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Netzgeflüster Wissen ist Google

Die Erfassung der Welt

Google ist die digitale Supermacht – mit einem totalen Anspruch. Doch um in einer digitalisierten Welt weiterhin selbstbestimmt zu bleiben, müssen wir uns die Alternativen zu Google offenhalten.

  • Sind wir nicht alle ein bißchen Google?
 

Sind wir nicht alle ein bißchen Google?

 

Wissen ist Google

Datum: 2010-05-27

Das Leben im Informationszeitalter wird von dem Mythos begleitet, das nur ein Mehr an Wissen zum Erfolg führt. Doch die Realität sieht ganz anders aus. Die Menschen sind nicht in der Lage, auch nur annähernd alle verfügbaren Informationen aufnehmen zu können, geschweige denn, sie zu verarbeiten. Ständig steigt die auf immer leistungsfähigeren Chips abgespeicherte und ausgegebene Flut an Daten weiter an und will verarbeitet werden. Suchmaschinen erleichtern uns das Leben enorm. Allen voran steht natürlich die digitale Supermacht Google, die einfach perfekte Services bietet.

Man kann getrost konstatieren, dass Google die Nummer eins im weltweiten Wissensmanagement ist. Google entwickelt sich aber weiter. Im Internet ist Google auf dem Feld der Informationsbeschaffung sozusagen fertig: Fast alle Informationen, die das Internet bietet, sind durch Google auffindbar. Deswegen geht das Unternehmen jetzt dazu über, das bereits „offline“ vorhandene Wissen nach und nach zu erfassen: Bücher, Magazine und Videos.

Die Erfassung der Welt ist ein mathematisches Problem

Um das gesamte Wissen der Welt abzubilden, braucht Google sehr viel Speicherplatz und dafür wiederum eine Menge Computer. Letztlich ist die Erfassung der Welt für diese Firma aber nur ein mathematisches Problem, das sich relativ leicht berechnen lässt. Google hat als Erstes erkannt, dass die Skalierungseffekte im Internet nicht durch menschlich geführte Redaktionen, sondern nur durch Computer beherrscht werden können. Die exponentiellen Steigerungsraten der Nutzungszahlen des Internets geben Google recht. Es ist in dieser Hinsicht das bestaufgestellte Unternehmen der Welt, eine echte digitale Supermacht, die ihr Geschäftsmodell in Perfektion am Markt durchsetzt. Bei Google auffindbar zu sein, ist ungemein wichtig geworden. Jeder, der die Menschen erreichen will, ist auf Google angewiesen.

Google Street View ist nur eine logische Weiterentwicklung des Gedankens, alle Informationen dieser Welt für die Nutzer bereitzustellen. Die rechtlichen Fragen, die aus diesem Projekt resultieren, sind hinlänglich in der Öffentlichkeit diskutiert worden, und Google lässt jetzt sogar die Löschung von Daten zu, wenn sich jemand in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt sieht oder nicht möchte, dass sein Eigentum abgebildet wird.

Am Ende der Google‘schen Wertschöpfungskette steht Energie

Wir dürfen dabei aber nicht außer Acht lassen, dass die Grundlage für Googles Erfolg nicht allein die Sammlung von Informationen bildet, sondern dass das Gesamtkonzept hervorragend durchdacht ist: Ich erkenne eine Strategie, die ausgehend von den Informationen über Services, Software, Serverkapazitäten bis hin zur eigenen Infrastruktur alles beinhaltet. Ich möchte sogar behaupten, dass am Ende der Google’schen Wertschöpfungskette Energie steht. Energie nicht nur in Form eigener Kraftwerke, sondern Energie im Sinne einer Informationsgrundlage, die sich aus den Tag für Tag gesammelten Informationen speist und die laufende Entwicklung neuer Ideen und Geschäftsmodelle möglich macht.

Jeder, der ein Problem mit Google hat, kann ja auf andere Suchmaschinen ausweichen. Wir müssen auch lernen, dass wir nicht mit Google suchen müssen. Diese Freiheit und vor allem das Bewusstsein dieser Freiheit ist ein Teil der digitalen Selbstbestimmung, die aber jeder Mensch für sich selbst einfordern und umsetzen muss. Die Frage ist, wie wir mit den neuen Services umgehen werden und ob wir uns damit neue Freiheiten erarbeiten oder ob wir unsere Freiheit in einem selbstbestimmten Leben (weiter) einschränken werden. Es ist also wichtig, dass wir an dieser digitalen Welt nicht nur teilnehmen, sondern sie mitbestimmen.

 

von Ibrahim Evsan – 27.05.2010

 

Leserbriefe

  • amvisions

    von amvisions 28.05.2010 - 10:15

    Hallo Ibo,

    ich glaube du unterschätzt die Menschen ein wenig.
    Die meisten Menschen sind so gestrickt, dass sie den besten Service oder das beste Produkt haben wollen. Es geht hier weniger um Google, sondern um die Leistungen, die Google uns kostenfrei (im Gegensatz erhält Google eine Menge Informationen über uns) zur Verfügung stellt. Und die Menschen sind auch sprunghaft, denn kommt morgen eine bessere Suchmaschine werden die Menschen Google verlassen und weiterziehen.

    Microsoft hatte die Chance mit Bing, aber mehr als heiße Luft kommt da auch nicht raus. Die eine oder andere kleine Funktion oder Darstellungsform ist zwar ganz nett, aber bei der Kernfrage “Wer bietet mir zu meiner Anfrage das beste Suchergebnis?” kann Bing definitiv nicht mithalten.

    Dabei ruht sich Google nicht – wie viele andere – auf Ihren Lorbeeren aus, sondern beobachtet kontinuierlich den Markt und schaut welche Dinge man besser machen (wie aktuell bei GoogleTV). Aber Google geht auch gerne in den Ring, sei es z.B. mit Android gegen das iPhone oder mit Chrome gegen Firefox und den Internet Explorer. Google gewinnt den Kampf vielleicht nicht in den ersten Runden durch KO, aber versucht sich den Gegner zurechtzulegen um den Kampf schließlich hinten raus zu gewinnen. Und dies nicht durch ein Millardenwerbeetat (auch wenn Google mittlerweile auch Werbung eigener Produkte schaltet) oder durch schmutzige Tricks, sondern durch das bessere Produkt.

    Und man kann Google und den Menschen die Google benutzen nicht vorwerfen, dass Google in vielen Bereichen halt genial ist. Es liegt an den großen wie Apple, Microsoft und Co dies zu ändern. Aber auch jeder einzelne Entrepreneur hat die Möglichkeit Google in gewissen Bereichen den Schneid abzukaufen, durch revolutionäre Ideen und Konzepte.

    Bei all der aktuellen Google-Hetze die momentan gerade in Deutschland intensiv vollzogen wird, sollte man meiner Meinung nach lieber über die negativen Konsequenzen von Facebook und Herrn Zuckerberg tiefgründig nachdenken und handeln…

    Besten Gruß
    Andreas Matziol

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