Zu all unseren Rechten gehören auch gewisse Pflichten. Alec Ross

Good Morning, Qatar

Die amerikanische Regierung fürchtet den Verlust ihrer Stimme im weltweiten Diskurs. Ihre Angst ist unbegründet – denn das Kind ist bereits in den Brunnen gefallen.

Kriege kann man gewinnen oder verlieren. Daher ist es einfacher, wenn formal gar nicht erst eine Kriegserklärung vorliegt – denn ein Truppenabzug kommt in den Geschichtsbüchern wesentlich besser weg als das Eingeständnis einer Niederlage. So ist es kein Wunder, dass die USA trotz regelmäßiger Militäreinsätze bereits seit dem zweiten Weltkrieg formal keinen Krieg mehr erklärt haben – stutzig macht einen nur, wie inflationär sie den Begriff weiterhin verwenden.

Glaubt man der Rhetorik, so sind die USA bereits seit Jahren in einen Mehrfrontenkrieg verwickelt: Neben dem bekannten Vertreter „War on Terrorism“ kämpft eine spezialisierte Polizeitruppe im Grenzgebiet nach Lateinamerika einen blutigen „War on Drugs“. Dabei bleibt es allerdings nicht: Auch in den Medien führen die USA einen unsichtbaren Krieg. Der „Information war“ ist eine Schlacht um Berichterstattung, um Wahrheit und um das Bild der Nation. Geht es allerdings nach Hillary Clinton, so steht gerade auf diesem Schlachtfeld eine Niederlage bevor.

Blick über den Tellerrand

Glücklicherweise sind die Zeiten längst vorbei, zu denen ganze Familien andächtig dem Radio der in Deutschland stationierten Truppen lauschten oder man in Dresden kein Westradio empfing. Das Internet hat nicht nur neue Medienformate geschaffen, es erlaubt auch einen Zugriff auf bis dato unerreichbare Quellen. Daran hat sich nicht nur der Journalismus gewöhnt, der Informationen schneller und mit größerer Reichweite einweben kann, sondern auch die Menschen in der Welt – denn der Blick über den nationalen Tellerrand offenbart alternative Perspektiven, die das eigene Weltbild beeinflussen. Auch im Tal der Ahnungslosen gibt es Twitter und Wikileaks.

Es ist ein erstaunliches Eingeständnis, dass Hillary Clinton nun vor dem Verlust des Infokrieges warnt und dabei nebenbei versichert, Al-Jazeera mache „richtiges“ Fernsehen. Im Kern hat sie selbstverständlich recht – denn die amerikanische Fernsehlandschaft ist bereits seit Jahren in sich gekehrt, während andere Sender und Formate das dadurch entstandene Vakuum erfolgreich füllen konnten. Spannend ist daher, dass sich eine Politikerin ihres Ranges ausgerechnet um den Medienkonsum der Mensch im Ausland schert.

Pluralität ist mehr als Lärm

Der irrtümliche Luftangriff der NATO auf pakistanische Grenzbeamte Ende November ist einer der möglichenen Gründe, zumal er im Zuge einer tatsächlichen Militärmission geschah. Selbst als vermeintliche Supermacht können die USA kaum noch Einfluss auf die zunehmend negative Berichterstattung nehmen, welche in Pakistan verständlicherweise für Furore sorgt. Das amerikanische Interesse an einer Hoheit über die Berichterstattung ist nachvollziehbar – doch negative Konsequenzen lassen sich viel mehr mit einem Verhalten eindämmen, das weder überdeckt noch aufgehübscht werden muss.

Die Truppen mögen also bleiben, doch den Infokrieg hat die Außenministerin bereits vor langer Zeit verloren. So wird sie sich demnächst auch vom Anspruch einer offiziellen, amerikanischen Wahrheit verabschieden können – denn Meinungspluralität kann seit dem Internet nicht mehr nur daraus bestehen, möglichst viel Lärm zu machen. Ironisch nur, dass die Technologie für diese Veränderung größtenteils aus den USA stammt.

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