Alles, was gegen die Natur ist, hat auf Dauer keinen Bestand. Charles Darwin

„Der erste Zombie ist immer der Schlimmste“

Warum ein Baseballschläger die beste Waffe gegen die Untoten ist und in welchem US-Bundesstaat man die Zombie-Epidemie am ehesten überstehen würde erklärt Matt Mogk, Direktor der amerikanischen Zombie Research Society. Das Interview führte Constantin Magnis.

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The European: Mister Mogk, wenn es jemand wissen muss, dann Sie als Gründer der Zombie Research Society: Was genau ist ein Zombie?
Mogk: Sehr gute Frage. Die Kernthese mit der wir arbeiten ist: Ein Zombie ist ein biologisch definierbares Lebewesen das von einer menschlichen Leiche Besitz ergriffen hat. Und alles was ein Zombie tut, oder darstellt, kann wissenschaftlich erklärt werden, im Gegensatz zu anderen Monstern, wie Vampiren oder Werwölfen.

The European: Dann wäre die erste wissenschaftliche Frage: Wenn Zombies besessene Leichen sind, fehlt ihnen eine gesunde Blutzirkulation. Sie dürften demnach nicht lange haltbar sein. Was für ein Verfallsdatum haben Zombies?
Mogk: Langsam, langsam, es gibt Theorien die besagen, dass Zombies sehr wohl noch eine Blutzirkulation haben, nur wird die nicht mehr vom Herzen angetrieben, sondern zum Beispiel durch elektrische Impulse im Gehirn. Der Virus könnte aber zusätzlich noch einen balsamierenden Effekt haben. Ansonsten würden Zombies ja tatsächlich mit der selben Geschwindigkeit verwesen wie herkömmliche Leichen, das hieße sie wären innerhalb kürzester Zeit ein Haufen Schmiere. Schon nach einer Woche würde ihnen das Hirn wie Jogurt aus der Nase laufen. Dann wären sie unappetitlich, aber kaum gefährlich.

The European: Was für eine Rolle spielt das Klima bei Haltbarkeit der Untoten?
Mogk: Eine interessante und wichtige Frage. Vermutlich wären Zombies in tropischen Klimazonen schneller kampfunfähig, ob allerdings bei kalten Temperaturen das Gegenteil gilt, darüber wird viel debattiert. Die einen behaupten, sie würden im Eis festfrieren. Dagegen steht allerdings die Theorie, Zombies seien Kaltblüter. Im Körper von Fischen wirken bestimmte Proteine wie ein Frostschutzmittel. Vielleicht bei Zombies ja auch?

The European: Gibt es denn Ihrer Meinung Länder, in denen man eine Zombie-Epidemie besser überstehen würde, als in anderen?
Mogk: Tatsächlich haben wir gerade erst eine Studie zu dem Thema abgeschlossen. Wir haben uns die einzelnen Bundesstaaten der USA angeschaut, die Verfügbarkeit von Waffen und militärischen Einrichtungen, die Verbreitung ziviler Verteidigungsgruppen und vor allem die Bevölkerungsdichte. Das Ergebnis der Studie: Die höchste Überlebenschance hätte im Ernstfall die Bevölkerung von Wyoming, die niedrigste hätten die Menschen an der mittleren Ostküste. An einer weltweiten Studie arbeiten wir noch, aber ein erstes, vorläufiges Ergebnis wäre: In China und Indien will man nicht sein, wenn der Zombie Virus ausbricht.

The European: Noch immer steigt die Zahl der Schweinegrippe-Infizierten. Fürchten Sie manchmal, das könnte ein verkappter Zombie-Virus mit extrem langer Inkubationszeit sein?
Mogk: Naja, das weiß man eben nie, das ist ja das Interessante. Tollwut beispielsweise, hat eine Inkubationszeit von bis zu sieben Jahren. Stellen wir uns einmal vor, es gäbe den Zombie-Virus, der seit Jahren um die Welt geht, ohne entdeckt zu werden. Wenn der ausbricht, wäre innerhalb kürzester Zeit die ganze Welt infiziert und wir hätten ein echtes Problem.

The European: Haben Sie selbst schon Maßnahmen für einen möglichen Ernstfall eingeleitet?
Mogk: Habe ich: Die beste, wichtigste Vorsorge die man gegen Zombies treffen kann, ist physisch fit zu bleiben. Daran arbeite ich täglich.

Ausharren bis zum Tod

The European: Wie verhält man sich ethisch richtig, wenn Angehörige von einem Zombie gebissen werden, also infiziert sind und in absehbarer Zeit selbst zum blutrünstigen Ungeheuer mutieren werden?
Mogk: Ein sehr schweres Dilemma. Ich persönlich würde mit der infizierten Person ausharren bis sie tatsächlich stirbt. Anschließend kann und muss man sie bedenkenlos ein weiteres Mal töten. Man hat dann nur noch einen infizierten Körper, und nicht den geliebten Menschen vor sich. Und denken sie immer daran: Wir sprechen hier von einer Extremsituation. Wenn es einmal soweit gekommen ist, dass die Toten beginnen die Lebenden zu verspeisen, dann habe ich auch keine Skrupel mehr wild um mich zu schießen.

The European: Wie erledigt man einen Zombie am besten?
Mogk: Man muss, soviel ist klar, den Kopf zerstören. Womit? Viele Menschen behaupten, das ginge am besten mit dem Katana, einem japanischen Schwert, oder einer Schrotflinte. Aber bleiben wir realistisch: Wer hat so etwas schon? Am praktischsten für den Durchschnittsbürger wäre daher ein schwerer, stumpfer Gegenstand, zum Beispiel ein Baseballschläger aus Stahl.

The European: Wenn alle Fluchtwege versperrt sind, und kein Baseballschläger zur Hand ist, würde es helfen sich vor einem nahenden Zombie ganz einfach tot zu stellen?
Mogk: Das hängt völlig davon ab was das raubtierhafte Wesen des Zombies antreibt. Sollte es der Geruchssinn sein, hätten sie keine Chance. Wenn sie ihre Beute nur mit den Augen wahrnehmen, schon eher. Aber das ist, wie alles was ich ihnen gesagt habe, nur eine Theorie. Wer ihnen erklärt er wüsste genau, was ein Zombie ist und wie er sich verhält, ist wahrscheinlich der Erste der im Ernstfall gefressen wird.

The European: Sie haben wahrscheinlich alle existierenden Zombie Filme gesehen. Was ist für sie der grusligste Film-Zombie aller Zeiten?
Mogk: Ich glaube das wäre für mich Vivian, der kleine Mädchen-Zombie ganz am Anfang des Remakes von “Dawn of the Dead“, in der Szene wo sie durch den Flur geschmissen wird, aufspringt und losrennt. Der erste Zombie ist immer der Schlimmste, man ist nicht auf ihn vorbereitet.

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