Manche Politiker muss man behandeln wie rohe Eier. Man haut sie in die Pfanne. Dieter Hallervorden

Die gequälte Kreatur

Während in Syrien die Granaten fallen und somalische Kinder verhungern, protestieren Münchener gegen Gewalt gegen eine Katze. Warum sind Tierfreunden Tiere wichtiger als Menschen?

Der sogenannte Tierfreund steht immer schon mit einem Bein im Wahn: denn der Tierfreund hat Probleme damit, ein Menschenfreund zu sein. Das wissen wir nicht erst seit den Nazis, die bekanntlich viel gegen Tier- dafür aber nichts gegen Menschenquälerei hatten. Das erste deutsche Tierschutzgesetz ging jedenfalls auf die Nazis zurück und das war kein Zufall. Der „anständige Umgang mit Tieren“ diente den tierlieben Menschenvernichtern auch als Propaganda und Abgrenzung gegenüber den Tiere schächtenden Juden.

Die Liste prominenter sogenannter Tierfreunde ist lang: sie reicht vom größten Feldherrn aller Zeiten über Brigitte Bardot bis zu Barbara Rütting.

Der gequälte Mensch ist schnuppe

Seltsam übrigens, dass die beiden letztgenannten auch nicht über jeden Zweifel erhaben sind, wenn es um die Verdammung braunen Gedankenguts geht: Bardot durch rassistische Ausfälle, Rütting durch Propagieren der Vollkostideologie des ökobraunen Max Otto Bruker, den man laut Gerichtsbeschluss als „Scharnierstelle zwischen Ökologie- und Naturkostbewegung auf der einen und Neonazi-Szene auf der anderen Seite“ bezeichnen darf (zitiert nach Esowatch.de).

Dem modernen sogenannten Tierfreund ist der gequälte Mensch, sei es in Nordkorea oder Afghanistan, komplett schnuppe, wenn auch nur einer Katze ein Haar gekrümmt wird.

Münchener protestieren gegen Tierquälerei

Was man vom Wertekanon des sogenannten Tierfreunds zu halten hat, nämlich nichts, weiß man auch wieder mal ganz genau, wenn man gerade nach München schaut. Noch mehr: Man muss den sogenannten Tierfreund fürchten. In München steht ein Mann wegen Tierquälerei vor Gericht. Über ihn wird – mit allem rechtsstaatlichen Drum und Dran – zu Gericht gesessen. Tierquälerei ist schlimm und dafür gibt es Strafen.

Aber dem sogenannten Tierfreund reicht natürlich nicht, dass der Rechtsstaat sich des Tierquälers nach § 17 Tierschutzgesetz annimmt. Für ihn ist Tierquälerei das schlimmste Verbrechen der Welt.

So kam es in München zur Demonstration – aufgerufen hatte der Tierschutzverein München – höchstwahrscheinlich von Menschen, die kein Gaddafi-, Assad- oder Oslo-Massaker jemals auf die Straße locken würde. Denn das schlimmste, das Urverbrechen des Menschen ist für den sogenannten Tierfreund das Erheben der Hand gegen das Tier.

Aber weil der sogenannte Tierfreund gefühlsarm, affektgestört und überemotionalisiert gleichzeitig ist, tritt er zwar keine Hunde, dafür aber den Rechtsstaat in die Tonne, wenn auch nur einem animalischen Geschöpf etwas zustößt. „Er kannte keine Gnade mit Rocco, darum keine Gnade für den Katzenmörder“, skandierten die Teilnehmer gemeinsam und zogen mit Plakaten und Grabkerzen zur Versammlungsstätte. Keine Gnade für einen Straftäter in einem Rechtsstaat? „Tiere werden rechtlich gesehen immer noch wie eine Sache behandelt. Wir fordern die Justiz auf, wenigstens das vorhandene Recht auszuschöpfen und drei Jahre Haft ohne Bewährung zu geben“, hieß es von einem anderen Vertreter des Tierschutzvereins. Dass Tiere aber juristisch deshalb eine Sache sind, weil sie eben auch keine Menschen sind, das Ganze also dem juristischen Zwang zu Definition geschuldet ist – das versteht kein sogenannter Tierfreund.

Warum gehen Menschen für Tiere auf die Straße, nicht aber für Menschen und sehen tatsächlich in dieser Gewichtung in einer Welt, in der gerade Hunderttausende verhungern, nicht etwa eine Obszönität?

Gott schütze uns vor den Tierschützern

Es liegt daran, dass der sogenannte Tierfreund im gequälten Tier ein Abbild der gequälten Kreatur an sich sieht. Mit anderen Worten: Er sieht sich selbst, denn er ist ein gesellschaftlicher Verlierer, er selbst sieht sich gequält durch die angebliche „Kälte“ der modernen Gesellschaft, ihre „Bindungslosigkeit“, die er unablässig beklagt. Er ist ein kommunikationsgestörter Einzelgänger, der seine Isolation als aus Enttäuschung über „die Menschen“ selbst gewählt verkauft. Das verbindet den Punk mit dem Rentner, die ja beide ihren Köter für den besseren Menschen halten und von der menschlichen Gesellschaft gar nichts.

Es ist auch kein Zufall, dass sogenannte Tierfreunde immer wieder durch Nähe zu ökobraunen Ideologien auffallen: Wer sich das Tier zum angeblich unschuldigen Vorbild erwählt hat, der steht schon mit einem Bein im Wahn, dass die menschengemachte Ordnung „unnatürlich“ sei. Das Tier der Mensch, der Mensch ein Tier. Gott schütze uns vor den Tierschützern.

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