase aus der Tierhaltung. Die Erzeugung von einem Kilo Fleisch setzt bis zu 45-mal mehr Kohlendioxid frei als die Erzeugung der gleichen Menge Gemüse.

Importierte Futtermittel wie (gentechnisch verändertes) Soja, Grundlage der Massentierhaltung in Europa, gefährden die grüne Lunge der Erde – das Amazonasgebiet. Fast ein Fünftel der Regenwälder dort sind in den letzten 40 Jahren gefällt worden, vorwiegend für den Futtermittelanbau. Experten befürchten Verluste von weiteren 20 Prozent in den nächsten 20 Jahren. Die Folgen sind, dass weitere riesige Mengen CO₂ freigesetzt werden und eine einmalige Artenvielfalt unwiederbringlich verloren geht.

Weniger Fleisch – mehr Ernährungssicherheit

Unser überhöhter Fleischkonsum gefährdet aber auch die weltweite Ernährungssicherheit, viel mehr als z.B. Biotreibstoff. Heute hungern eine Milliarde Menschen. Die Ursache hierfür ist nicht der Mangel an Nahrungsmitteln, sondern eine mangelnde Verteilungsgerechtigkeit. Auf rund einem Drittel der Weltagrarfläche werden heute Futtermittel angebaut. Bis zu neun Kilogramm Getreide sind nötig, um ein Kilogramm Fleisch zu produzieren.

Diese Flächen werden dringend zur Versorgung der Bevölkerung vor Ort benötigt. Der agrarindustrielle Futtermittelanbau führt zu Landvertreibungen und Menschenrechtsverletzungen.

Immer mehr Masse zu erzeugen, mit Gentechnik oder Pestiziden, ist keine Lösung, sondern führt zu noch mehr Bodenzerstörung und Wasserverseuchung.

Einen Tag ohne Fleisch: “Veggie-Day”

Eine internationale neue Lebensstil-Bewegung setzt Zeichen – für Qualität und guten Konsum, mehr Ernährungsgerechtigkeit, gegen Klimazerstörung und Tierquälerei. Ein Tag ohne Fleisch: Den “Veggie-Day” unterstützen viele Jugendliche, Unis, Promis, die Städte Bremen oder Gent. Also los, das wollen wir auch im Bundestag oder in Bundesbehörden unterstützen. Und privat. Kein Zwang oder erhobener Zeigefinger, sondern ein richtig gutes vegetarische Angebot. nicht immer Milchreis oder Restgemüse. Und mehr Bio und Qualität im Gesamtangebot. Wir alle sind immer mehr auf Kantinen angewiesen, da sollten wir auch mehr darauf achten, was es dort gibt und auch, wie und wo die “Lebens-”Mittel denn erzeugt werden.

Leserbriefe

  • Theeuropean-placeholder
    test – 13.07.2010 - 22:27

    test, sorry

  • Theeuropean-placeholder
    Eber Thorsten – 13.07.2010 - 23:35

    Die Tierwelt ist gespalten: – das Nutzvieh ist eigentlich dafür,befürchtet aber Nahrungskonkurrenz,- die Haustiere sind dagegen,wenn sie selbst einen Veggie-day einlegen müssen,begrüssen aber die fehlende Nahrungskonkurrenz.
    Es sollte wohl nicht immer die ´Schlachtplatte Holzfällerart` für möglichst billig sein,wie die Deutschen es gerne lieben,sondern ab und zu direkt beim Metzger für viel Geld gekauft und dann schön essen!
    Es gehört auch nicht in jedes Gericht Fleisch ´rein,und leckeres Essen ohne Fleisch sollte nicht immer als vegetarisch herabgestuft werden.
    Wer weiss eigentlich was in der Grillwurst drin ist?

  • Theeuropean-placeholder
    Ralf Köhl – 14.07.2010 - 09:18

    Liebe Frau Höfken!Die selbsternannten Ernährungsexperten gehen mir langsam aber sicher tierisch auf die Nerven.Eine Studie jagd die Nächste.Was Gestern noch gesund war ist Heute Krebserregend. Diese Verunsicherung reicht bis an den familiären Küchentisch, wo dann ein wahrer Glaubenskrieg über die gesunde Ernährung stattfindet.Brauchen wir bei unserem Konsum von Gemüse und Obst noch zusätlich Nahrungsergänzungmittel oder jagen wir sie eh über die Toilette aus unserem Körper? Ist der Biojoguhrt besser als der vom Markenhersteller? Frischmilch direkt vom Bauer(höherer Fettgehalt) oder die Magermilch vom Bioladen? Müssen wir unsere Verdauung durch probiotische Produkte fördern oder reichen Ballaststoffe aus?Müssen die Eier aus Boden oder Freilandhaltung sein( Hunderttausende werden täglich falsch gezeichnet,bringt mehr Geld)? Auf Fleisch verzichten oder Fleischarm essen( ohne Fleisch würden wir Heute noch auf Bäumen und in Höhlen wohnen)?Ich für meinen Teil habe beschlossen mich weiter so zu Ernähren wie ich es gewohnt bin, schlieslich bin ich damit über 50 geworden und war noch nie ernsthaft krank. Gegessen wird worauf ich Lust habe.

  • Theeuropean-placeholder
    SRL – 14.07.2010 - 14:33

    Es stimmt natürlich, dass sehr viele Studien im Umlauf sind und es einen zunehmend überfordern kann, was denn zu glauben ist und was nicht. Dennoch besteht da ein Zusammenhang zwischen Fleischkonsum und dem Klimawandel, weshalb dieser Aspekt bei der Ernährungsfrage einbezogen werden sollte. Ich denke, dass ein gewisses Maßhalten in jeder Lage hilft – mindestens einmal pro Woche einen Veggietag einlegen ist daher sehr empfehlenswert. Und das würde nicht “nur” dem Klima, sondern auch dem eigenen Körper helfen. Wobei der Werktagsvegetarismus auch eine feine Sache ist.
    Hier gibt es auch Infos und Vernetzungsmöglichkeiten rund um den Veggie-Tag: http://www.utopia.de/magazin/collection/79
    LG, S. L.

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