Transparenz und das Recht auf gesunde, sichere, ausreichende Ernährung ist ein Bürgerrecht. Thilo Bode

Klima on the rocks

In Deutschland wird es keine größeren Anstrengungen zur unkonventionellen Gasförderung aus Gestein geben. Zum Glück, denn die Methode verbraucht nicht nur Unmengen an Trinkwasser, sondern setzt auch giftige Stoffe in der Umwelt frei – von den Klimazielen müsste sich Deutschland dann verabschieden.

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Polen ist momentan das Land, welches in Europa die größten Hoffnungen in die unkonventionelle Gasförderung setzt. Es verspricht sich Unabhängigkeit vom russischen Gas und sinkende Preise. Erste Explorationsprojekte haben begonnen, doch nicht vor 2020 ist mit dem Beginn der Förderung zu rechnen. Vielleicht auch später, so der polnische Umweltminister Henryk Jezierski. Von Unabhängigkeit ist man noch Jahrzehnte entfernt.

Polnische Landwirte sind die Ersten, die erleben, wie Explorationsprojekte vor ihrer Haustür aussehen. Die Ankunft der LKW-Flotte zum Aufbau der Bohrplattform brachte das ganze Dorf zum Beben. Brunnenwasser wurde mit Beginn der Arbeiten „schwarz und fettig“. Premierminister Tusk sollte sich die Folgen der angestrebten Unabhängigkeit persönlich anschauen. Bisher hat er darauf verzichtet.

Millioneninvestitionen sind nötig

Beginnt die unkonventionelle Gasförderung, werden Hunderte von Bohrungen notwendig. Würde die Industrie mit weniger auskommen, sie würde gerne darauf verzichten. Jede einzelne Bohrplattform kostet Millionen und trotzdem stieg in Pennsylvania die Anzahl in drei Jahren von 40 auf über 2.000 Bohrungen.

Bis zu 50 Millionen Liter Wasser und teilweise mehr als 30 Tonnen Chemikalien werden pro Frack verwendet. Dreimal passiert die Frackflüssigkeit die grundwasserführenden Schichten. Oberirdisch wird sie zusammengemischt, zwischengelagert und „entsorgt“. Zusätzlich fallen während der Förderung riesige Mengen an Abwässern an. Alleine ExxonMobil meldete 500.000.000 Liter im Jahr 2010 für Niedersachsen. Nicht für Tausende Bohrungen, sondern für einige wenige.

Kein Wunder, wenn mal was im Grundwasser landet. Selbst wenn Fracking ohne Chemikalien auskäme, würden aus dem Gestein gelöstes Benzol, Quecksilber, Arsen, Radium-226 und andere hochgiftige Stoffe anfallen.

Leere Trinkwasserspeicher

In Texas – einem eher trockenen Land – streiten Farmer, Feuerwehren und Industrie inzwischen um das Wasser. Pennsylvania – sehr wasserreich – musste vor Kurzem die Entnahme von Wasser für Fracking gesetzlich regeln, um das zeitweise Austrocknen von Flüssen zu vermeiden. Städte wunderten sich über leere Trinkwasserspeicher, weil zum Fracken mal eben der Wochenbedarf einer Kleinstadt abgezogen wurde.

In Pennsylvania gehören nicht nur die Tausenden Laster zum Aufbau der Bohrungen zum täglichen Bild, sondern auch die Trucks, mit denen Menschen mit Trinkwasser versorgt werden, weil ihre Brunnen versalzen sind, hohe Methankonzentrationen aufweisen oder die beim Fracking eingesetzten Chemikalien enthalten.

Kein vernünftiger Mensch wäre bereit, diese Risiken zu tragen, wenn nicht zumindest der Nutzen erheblich wäre. Doch die Erfahrungen aus den USA zeigen, dass nur bei stark steigenden Gaspreisen die Kosten der Förderung gedeckt sein werden. Die Kosten der Entsorgung und die Beseitigung der Schäden – sofern überhaupt möglich – sind noch nicht einmal eingerechnet.

Fracking wird in Deutschland keine Akzeptanz finden

In Deutschland wird es hingegen keine unkonventionelle Gasförderung geben. Wirtschaftlich relevante Mengen würden mehrere Hundert Bohrungen pro Jahr erfordern. Dafür steht weder der Platz noch die Ausrüstung oder die Technik zur Verfügung. Unkonventionell gefördertes Gas ist ähnlich klimaschädlich wie Kohle. Unsere Klimaziele ließen sich damit nie erreichen.

Auch in Deutschland läge die Förderung, selbst geringer Mengen unkonventionell geförderten Gases, noch weit in der Zukunft. Bis die Industrie alle Probleme des Frackings im Griff hat, wird Deutschland schon lange mit regenerativen Energien versorgt. Das Ende der Dinosaurier. Wieder einmal.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Jürgen Blümer, Jürgen Blümer, Volker Wrede.

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