Wir dürfen nicht nach Hause gehen und denken, dass die Klimakonferenz das Problem gelöst hat. Rajendra Pachauri

Was erlaubt sich die ARD?

Man sollte der ARD tatsächlich gratulieren: Indem sie es nicht schafft, eine Antisemitismus-Doku ohne Warnhinweise auszustrahlen, demonstriert sie – wenn auch unfreiwillig – die zentrale Feststellung des Films und dessen Relevanz.

Dass Ingo Zamperoni nicht auf die später folgende Antisemitismus-Doku verweisen kann, ohne sie mit dem Adjektiv „umstritten“ zu garnieren, ist keine große Überraschung. Der Warnhinweis, den die ARD der Doku dann unmittelbar voran stellt, streng genommen auch nicht. Denn natürlich muss der Zuschauer darüber informiert werden, dass im Film womöglich „Rechte Dritter verletzt“ werden. Der Israelkritiker vorm Fernseher nickt zustimmend. Kennt man ja schon von der Israel-Lobby, immer verdrehen die Zionisten alles. Sehr beeindruckend ist allerdings, dass die ARD in Einblendungen während des Films laufend auf ihren „Faktencheck“ verweist, dem man „notwendige Erläuterungen und Ergänzungen“ zur Doku entnehmen kann – was ein bisschen wie eine Warnung klingt: „Achtung, glauben Sie nicht alles, was in diesem Film erzählt wird. Hören Sie lieber auf uns, die Faktenchecker aus dem Ersten“. Aber gut, schließlich darf man nicht vergessen, dass auch die Israelkritiker auf ihre Kosten kommen müssen. Der kritische Zuschauer und Augstein-Leser kann indes beruhigt sein: So schlimm ist das mit dem Antisemitismus also nicht, stimmt ja eh nur die Hälfte. Wenn überhaupt.

Für die ARD wiederum gilt: Ein Glück, dass man nicht jeder Doku einen groß angelegten Fakten-Check zur Seite stellen muss. Nur bei dieser einen, die sich um zeitgenössischen Judenhass dreht, ging es halt nicht anders. „Spirale der Gewalt“-Sendungen über den Nahostkonflikt kommen auch ohne gecheckte Fakten aus. Und deshalb sollte man der ARD tatsächlich gratulieren: Indem sie es nicht schafft, eine Antisemitismus-Doku ohne Warnhinweise auszustrahlen, demonstriert sie – wenn auch unfreiwillig – die zentrale Feststellung des Films und dessen Relevanz.

Text von der Facebookseite der Autorin

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Thore Barfuss, Sebastian Pfeffer, Manuel Weis.

Leserbriefe

comments powered by Disqus

Mehr zum Thema: Ard, Antisemitismus

Debatte

Antisemitismus in arabischem Flugzeug

Medium_cf4a8f9db1

Kuwait Airways die Landerechte entziehen!

Die arabische Airline Kuwait Airways hat sich geweigert, einen israelischen Staatsbürger von Frankfurt nach Bangkok zu fliegen, weil ein kuwaitisches Gesetz Geschäfte mit Israelis verbietet und mit... weiterlesen

Medium_f9574af085
von The European Redaktion
19.11.2017

Debatte

„Unite the Right“-Kundgebung in Charlottesville

Medium_781161d6d6

Ein Rassismus und Antisemitismus übelster Art

Diese Szenen zeigen, was passiert, wenn Demokraten Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit nicht unbedingt, systematisch und konsequent benennen, ächten und bekämpfen.... weiterlesen

Medium_8875680075
von Charlotte Knobloch
18.08.2017

Debatte

Arabischer Antisemitismus

Medium_b38b9aa890

Gegen den Antisemitismus unter Flüchtlingen vorgehen

Antisemitische Verschwörungstheorien gehören im arabischen Raum zur Alltagskultur. Deshalb sind die Warnungen des Vorsitzenden des Zentralrats der Juden berechtigt. Es braucht keine Relativierungen... weiterlesen

Medium_866a454ae3
von Mareike Enghusen
18.05.2017
meistgelesen / meistkommentiert