Der Klügere gibt solange nach, bis er der Dumme ist. Heiner Geißler

Das Versuchslabor der Sabine S.

Frau S. und Herrn J. verbindet der Kampf gegen Rechtsextremismus. Doch während die Medienpädagogin so ihre Probleme mit dem Konzept der Meinungsfreiheit hat, bietet ihr der Radiomann eine Bühne. Klingt irre, ist das Resultat auch.

Deutschland kämpft gegen Rechts, und das ist auch gut so. Angefangen bei der Bundesregierung, der mit einer kleinen Verspätung von lediglich einigen Jahren aufgefallen ist, dass die NPD vorwiegend aus V-Leuten des Verfassungsschutzes besteht, bis hin zur „Frankfurter Rundschau“, wo man vorige Woche aufschlussreiche Worte von Dr. Sabine Schiffer, einer Medienpädagogin aus Erlangen mit Expertise für Dauerschleifen jeglicher Art, nachlesen konnte. Denn wenn es um Rassismus und insbesondere Islamophobie geht, so ist auch die ambitionierte Leiterin des Erlangener „Instituts für Medienverantwortung“ nicht weit. Unter dem Motto „Islamfeinde im straffreien Raum“ verkündete sie dort zum gefühlten 100. Mal, wie rechtsextremen Bloggern sowie „doppelten Standards“ in puncto Strafverfolgung denn nun am besten zu begegnen sei. Verantwortung für diesen Schlamassel trügen laut Schiffer nämlich „Behörden“, die sich „mit dem Konzept der Meinungsfreiheit“ schwer täten. Im Umkehrschluss müsse man also wohl lediglich dieses lästige „Konzept“ ändern, und schwupps, schon würde wieder Frieden im Erlangener Institut einkehren, wo die ambitionierte Fränkin bereits seit Jahren unermüdlich an einer „Neudefinition der Meinungsfreiheit“ forscht.

Eine wunderbare Freundschaft, die obskure Früchte trägt

In Erlangen nichts Neues, könnte man sagen. Doch das wäre gegenüber der engagierten Wissenschaftlerin, in deren Kopf sich pausenlos „kritisches Denken abspielt“, vielleicht nicht wirklich fair. Denn schließlich kümmert sich Sabine um etwas, das so enorm wichtig ist, dass es gar nicht oft genug betont werden kann, und zwar um die „Darstellung des Islams in der Presse“ – nicht nur Thema der Dissertation, sondern vielmehr Lebensmittel-, Dreh-, und Angelpunkt der eifrigen Forscherin. Und nachdem der Islam laut Dr. Schiffer mit einem ernst zu nehmenden Imageproblem hadert – mal scheint er rückständig, mal gar bedrohlich, auf jeden Fall jedoch wird er stets verzerrt dargestellt –, hat die Wissenschaftlerin aus Erlangen freilich alle Hände voll zu tun. Morgens klärt sie DIE LINKE Bremen, die normalerweise eher durch Boykott-Aktionen gegen israelische Produkte auffällt, über die angeblich frappierenden Parallelen zwischen Antisemitismus und Islamophobie auf, nachmittags bereichert sie die iranische Propaganda, indem sie dem dortigen staatlichen Rundfunk ein Interview gibt, und abends recyclet sie ein Kapitel ihrer Doktorarbeit, das sie anschließend vermutlich als brandneue Erkenntnis an die Bundeszentrale für politische Bildung verkauft.

Und wenn sie dann noch Zeit hat, so schaut sie gern mal bei Ken Jebsen, Moderator bei Radio Fritz a.D., vorbei. Denn schließlich ist der Mann, der weiß, dass von den neulich über 1.000 freigelassenen palästinensischen Terroristen „höchstens ein bis zwei Mörder waren“, mindestens ebenso kritisch wie Sabine. Eine wunderbare Freundschaft also, die reichlich obskure Früchte trägt. Einige davon (üb)erlebte der geneigte Hörer zum Beispiel anlässlich des 10. Jahrestags der 9/11-Attentate. Im Interview mit KenFM fantasierte Frau Dr. Schiffer dabei eine gegen den Islam gerichtete Weltverschwörung herbei.* Jedenfalls muss der Medienpädagogin dabei vor lauter Eifer wohl glatt entgangen sein, wer ihr da eigentlich zuhört (vorwiegend Jugendliche), mit wem sie gerade redet („Ich weiß, wer den Holocaust als PR erfunden hat!“) und wer all das bereits seit Jahren finanziert (die Allgemeinheit).

Doppelte Standards

Es sei denn, Frau Dr. Schiffer hält ihr verschwörungstheoretisches Geschwurbel allen Ernstes für verantwortungsvoll, sich selbst für eine ernst zu nehmende Wissenschaftlerin und Ken Jebsen für einen seriösen Journalisten. Dann darf Ken Jebsen, wenn auch nun nicht mehr auf Kosten des Gebührenzahlers, freilich seiner Hörerschaft suggerieren, 9/11 sei von Amerikanern inszeniert und die Festnahme Adolf Eichmanns durch den Mossad irgendwie illegal und damit verachtenswert gewesen. Dann darf der Mann, der für Steinigungen im Iran nicht etwa die Mullahs, sondern vielmehr die USA verantwortlich macht, auch weiterhin antiamerikanische Mistkübel über seiner Hörerschaft ausleeren, die Ken Jebsen offenbar genau dafür schätzt – denn sonst würde sie ihm nicht zuhören, ohne anschließend Schmerzensgeldforderungen zu stellen.

Zugleich sollten dann allerdings auch Islamkritiker frei und unbeschwert Ehrenmorde und Menschenrechtsverletzungen im islamischen Raum kritisieren dürfen, ohne umgehend von Frau Dr. Schiffer eins auf den Deckel zu bekommen. Denn wer wie Sabine aus Erlangen nur den Islamkritikern den Mund verbieten will, jedoch nach der, völlig zu Recht erfolgten, Kündigung ihres Busenfreunds Ken Jebsen über „Zensur“ klagt, der kennt sich mit sogenannten „doppelten Standards“ nicht nur aus, sondern praktiziert sie vielmehr selbst. Und das wollen wir der Wissenschaftlerin mit Medienverantwortung, die nicht zuletzt ebenfalls vom jetzigen „Konzept der Meinungsfreiheit“ profitiert, ja nun wirklich nicht vorwerfen.

*: Aufgrund einer falschen Tatsachenbehauptung wurde The European Magazine aufgefordert, diese zu widerrufen. Mit der Entfernung dieser Text-Passage sind wir dieser Forderung nachgekommen.

Lesen Sie auch die neuste Kolumne von Jennifer Nathalie Pyka: Krieg der Schwärme

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