Da Daten keine Sachen sind, kann man sie nicht stehlen. Beate Merk

Wir sind Cancún und Kyoto!

Bei der großen Kritik an Klimagipfeln wie Kopenhagen oder Cancún wird oft übersehen, was jeder von uns für den Klimaschutz tun kann. Wir kaufen im Schnitt immer größere Autos und fliegen für immer weniger Geld. Dabei müssen wir berücksichtigen, dass unser Konsumverhalten großen Einfluss auf den Umweltschutz haben kann.

Sicher, man kann die Verhandlungen und Ergebnisse in Cancún kritisieren. Man kann bedauern, dass weder ehrgeizige Ziele in Angriff genommen wurden noch wirklich verbindliche Vereinbarungen getroffen wurden. Aber internationale Treffen sind das eine. Klimaschutz vor der Haustür ist das andere. Und da ist die Kritik an der Konferenz wohlfeil. Wir müssen darüber sprechen, was jeder Einzelne dafür tun kann, die Erderwärmung zu verhindern. Klimaschutz ist Selbstverpflichtung.

Zwei Meldungen in der jüngsten Zeit lassen aufmerken. Das Statistische Bundesamt meldet, der CO2-Ausstoß der Bundesbürger habe sich in den vergangenen zehn Jahren von 8,0 auf 7,5 Tonnen verringert. Dazu beigetragen habe die zunehmende Zahl von Erdgasheizungen und Dieselfahrzeugen. Das ist immerhin eine gute Tendenz. Gleichzeitig wird gemeldet: Die deutsche Autoindustrie boomt. Die Deutschen, so lässt sich der Autoexperte Ferdinand Dudenhöfer vernehmen, kauften größere und höherwertige Autos. Das sind allerdings oft Modelle mit hohen CO2-Werten. Auf das erste richtige und bezahlbare Hybridauto aus deutscher Produktion wird noch gewartet, ist auch irgendwie uncool, oder? Und wer in diesen Tagen frühmorgens an verschneiten und vereisten Autos vorbeigeht, sieht so manches Fahrzeug mit laufendem Motor, um das lästige Eiskratzen zu verhindern. Appelle der Kommunen, das doch im Sinne des Lärmschutzes und aus Umweltgründen zu vermeiden, fruchten oft nicht. Tickets von Billigfluglinien finden noch immer reißenden Absatz, obwohl der Preis in keinem Verhältnis zur Umweltbilanz steht.

Meine eigene Klimabilanz ist vermutlich miserabel

Es gibt wirtschaftliche Unterschiede zwischen den Ländern. Wir in Europa sind allerdings in der glücklichen Lage, aktiv Einfluss nehmen und auswählen zu können. Unsere Wirtschaftskraft und Innovationsfähigkeit erlaubt es uns, Alternativen zu entwickeln. Welch ein Reichtum! Wir haben die Chance, eine Kriteriologie für unseren Konsum aufzustellen. Werden Produkte umweltgerecht produziert? Gibt es Möglichkeiten des Recyclings? Sind weite Wege notwendig gewesen oder handelt es sich um regionale Produkte? Ist der Preis für alle fair? Welches Transportmittel ist wann sinnvoll?

Verzicht ist ein schwieriges Wort. Es ist negativ konnotiert und taugt nicht zur Motivation. Sprechen wir lieber von Verantwortung und von Gewinn.

Was jeder von uns tun kann

Mit dem Konsumverhalten kann jeder einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Nicht nur der Verbrauch erzeugt CO2, auch die Produktion und der Transport. Hier setzt die individuelle Verantwortung ein. Es geht nicht um ein Zurück-in-die-Steinzeit, sondern um ein Voran-in-die-Zukunft. Ein Großteil unserer wirtschaftlichen Entwicklung basiert darauf, dass wir billige Rohstoffe importieren konnten, die woanders zu Hungerlöhnen und Zerstörung natürlicher Ressourcen geführt haben.

Da umzusteuern ist nicht nur die Aufgabe von Emissären auf Klimakonferenzen, sondern eines jeden Einzelnen. Wir sind Cancún und Kyoto! Wenn es gelingt, das eigene Konsumentenbewusstsein weiter zu schärfen, dann bekommt die Kritik an transnationalen Blockaden eine ganz andere Wirkung. Und der Gewinn? Er wird qualitativer Art sein. Das Wort "Genuss“ bekommt eine ganz neue Bedeutung. Bewusster Konsum ist eine besondere Art von Luxus. Das gilt für Kleidung und Kurzurlaube genauso wie für Kraftfahrzeuge und Kakao.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Martin Kaiser, Felix Ekardt, Susanne Dröge.

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