„Gut Ding will Weile haben“ – so lautet ein bekannter Satz, mit dem man Verständnis für Verzögerungen zum Ausdruck bringt. Bezogen auf die Hartz-IV-Debatte wäre diese „Weile“ zu verkraften, wenn sie wenigstens ein „gut Ding“ hervorgebracht hätte. Dies ist nicht der Fall – und war auch nicht zu erwarten.
Mit fünf Euro lassen sich keine Probleme lösen
Im Februar 2009 hatte das Bundesverfassungsgericht die Berechnung des Hartz-IV-Satzes als verfassungswidrig beanstandet und von der Politik eine Neuberechnung bis Ende 2010 eingefordert. Diese liegt nun vor: fünf Euro mehr rückwirkend zum 1. Januar 2011, ein Plus von drei Euro ab 2012 sowie mehr Geld für Bildung. Ob diese Neuregelung den Ansprüchen des Gerichtes genügt, wird sich erweisen – aber gleichzeitig ist dies nicht die wirklich wichtige Frage. Denn mit fünf Euro lässt sich nicht das grundlegende Problem lösen, dass die Politik den Anspruch verloren hat, jenseits der bloßen Verwaltung von Missständen den Glauben an Fortschritt und persönlichen Aufstieg zu stärken. Sie kann es nicht, denn sie selbst hat diesen Glauben verloren.
Die „Dekadenz“, die FDP-Chef Guido Westerwelle Anfang 2009 im vermeintlich angenehmen Leben von Arbeitslosen verortete, ist in Wirklichkeit in einer Politik beheimatet, die Wirtschaftswachstum und eine spürbare Verbesserung der Lebensverhältnisse für alle als schlicht illusorisch darstellt. Und da eine grundlegende Veränderung zum Besseren als potenziell wenig nachhaltig betrachtet und das Sich-Arrangieren mit der Stagnation als „alternativlos“ gepredigt wird, ändert sich auch die Rolle des Sozialstaats: Soziale Probleme gelten immer weniger als im gesellschaftlichen Maßstab lösbar. Stattdessen werden ihre Ursachen verstärkt in einer vermeintlich von persönlichen Defekten geprägten Privatsphäre von Arbeitslosen gesucht. Diese müssen, so die Politik, umerzogen, weitergebildet und so notfalls auch gegen ihren Willen bei der Stange gehalten werden – bei der Stange wohlgemerkt, nicht an der Leiter des sozialen Aufstiegs.
Pseudo-soziale Pauschalierung
Was in der Diskussion über Hartz IV gänzlich fehlt, ist eine realistische Perspektive für die Menschen, es nicht mehr zu benötigen. Stattdessen gefällt sich die Politik in vehementen Eingriffen in die Privatsphäre der Betroffenen und in einer pseudo-sozialen Pauschalierung dessen, was Menschen brauchen, um nicht unter das als menschenwürdig erachtete Existenzminimum zu rutschen. Fünf Euro mehr oder weniger sind für bedürftige Menschen nicht egal. Mindestens ebenso bedürftig ist jedoch eine Politik, der man in Erinnerung rufen muss, dass ein menschenwürdiges Leben auch realer Aufstiegschancen bedarf. Dekadent ist nicht, wer für sich keine Perspektive sieht, sondern wer Perspektivlosen vermittelt, es gäbe keine.






















witzig, amüsanter Beitrag.
Wer glaubt denn noch das wir in einem sogenannten Sozialstaat leben?
Das eine FDP auch sozial eingestellt ist?
Laut Hernn Lindner und sein Parteizäpfchen (Sch)westerwelle soll sich Arbeit wieder lohnen. Nur solange es derart unfähige Arbeits- und Wirtschaftsminister gibt die dafür sorgen das es nie auch nur ansatzweise vernünftige Löhne gibt, zeigt es sich doch das es da in Deutschland sicher nie eine Lösung gibt.
Die Hartz IV Gesetze sind eh schon ein Unding, in richtigen Gesellschaften wären Verbrecher wie Herr Peter Hartz, Herr Gerhard Schröder an die Wand gestellt worden.
Arbeitslosengeld bedarf einer jeweils induviduellen Lösung und kann nicht durch einen Regelsatz gelöst werden.