Die Verfassung ist doch kein Abreißkalender. Ralf Stegner

Die “Feierei” geht weiter

Die "Gude Laune", die Techno-Papa Sven Väth immer wieder verkündet, ist in der Szene nach den schrecklichen Ereignissen von Duisburg getrübt. Aber ein Ende der Bewegung ist lange nicht in Sicht – vor allem, weil die Loveparade schon lange nicht mehr für den wahren Spirit des Techno steht.

Die Antwort auf die kursierende Frage, ob die Tragödie von Duisburg das “Ende für Techno” bedeuten könnte, lautet selbstverständlich Nein – warum auch? Die Zukunft dieser Jugendkulturbewegung darf aufgrund dieses schrecklichen Unglücks nicht infrage gestellt werden. Die Technobewegung wird nicht als Sündenbock für das Geschehene herhalten. Dass genau dieser Fall aber gerade eintritt, verärgert all jene, die in der Szene von Anfang an aktiv waren.

Ob Loveparade oder Oktoberfest ist völlig egal

Es ist unfair und völlig ungerechtfertigt, dass durch die Ereignisse in Duisburg die gesamte Technoszene infrage gestellt wird. Es ist extrem wichtig, zu unterscheiden, dass die zu beklagenden Toten und Verletzten nicht “Opfer dieses Technoevents” sind, sondern dass dieses Unglück durch fahrlässige Planung und falsches Handling seitens der Organisatoren, welche wiederum nichts mit “Techno” zu tun haben, geradezu provoziert wurde.

Hier handelt es sich um massive Planungsfehler der Organisatoren, durch die Unschuldige ums Leben gekommen sind. Ob nun Loveparade oder Oktoberfest ist völlig egal. In den Fußballstadien rund um den Globus gibt es wöchentlich Tote und Verletzte durch Aggression oder Massenpaniken. Wird deshalb der Fußballsport infrage gestellt oder ist das das Ende dieses Sports? Wohl kaum!

Was die Loveparade betrifft, so ist sie damals aus Leidenschaft zur Musik und einem bestimmten Lebensgefühl hervorgegangen, nicht umgekehrt. Die Loveparade war lange Zeit Ausdruck eben dieses Lebensgefühls. Sie hat sich in den letzten Jahren allerdings zu einem kommerziellen Volksfest entwickelt, zu dem am allerwenigsten Techno-Fans pilgern. Die Loveparade ist Anziehungspunkt für den gesamten Querschnitt hauptsächlich der jungen Bevölkerung.

Seit vielen Jahren ist die Parade das größte kostenlose Event in dieser Form. Polarisiert hat sie schon immer – große Neugier auf der einen Seite, aber auch Kritik auf der anderen Seite. Dabei sein wollten sie dennoch alle und vor allem miterleben. Keine Jugendbewegung hat bisher etwas Vergleichbares hervorgebracht.

Mit den Jahren ist Techno professioneller geworden und damit einhergehend hat auch eine – zumindest teilweise – kommerzielle Ausschlachtung begonnen. Insofern ist die Loveparade nicht mehr Techno. Und seit dem Verkauf 2006 sowieso nicht mehr.

Die Kommerzialisierung hat aber schon immer dazu geführt, dass sich Techno auf seine Ursprünge zurückbewegt hat. Vergleichen wir das Berliner “Berghain” mit der Loveparade. Das ist ein gutes Beispiel für “Techno vs. Kommerz”. Daran sieht man deutlich, wo Techno heute steht: immer noch hip, szeneaffin, modern und für jedermann zugänglich.

Techno ist seit über 20 Jahren fest im weltweiten Kulturgut etabliert

Eins ist klar: Elektronische Musik, und damit auch Techno, ist bereits seit über 20 Jahren fest im weltweiten Kulturgut etabliert, ähnlich wie Rock-, Pop- oder Volksmusik. Daran wird sich nichts ändern, auch wenn die Tragödie von Duisburg eine tiefe Narbe im Bewusstsein der Menschen hinterlassen wird.

Die Loveparade 2010 hat schlimmste Konsequenzen für die armen Opfer und die traumatisierten Besucher, zukünftig aber auch für die sorgfältigen und professionellen Veranstalter und Behörden in Deutschland, deren Sicherheitskonzepte bisher immer den Anforderungen gerecht wurden und welche nun an diesem unvergleichlichen Ereignis gemessen werden.

Leserbriefe

  • Theeuropean-placeholder
    Maurizio Schmitz – 29.07.2010 - 11:43

    Ergänzend möchte ich gern Sven Väth offizielles Presse-Statement vom 25.07.2010 posten, da es die Situation sehr treffend darstellt:

    “Ich bin zutiefst schockiert und fassungslos über das, was am gestrigen Samstag auf der Love Parade in Duisburg passiert ist. Meine Gedanken in diesen Stunden sind bei den Opfern und deren Familien und Freunden.

    Ich habe die Love Parade nur in Berlin erlebt, diese aber auch aktiv bis 2000 begleitet, und kenne von der Veranstaltung nur einen fließenden Ablauf, der immer genügend Platz zum ausweichen ließ. Absperrungen und Eingrenzungen erscheinen mir persönlich für eine Menschenmenge dieser Größenordnung logistisch nur schwer durchführbar. Der Gedanke an die Angst und die Panik, die diese jungen Menschen, die eigentlich nur zum Tanzen und zum Spaß haben gekommen sind, durchlebt haben müssen, ist einfach grauenvoll und ungerecht.

    Traurig stimmt es mich, dass die Love Parade, die einst als friedliche Demonstration für Musik, Club- und Partykultur weit über unsere Grenzen hinaus bejubelt wurde, nun durch solch eine grobe Fahrlässigkeit ein derart dramatisches und fragwürdiges Ende findet.

    Dieses große Unglück verlangt eine lückenlose Aufklärung.

    SVEN"

  • Theeuropean-placeholder
    Lars Lemmer – 29.07.2010 - 14:00

    Versubjektiviertes allgemeines Gelaber verpackt Werbung für Cocoon und Väth. Braucht kein Mensch.

  • Theeuropean-placeholder
    Matthias Petters – 29.07.2010 - 14:42

    Ich schließe mich der Meinung von Herrn Schmitz voll und ganz an. Auch wenn es Frau Hermann vielleicht nicht glauben möchte. Die Loveparade und “Techno” sind zwei vollkommen verschiedene paar Schuhe.
    Werbung für Cocoon wäre mir nicht aufgefallen. Das ein CocoonMember nicht gegen Techno prädigen wird ist verständlich.

  • Theeuropean-placeholder
    Thomas Weiss – 29.07.2010 - 17:51

    Wieso werden bei TheEuropean eigentlich so viele Antworten gegeben auf Fragen, die niemand stellt?

  • Theeuropean-placeholder
    Lars Lemmer – 29.07.2010 - 19:06

    So ist das Internet. Content um jeden Preis.

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