Das Netz führt nicht zu mehr Demokratie, sondern zu mehr Partizipation. Zeynep Tufekci

Kein Netz und doppelter Boden

Die Absage an eine Auffanggesellschaft für Schlecker-Mitarbeiter war eine richtige Entscheidung – sie wäre allenfalls wirkungslose Symbolik.

Es ist nicht zu fassen: 25.000 offene Stellen verzeichnen die Agenturen für Arbeit bundesweit für Verkäuferinnen. 11.000 fähige Schlecker-Mitarbeiterinnen suchen Arbeit. Warum überhaupt sollten sie eine Auffanggesellschaft brauchen?

Politische Propaganda

Diese Frauen werden neue Jobs finden. Sie werden von der Gewerkschaft Verdi und der Politik in einer Art und Weise missbraucht, die wirklich abscheulich ist. Transfergesellschaften ergeben nur Sinn, wenn Tausende von Menschen an einem Standort ihre Arbeit verlieren und es deshalb schwer ist, sie schnell wieder zu vermitteln. Gewerkschaften lieben Transfergesellschaften, weil sie meist von Leuten geführt werden, die der Gewerkschaft nahestehen – und natürlich, weil sie damit Propaganda machen können.

Ob sie den Betroffenen helfen, interessiert kaum jemanden. Und in der Tat sind die Bilanzen allenfalls gemischt. Hauptsächlich geht es darum, die Betroffenen für ein paar Monate vom Arbeitsmarkt fernzuhalten und sie mit Bewerbertraining und Ähnlichem ruhigzustellen. Die Praxis zeigt, dass das ihre Chancen eher schmälert statt steigert. Und wie gesagt: Rein theoretisch kommen auf jede entlassene Schlecker-Verkäuferin zwei offene Stellen. Das wird nicht immer funktionieren, doch eines ist klar: Ein Großteil der Betroffenen hat gute Aussichten auf einen neuen Job.

Es ist gut, dass die FDP-Minister in den Ländern der Transfergesellschaft nicht zugestimmt haben. Sie ist reine politische Propaganda – und sie zeigt erneut, wie plakativ Politik funktioniert. Parallel zu der Schlecker-Insolvenz gehen Hunderte von Firmen pleite und müssen Mitarbeiter entlassen. Wer kümmert sich um die?

Wirkungslose Rettungsversuche

Die Politik musste sich notgedrungen in den vergangen Jahren immer wieder in die Wirtschaft einmischen und mit vielen Milliarden von Euro Banken retten. Dafür gab es zumindest nachvollziehbare Gründe. Dennoch hat es die Politik wieder verpasst, die Regeln so zu setzen, dass sie künftig Banken eben nicht mehr retten muss.
Wo immer sie direkt versucht hat, Arbeitsplätze zu retten, von Opel bis Holzmann, hat das fast nie funktioniert. Das muss wieder zurückgefahren werden: Es ist zu teuer und fast immer wirkungslos.

Die Politik muss aufhören, sich in Dinge einzumischen, die die Menschen allein regeln können. Wir sollten den Mitarbeitern bei Schlecker zutrauen, sich selbst neue Arbeit zu suchen.

Lesen Sie auch die letzte Kolumne von Margaret Heckel: Wie mächtig ist Angela Merkel?

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