Sag mir nicht, Wandel sei unmöglich. Barack Obama

Happy-Appeasement-Wochen

Statt objektiv über das iranische Atomprogramm zu berichten, beschränkt sich der deutsche Journalismus auf oberflächliche Empörung. Gute Intentionen gehen dabei in die falsche Richtung.

In Deutschland unterscheidet man traditionell zwischen guter und schlechter Kernkraft. Schlechte Kernkraft, das ist die, die in AKWs produziert und zu einer flächendeckenden Energieversorgung genutzt wird (bzw. wurde). Gegen die muss man sich wehren. Zum Beispiel, indem man Schottern geht oder sich an Gleise kettet. Die gute Kernkraft hingegen, die gibt’s nur bei den Mullahs im Iran. Diese gilt in Deutschland zumeist als relativ harmlos, obwohl sie mittlerweile auch zur Bombenproduktion geeignet wäre. Das weiß eigentlich jeder – einzig bei deutschen Qualitätsjournalisten hat’s etwas länger gedauert. Denen ist nämlich erst vor Kurzem, und damit mit einer läppischen Verspätung von lediglich einigen Jahren, aufgefallen, dass der Iran an Atomwaffen bastelt. Und während Israel das natürlich verhindern will, rauchen in deutschen Redaktionsstuben nun die Köpfe ob der Frage, wie man die hinterlistigen Juden bloß davon abhalten könnte.

Einziger Vorschlag: Deeskalation

Dabei wurden auch vorige Woche einige Sternstunden der Nahostberichterstattung produziert. Kein Wunder, schließlich herrscht vor Ort bereits jetzt schon Bombenstimmung: verstärkte Urananreicherung, Öl-Embargo, ein bisschen Action in der Straße von Hormus, und zu allem Übel noch ein toter Atomwissenschaftler in Teheran oben drauf. Doch deutsche Journalisten wären nicht deutsche Journalisten, wenn sie nicht auch angesichts dieser Zustände stets die rechten Worte oder obskure Vorschläge zur „Deeskalation“ in petto hätten.

So zum Beispiel bei „Spiegel Online“, wo man sich über ein „Killerkommando“ empörte, das im Iran unterwegs sei, um dort „Atomwissenschaftler des Regimes auszuschalten“. All das auch noch „seit Monaten“ und „vollkommen ungestört“, was man natürlich schon recht dreist finden kann. Zumindest, sofern man sich auch in gleicher Weise über am Baukran aufgeknüpfte Homosexuelle, zu Tode gesteinigte Frauen oder von Teheran finanzierte Terroristen beklagt, was im genannten Artikel allerdings nicht geschieht. Klar, denn schließlich geht es ja auch primär um den Mossad. Der soll nämlich „Motorrad fahrende Todesengel“ engagieren, „die es wieder und wieder schaffen, im Herzen Teherans zu morden und unerkannt zu entkommen“. Das klingt ungefähr wie eine Mischung aus „Rosamunde Pilcher“ und „James Bond“, womit man beim örtlichen Poesie-Wettbewerb allerdings zweifellos punkten könnte. Skrupellose Juden, die mit Turbomaschinen durch das beschauliche Städtchen Teheran brausen und dabei gewissenlos unschuldige Bürger aus dem Weg räumen – so in etwa das Bild, das hier irgendwie entstehen könnte und lustigerweise unter der Überschrift „Hintergründe/Artikel: Iranisches Atomprogramm“ erschien. Deutscher Qualitätsjournalismus in Reinform.

Ähnlich verhält es sich allerdings auch einige Schritte weiter, nämlich in den ehrwürdigen Hamburger Redaktionsstuben der „Zeit“. Dort sprang man wohl ebenfalls auf den atomaren Geisterzug auf und stellte sich folgende, durchaus kuriose, Fragen:

„Die Unnachgiebigkeit Teherans wird beklagt, doch wo sind die wirklich verlockenden Angebote aus dem Westen? Warum gibt man diesem Regime nicht Sicherheitsgarantien? Warum sagt man nicht: Wir wollen auf keinen Fall, dass ihr eine Bombe baut, aber euer Regime werden wir nicht stürzen?“

Größenwahnsinnige Diktatoren

Genau, warum eigentlich keine Sicherheitsgarantien für ein Regime, das seit über dreißig Jahren zuverlässig von überwiegend größenwahnsinnigen Diktatoren beherrscht wird? Vielleicht, weil man Fundamentalisten, die sehnsüchtig die Rückkehr des Mahdi erwarten und deshalb weltweit Terroristen subventionieren, keine Schnäppchenangebote offerieren sollte? Oder, weil solche Gestalten in ihrem Verhalten circa genauso kalkulierbar wie die Deutsche Bahn im Winter sind? Antworten über Antworten, die man bei der „Zeit“ vielleicht übersehen hat. Macht aber nix. Denn immerhin weiß man dort wohl, dass die Bombe zwar nicht gebaut, das Regime allerdings ebenso wenig gestürzt werden soll. Das ist dann in etwa so, als hätte man Hitler 1939 zugerufen: „Einen Überfall auf Polen wollen wir keinesfalls, aber am Lösen der Judenfrage werden wir euch freilich nicht hindern.“

Und wie bestellt, äußerte sich dann letztlich auch Guido Westerwelle, der den Mullahs weiterhin Gesprächsbereitschaft signalisierte. Etwas, was der Iran, der ja pausenlos von israelischen „Todesengeln“ belästigt und durch fehlende „Sicherheitsgarantien“ benachteiligt wird, auf dem Weg zum atomaren Abenteuer sicher gut gebrauchen kann.

