Das Internet entgrenzt eine industriegesellschaftlich geprägte Arbeitswelt in Zeit und Raum. Wir sind ständig erreichbar und Zeit zu haben gilt als rufschädigend. Gearbeitet wird überall – Laptops und Smartphones machen es möglich. Betriebsgrenzen markieren nicht mehr die Trennlinie zwischen Arbeit und Freizeit. Die geographischen Dimensionen von Märkten – auch von Arbeitsmärkten – verändern sich. Für viele Arbeitnehmer verschwimmt die Grenze zwischen Privatsphäre und Beruf. Während die CSR-Berichterstattung die Work-Life-Balance entdeckt hat, müssen viele Arbeitsbeziehungen als alles andere als ausbalanciert gelten.
Regeln für die hektische Großstadt ohne Schlaf
Das Internet prägt viele Arbeitsformen, hebt aber vorhandene Interessengegensätze nicht auf. Es bleibt bei unterschiedlichen Interessenlagen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Gewerkschaften haben sich im Umbruch zur Industriegesellschaft gegründet. Sie verlieren nicht ihre Bedeutung beim Umbruch in eine Informationswirtschaft. Im Gegenteil, wenn Arbeitsmärkte und Beschäftigungsformen sich entgrenzen, braucht es mehr denn je den Zusammenschluss von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, um ihre Interessen erfolgsam verfolgen zu können. Vielleicht lassen sich Leitbilder für die Gestaltung einer veränderten Arbeitswelt in den Prinzipien suchen, die unsere Vorfahren bewegt haben, als sie Städte gegründet haben. Ihnen ging es um Schutz, um Teilhabe, um Inklusion, um Chancenzuwächse und um gute Arbeit. Wir wissen längst, dass das Internet kein globales Dorf hervorbringt, sondern eher eine hektische Großstadt, die niemals schläft. Dafür brauchen wir Regeln und Gestaltungsziele, die verbinden. Online-Rechte für Online-Beschäftigte sind notwendig. Dazu zählt das Recht von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit ihrer Gewerkschaft auch aus der Berufstätigkeit heraus kommunizieren zu können, die Einschränkung von Kontrollmöglichkeiten für Arbeitgeber und ein wirksamer Arbeitnehmerdatenschutz. Es ist anachronistisch, wenn Arbeitgeber die private Nutzung des Internets verbieten und ihre Arbeitnehmer in ihrem Nutzungsverhalten kontrollieren wollen. Auch für Gewerkschaftsarbeit spielt das Internet eine wachsende Rolle. Ver.di nutzt es um die Beteiligungsorientierung auszubauen, die Reichweite eigener Informationen zu steigern und auch um schneller reagieren zu können. Eine Kampagne, die gemeinsam mit der Communication Workers Union of America durchgeführt wird, zielt darauf, die Deutsche Telekom zu einem anständigen Umgang mit den Gewerkschaftsrechten zu bewegen. Sie wäre ohne das Internet nicht möglich. Zum Schutz von Familien und Freizeit brauchen wir weitergehende Rechte und zum Schutz vor Burn-out und wachsender Arbeitsdichte Regelwerke, die die Belastung von Arbeitnehmern begrenzen. Arbeit darf nicht über herkömmliche Grenzen hinweg leichter verlagert werden und die Tür für Unterbietungswettbewerbe geöffnet werden. Deswegen braucht es Mindeststandards, in Deutschland einen Mindestlohn, auch damit die Mindestlöhne in anderen Ländern, in denen es sie gibt, nicht unterboten werden können.
Ohne den Menschen geht noch immer nichts
Das Internet hat vieles verändert und wird noch vieles verändern. Es bleibt aber ein Kommunikations- und Arbeitshilfsmittel. Der wesentlichste Produktionsfaktor bleibt klein, grau und wiegt 1,3 kg, er wird ständig herumgetragen – es ist das menschliche Gehirn. Die Wirtschaft sollte anfangen, Wertschätzung für die Träger dieses Produktionsfaktors auszubauen, denn ohne sie ist Wertschöpfung unmöglich, daran ändert auch das Internet nichts.




















Wenn der Autor schon festgestellt hat, das es der Mensch ist der den PC bedient und ohne den Menschen der teuerste und leistungsfähigste PC eben nur eine nichtsbringende Maschine ist, was für jeden Industrieroboter oder elektrische oder motorgetriebene Werkzeug gilt, dann frage ich mich, warum sich die Gewerkschaften in Deutschland nicht danach handeln. Was bringt die ganze Inovation in der Industrie, wenn sie kein Mensche bedient? NICHTS! Anstatt das sich die Gewerkschaften zusammen tun, denn dann hätten sie die Macht etwas für den Menschen zu bewegen, kocht jede Einzelgewerkschaft ihr eigenes Süppchen wodurch immer mehr Arbeitnehmerrechte und vor allen Dingen Lohn verloren geht. Durch ihre derzeitige Unflexibilität leidet sie unter massivem Mitgliederschwund, den man durchaus mir der Politikverdrossenheit der Bürger vergleichen kann. Gab es seit dem von unserer Regierung so hochgelobten Wirtschaftsaufschwungs eine erwähnenswerte Lohnsteigerung oder eine Verbesserung der Arbeitnehmerrechte? auch hier NICHTS. Wenn die Aufstocker und Leiharbeiter Heute behaupten, die Funktionäre der Gewerkschaften kungeln mit der Inustrie, ist dies durch nichts zu wiederlegen. Der Zeitpunkt sich wenigstens einige der geraubten Rechte zurück u holen wurde mit Absicht versäumt.
Das eine schließt das andere doch nicht aus. Mit dem intelligenten Einsatz von Filtertechnologien und personalisierten Diensten kann man auch den Stress der ständigen Erreichbarkeit abfedern. Zudem wird die Freelance-Economy sich weiter ausbreiten. Man arbeitet nicht mehr nach dem Nine-to-Five-Prinzip, sondern in Phasen, wo man am besten arbeiten kann. Mal spät, mal früh, mal am Wochenende, mal zu anderen Zeiten. Mal macht ein Mittagsschläfchen oder schläft länger aus, mal plant man den Sonntag mit ein. Die industriekapitalistische Taktung der Arbeit gehört doch schon lange der Vergangenheit an.