Atomare Strahlen und Treibhausgase machen nicht an Grenzen halt. Torsten Albig

Er ist ja nicht mein Papst

Vor zehn Jahren gab es in der Ökumene einen Aufbruch, die Verwerfungen des 16. Jahrhunderts schienen die beiden Kirchen nicht mehr zu interessieren. Doch seitdem hat sich nicht mehr viel bewegt.

Als Kardinal Ratzinger zum Papst gewählt wurde, habe ich, ehrlich gesagt, nicht viel erwartet. Als mich damals die Nachricht von seiner Wahl erreichte, habe ich gerade einen ökumenischen Gottesdienst gefeiert. Die Neuigkeit wurde eher verhalten aufgenommen und genauso ging es mir auch. Jemand, der so lange seine Grundüberzeugung gelebt hat, wird nicht die römisch-katholische Kirche revolutionieren; weder in der Frauenfrage noch in der gegenseitigen Anerkennung der Kirchen und ihrer Ämter oder in der Abendmahlsfrage. Insofern zähle ich mich gar nicht zu denjenigen, die so wahnsinnig enttäuscht sind.

Es hat sich ökumenisch in den letzten zehn Jahren im Grunde nichts bewegt. 1999 war ein großer Aufbruch. Man dachte, wenn wir erklären: “Die Verwerfungen des 16. Jahrhunderts betreffen uns heute so nicht mehr”, dann gibt es theologisch einen großen Schub, der zur Anerkennung der Kirchen und zum gemeinsamen Abendmahl führt. Aber der hat nicht stattgefunden. Insofern treten wir seit zehn Jahren auf der Stelle. Benedikt XVI. spricht den Kirchen der Reformation das Kirchesein ab. Das ist nach reformatorischem Verständnis eine Fehleinschätzung.

Katholiken und Protestanten sind beide Erben der alten Kirche

Die Reformation hat etwas Neues begonnen, aber nicht ohne Wurzeln im Alten. Es ist mir wichtig zu sagen, dass der Protestantismus nicht ohne Tradition ist. Luther hat sich zum Beispiel in seiner Theologie stark auf Augustin berufen. Wir sind auf jeden Fall Erben der alten Kirche, so wie es auch die römisch-katholische ist. Wir differieren natürlich in gewissen Punkten, aber das gemeinsame Erbe ist dasselbe. Wo das Evangelium verkündigt und die Sakramente gefeiert werden, da ist für uns Kirche – insofern sind die Kirchen der Reformation nach dem Augsburger Bekenntnis Kirchen im vollen Sinne, wie auch immer der Vatikan das sehen mag.

Mein Urteil über das Pontifikat ist aber alles in allem moderat, denn Benedikt ist ja nicht mein Papst. Er ist für mich das Oberhaupt einer anderen Kirche. Bei uns evangelischen Christen gibt es keinen Papst, und ich halte das von der Lehre her auch für richtig. Es gibt nicht das eine Oberhaupt der Kirche, sondern Kirche wird vielfältig gestaltet; durch Hauptamtliche, Ehrenamtliche, Männer und Frauen, Ordinierte, Nichtordinierte etc. Das römisch-katholische ist ein völlig anderes Kirchenmodell, es ist nicht meins. Ich respektiere es aber.

Papst kann nicht Sprecher der weltweiten Christenheit sein

Aufgrund meiner evangelischen Überzeugung kann ich auch nicht sehen, dass der Papst Sprecher für die weltweite Christenheit wäre, wie das einmal aus den Reihen auch meiner Kirche vorgeschlagen wurde. Das widerspräche absolut unserem Kirchenmodell. Bei der evangelischen Kirche schärfe ich selbst mein Gewissen an der Bibel und übernehme eine Position; die kann in der Kirche sehr verschieden sein. Es kann für mich nicht den einen Sprecher für das Christentum geben, sondern eine Vielfalt der Stimmen, auch wenn das manchmal anstrengend und medial schwer vermittelbar ist.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Ludwig Ring-Eifel, Kerstin Porzner, Ludwig Ring-Eifel.

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