Realtime-Web
Datum: 2010-04-01
Die neue große Entwicklung ist Realtime-Web. Wir suchen und kommunizieren heute in Echtzeit. Hierbei wird das Internet emotional: Gebe ich zum Beispiel einen Namen ein, werde ich sehr schnell sehen können, wie sich die Person, nach der ich suche, gerade fühlt. Dieser Service wird die Welt schon ein Stück weit verändern, denn die virtuelle Welt kommt der realen wieder ein Stück näher. Die “Maschinen” wissen dann nicht nur, was ich suche, was mich interessiert und wo ich bin, sie wissen auch, wie ich mich fühle. Das wiederum wird dann sicher dazu führen, dass die Webseiten, die ich besuche, sich meinem momentanen Gefühlsleben in irgendeiner Weise anpassen werden. Webseiten werden tatsächlich “emotional”. Das Realtime-Web weiß dann tatsächlich alles über mich.
Die Funktionalität ist kaum noch zu verbessern
Auf der Produktentwicklungsseite werden wir erleben, dass Endgeräte immer ästhetischer werden, eben deshalb, weil die Funktionalität kaum noch zu verbessern ist, sie ist schon bei den meisten Geräten intuitiv. Beispiele sind dabei das iPhone und das iPad, die in Funktion, Bedienung und Design Maßstäbe gesetzt haben. Was natürlich sehr spannend ist, ist die Augmented Reality. Ein Freund von mir bastelt zurzeit an einer Lösung für einen Immobilien-Anzeiger. Man fotografiert in einer Stadt einen Straßenzug und das System erkennt, was das für eine Straße ist, und zeigt dann automatisch an, ob dort irgendwelche Wohnungen frei sind. Dann kann man direkt vor die Wohnung hingehen, die Kamera davor halten und dann die ganzen Bilder der Wohnung sehen. Eine ziemlich krasse Geschichte, wie ich finde.
Herausforderung Datenschutz
Ein anderer Bekannter von mir aus den USA arbeitet derzeit an einem sehr interessanten Projekt. Dabei fotografiert man eine Person, zum Beispiel in der Disco oder im Café, und dann wird automatisch über eine Gesichtserkennung angezeigt, wer die Person ist. Das Programm zeigt automatisch, ob man zusammenpasst, indem die im Internet gespeicherten Daten zusammengeführt und bewertet werden.
Also, wenn man sich das alles anschaut, dann wird die nächste große Geschichte im Netz nicht eine der Technik, eines neuen Produkts oder einer neuen Anwendung sein, sondern der Datenschutz – auf internationaler Ebene. Da werden gewaltige politische Themen auf uns zukommen.
Ibrahim Evsan ist Autor des Buches Der Fixierungscode: Was wir über das Internet wissen müssen, wenn wir überleben wollen (Zabert Sandmann Verlag)
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Leserbriefe
von Tobias Knobloch – 01.04.2010 - 11:11
Die beschriebenen technischen Entwicklungen des Realtime-Web sind Weiterentwicklungen, die bereits in der Logik des jetzt schon Verfügbaren angelegt sind. Aus diesem Grund bestehen die Datenschutzherausforderungen, die am Ende des Artikels mehr genannt als zur Diskussion gestellt werden, ebenfalls bereits jetzt. Was wir in Zukunft erleben werden, ist ein quantitativer Umschlag solcher Probleme, kein qualitativer. Die Zukunft hat schon begonnen, wir leben bereits in ihr.
Antwort verfassenvon M. Grunwald – 01.04.2010 - 18:54
Stimmt genau.
Antwort verfassenMal so nebenbei: Die Vorstellung, dass mich irgendsoein Axtmörder in der Disco fotografiert, um dann im Internet ganz viele private Infos über mich zu sammeln mit dem Ziel, herauszufinden of wir “zusammenpassen”, finde ich übrigens extrem gruselig. Ein super Anfang für einen Psycho-Thriller.
von marco ripanti – 01.04.2010 - 15:28
Die Sache mit dem Datenschutz ist vor allem ein “Problem” in Deutschland. Nur weil man hier noch nicht überall verstanden hat, dass man sich online eben ebenso verhalten sollte wie offline, wir bei allen Dingen mit der Datenschutzfahne gewunken.
Marco
Antwort verfassenvon M. Grunwald – 01.04.2010 - 18:40
Ich finde, man kann gar nicht oft genug mit der Datenschutzfahne wedeln. Denn “online so verhalten wie offline” – ganz so einfach ist es ja nicht. Wie ich mich offline verhalte und welche Informationen ich wem gebe, bestimme ich selbst, aber was online über mich erscheint, kann auch jemand anderes entscheiden, sogar ohne mein Wissen. Extremes Beispiel sind Nacktbilder oder Verleumdungen von rachsüchtigen Ex-Freund(innen) (Ist mir zum Glück noch nicht passiert, glaube ich – aber weiß ich’s?).
Antwort verfassen“Online” bedeutet meist “im Internet”, also öffentlich. Inzwischen kann jeder Depp alles veröffentlichen, ohne je vom “Recht am eigenen Bild” oder ähnlichen Rechten gehört zu haben. Ob ich mich (offline) im privaten Umfeld verhalte oder (online) öffentlich ist aber ein Unterschied, genauso wie ein spontaner Spaß offline nicht unbedingt für alle Ewigkeit im Internet stehen muss. Das Problem ist, das wir bald (eigentlich schon jetzt) gezwungen sind, uns offline so zu verhalten wie online, dass wir unsere “Facebook”-Rollen auch im wirklichen Leben weiterspielen müssen, dass Privates auch schnell Öffentliches werden kann. Ich jedenfalls will nicht wie ein Prominenter leben müssen, ohne dieselben Privilegien und Schutzmechanismen zu haben. Ich will spontan sein und auch mal Fehler machen dürfen. Und: Ich will ich nicht zugespamt werden :-)
von Hermann Hesse – 01.04.2010 - 15:33
Dampfplauderei
Antwort verfassenvon Jack Black – 01.04.2010 - 15:56
Kann mich nur Hermann Hesse anschließen… Gibt’s auch ’nen roten Faden?
Antwort verfassenvon TG – 02.04.2010 - 22:26
Die Gesichtserkennungssoftware für Handys heisst Recognizr (http://www.readwriteweb.com/archives/recognizr_facial_recognition_coming_to_android_phones.php)
Antwort verfassenvon Peter Luir – 03.04.2010 - 10:06
Herr Evsan hat absolut recht, wenn er sagt, das Internet wird emotional.
Das bemerke ich Tag für Tag mehr.
Antwort verfassenvon Frau Jennifer Frotscher – 22.06.2010 - 12:40
Eine Innovation kann einen Tag dauern und trotzdem braucht der Mensch anscheinend ein bis zwei Generationen, bis er sich in ihr zurecht findet.
Antwort verfassenWarum sollte das Internet denn nicht emotional werden? Schließlich sind wir emotional und das Internet sind wir.
Wenn ein Exfreund Photos von mir im Internet veröffentlicht, hätte er vielleicht vor 20 Jahren Photos von mir in seinem Freundeskreis herumgereicht. Wo ist der Unterschied? Also, ich suche mir einfach Freunde, die so etwas nicht tun und freue mich über die Möglichkeiten des Internet.
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