Leserbriefe

  • Theeuropean-placeholder
    Saarfregatt – 14.01.2012 - 12:13

    Eines ist doch mal Fakt, jedes Land das ein Atomkraftwerk besitzt, ist in der Lage sich die Atombombe zu bauen. Alleine schon diese Tatsache ist schon sehr beunruhigend. Beruhigend dagegen ist die Tatsache, das wer die Bombe einsetzt, von der Landkarte getilgt wird. Dieses Prinzip besteht mitlerweile seit 60 Jahren und wird auch noch weitere 60 Jahre bestand haben. In Zeiten immer knapperer Recorcen werden wir uns damit abfinden müssen das aufstrebende Länder ihren Energiebedarf auch mit Atomkraftwerken sichern werden. Das damit die Zahl derer steigt, die dann auch Atomwaffen haben werden ein nicht abzuwendender Nebeneffekt. Es wird die, die sich Heute noch als Herr über ganze Regionen sehen dazu zwingen sich an den Verhandlungstisch zu setzen und nicht nur immer kathegorisch zu allem nein zu sagen. Man stelle sich vor, es gibt sie noch, die Staaten, die unliebsame Personen nicht gezielt töten.Damit weise ich mal ganz gezielt auf das Paketbombenattentat auf Adenauer, an dem ein späterer Ministerpräsident beteiligt war. Freundschaft sieht anders aus.

  • Theeuropean-placeholder
    klausmeier – 14.01.2012 - 19:12

    Ja wunderbar, ein sehr kritischer Beitrag. Wo ist jetzt mein Erkenntnisgewinn und was ist das Ziel das Frau Pyka erreichen will? Etwas neues hat sie zur Debatte jedenfalls nicht beigetragen. Ausser der typisch Pykaschen Beschwerde, alle doof ausser Natalie. Und der 743. Hitler-Vergleich läßt einen auf Dauer auch abstumpfen , gähn….nix neues aus Frau Pykas Wohnzimmer.

  • Theeuropean-placeholder
    Caruso Canary – 15.01.2012 - 19:47

    Würde mein zehnjähriger Sohn so einen Blödsinn schreiben wie SIe, würde ich ihn mir vorknöpfen und ihm schritt für schritt erklären, was Frau Pyka hier so wunderbar und füpr jeden des dEnkens mächtigen MEnschen erkennbar erläutert hat.

    Gähnen SIe ruhig weiter. Beim Gähnen soll das Gehirn -so vorhanden – mit Sauerstoff versorgt werden, was eine erhöhte Denkfähigkeit nach sich ziehen soll. Bei manchen kommt alerdings der Verdacht auf, dass ihnne selbst das Gäähnen nicht hilft, weil der Sauerstoff nicht weiß, wo er hin soll …

  • Theeuropean-placeholder
    Ihr Name ... – 15.01.2012 - 23:53

    Ich hoffe, es bleibt uns erspart, das Sie sich Ihren " Sohn vorknöpfen " !

    Immer wieder die selben Reaktion der ach so friedliebenden und ewig besser wissenden Deutschen Moralaposteln.

    Ihr Kommentar ist “leer” “qualitativ nichtssagend” und " dumb"

    patriot

  • Theeuropean-placeholder
    Felix Reichert – 15.01.2012 - 17:19

    Zuerst einmal muss festgehalten werden, dass der Iran mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht an einer Atombombe bastelt, wie im Artikel suggeriert.

    Das sagt sogar einer klipp und klar, aus dessen Mund man eigentlich das genaue Gegenteil erwarten würde: der US-Verteidigungsminister. Auch CIA und andere Geheimdienste sind sich da ziemlich einig.

    http://www.youtube.com/watch?v=xdiGahJItOA

    Ansonsten: ganz schlimmer Artikel.

    Auf der einen Seite wird sich über vermeintliche Empörung empört, auf der anderen Seite wird erwartet, dass sich Medien doch bitte auch in den Artikeln über Untaten des Iran empören sollten.

    Vollkommen absurd.

  • Theeuropean-placeholder
    Antonius Theiler geb.1941 – 11.03.2012 - 11:30

    Was Sagte Prof Walter Gerlach in einer Rede gehalten in der öffentlichen Sitzung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München am 5. Oktober 1948.

    Genehmigung der U.S. Regierung US-E-178.

    Ausnutzung der Atomenergie und
    Herstellung des Atombombenstoffs sind voneinander nicht trenn-
    bare Prozesse. Das ist eine physikalische Grundlage des inter-
    nationalen Problems der Atomenergiekontrolle.

    Aber wieder erkennen wir, daß die reinste wissenschaftliche
    Forschung verbunden ist mit der Schaffung des Grundstoffs der
    Atombombe; die Möglichkeit geistigen Fortschrittes wird ein
    Teil des Problems der Atomenergiekontrolle.

    Zum drittenmal müssen wir aber daran erinnern: wer diesen

    Segen der entschleierten Atomenergie genießen will, schafft zur
    gleichen Zeit in fortschreitender Menge furchtbarste Zerstörungs-
    mittel; die in seiner Hand befindlichen künstlich-radioaktiven
    Substanzen sind – im schlechten Sinne angewendet – verheeren-
    der als alle Pestkulturen.
    Wir erkennen einen dritten Gesichtspunkt der physikalischen
    Grundlage des Problems der Atomenergiekontrolle.

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