Politiker reden und reden, sagen aber nie etwas. Margarethe Schreinemakers

Facebook will die gläserne Community

Facebook vergrault mit seiner Datenschutzpolitik immer mehr User. Grünen-Politiker Malte Spitz hat zum Protest in der Community aufgerufen – mit Erfolg. Rund 65.000 Nutzer quittieren den Abbau des Datenschutzes mit dem Beitritt zur Gruppe: Facebook Privacy Control – Now!

Die Datenschutzpolitik von Facebook ist unlogisch. Einerseits soll das Social Network als private Kommunikationsplattform genutzt werden. Gleichzeitig weisen die Macher im eigenen Sicherheitsbereich darauf hin, dass Nutzer nichts veröffentlichen sollten, was sie nicht auch in einen offiziellen Lebenslauf oder eine Bewerbung schreiben würden. Das hat mich stutzig gemacht: Das bedeutet, dass Facebook diese Daten an Dritte weitergeben will. Das wollen wir nicht, und damit muss sich jetzt auch die Politik auseinandersetzen.

Wir brauchen ein klares Signal der Nutzerschaft, das deutlich macht, dass wir es nicht akzeptieren, dass unsere Daten ungefragt weitergegeben werden. Ein solches Signal soll die Facebook-Gruppe „Facebook Privacy Control – NOW!“ sein. Schon 65.000 Mitglieder aus allen politischen Lagern sagen hier vereint „Nein“ zur Datenweitergabe ohne Zustimmung durch Facebook.

Der Ansatzpunkt ist die Werbeindustrie

Bei aller Liebe zum Protest ist es aber auch wichtig, zu den Ursachen solcher Praktiken durchzudringen. Was verspricht sich Facebook davon? Die Frage betrifft besonders das Businessmodell des Social Networks, das bis heute noch nicht abschließend ausgereift ist, noch keine veritable Basis besitzt. Der Ansatzpunkt ist bei der Werbeindustrie zu suchen. Der Dreisatz lautet wie folgt: Je gläserner die Facebook-Community ist, desto zielgenauer kann sie in Facebook und auf anderen Angeboten beworben und geködert werden. Also müssen die Datenschutzstandards abgebaut werden, was Facebook in den vergangenen zwei Jahren sukzessive praktiziert hat.

In diesem Spannungsfeld stünde es Facebook gut zu Gesicht, Transparenz zu beweisen und den Dialog mit Nutzern, Datenschützern und Politikern zu suchen. In Deutschland sind die Strukturen des US-Netzwerks aber offenbar noch nicht so weit. Außer ein paar Sales- und Marketing-Fachleuten gibt es in Hamburg noch keine Ansprechpartner seitens des Unternehmens. Die Suche danach scheint aber im Gange zu sein. Angesichts der unglaublichen Masse an Nutzern und beteiligten Akteuren sollte dies schleunigst geschehen.

Neue Businessmodelle müssen her

Mit der Art von Auftreten vergrault man sich ansonsten die Nutzer. Außerdem wäre es ratsam, über alternative Businessmodelle nachzudenken, anstatt die Datenschutzstandards kontinuierlich abzubauen, um die Seite für die Werbeindustrie attraktiver zu machen. Es gibt einige Möglichkeiten, zum Beispiel für Extra-Dienstleistungen Geld zu verlangen. Gerade große Gruppen innerhalb der Facebook-Community wären sicherlich bereit, für Extra-Angebote zu zahlen, bspw. dass Informationen an die Gruppenmitglieder gesendet werden können.

Facebook muss den nächsten Schritt gehen, um nicht wie andere Modeerscheinungen des Webs in der Versenkung zu verschwinden. Es ist wichtig, dass Communitys generell zusätzliche Möglichkeiten anbieten, sich zu vernetzen. Darin liegt die Zukunft des Internets – nicht in der Bereitstellung aller möglichen Nutzerdaten zu Werbezwecken. Künftig werden soziale Netzwerke im Web immer mehr die Funktion einer digitalen Visitenkarte übernehmen, die man auch an alle möglichen anderen Netzwerke andocken kann. Dafür sind offene Schnittstellen gefragt, wobei Facebook ein gutes Potenzial hat. Den permanenten Abbau der Rechte von Nutzerinnen und Nutzern sollten sie stattdessen umgehend einstellen und eine Umkehr hin zu Datenschutz und Nutzerinteressen einleiten.

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Mehr zum Thema: Community, Soziales-netzwerk,

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