Eine Währung die man retten muss, ist keine mehr. Wilhelm Hankel

„3D ist momentan der Star“

3D ist die Zukunft: Für diesen Markt hat der Produzent Holger Hage auch einen neuen Mystery-Thriller ausgelegt. Im Gespräch mit Bettina Koller erklärt er, was bei 3D außer der Technik noch von Nöten ist.

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The European: Warum glauben Sie, dass sich die dritte Dimension des Films bei Ihrem Mystery-Thriller “Verbotene Mädchen“ besonders anbietet?
Hage: Als Anfang letzten Jahres Filme wie “Hannah Montana“ neue Kassenrekorde in Amerika einspielten, wurde deutlich, dass 3D im Moment nicht nur präsent, sondern auch Kunst ist. Es gibt vermehrt Abspielmöglichkeiten für stereoskopische Filme, die Nachfrage steigt und so haben auch wir auch diese Variante gewählt. Wir haben uns für ein Kammerspiel entschieden, da 3D – in extremer Geschwindigkeit – den Zuschauer schnell überfordern kann. Türen gehen auf, Hände greifen, Schatten huschen über die Wand – das
bietet das Thema Mystery und das funktioniert natürlich sehr gut. Wir können diese 3D-Effekte dort sehr gut unter kontrollierten Bedingungen anwenden. Auch eine Lolita kommt in “Verbotene Mädchen“ vor. Bei stereoskopischen Filmen kommt der weibliche Körper sehr gut zur Geltung, das ist auch einer der Gründe, warum wir eine Lolita-Figur haben: Es gestaltet sich sehr plastisch. Diese Lolita – die eigentlich eine Hexe ist – hat die Aufgabe einen unschuldigen Priester zu verführen, um zu weiteren 500 Jahren Leben zu gelangen. Der Film reiht sich in die Tradition von Edgar Wallace.

The European: Außer plastischen Frauenkörpern, wo liegt denn nun der Reiz für den Zuschauer?
Hage: In den letzten Jahren habe ich in Film wenig Neues entdeckt. Natürlich werden die Filme immer schneller geschnitten und die Effekte werden immer besser, aber die Geschichten wiederholen sich und werden lediglich in neues Gewand gehüllt. 3D kommt nun noch mal neu und liefert drei verschiedene Ebenen des Effekts: Es gibt das 3D außerhalb, das in den Zuschauerraum hineinragt und es gibt das 3D hinter der Leinwand und das 3D genau auf der Leinwand. Wenn eine Hand in Richtung Kamera greift, wirkt es, als würde die Hand in den Zuschauerraum hineingreifen.

Am Anfang des Bewegtbildes saßen die Leute im Kino und hatten bei sechs Bildern pro Sekunde Angst vor einem Zug. Jetzt sind wir im Hightech-Zeitalter und haben eine haben eine neue Sehgewohnheit, die wieder eine Art Jahrmarktcharakter hat. Ich gehe nicht ins Kino, weil mich der Film oder der Star interessiert, denn der Star ist eben im Moment 3D.

„Die Zuschauer sollen sich den Film nicht nur anschauen, sondern sich im Film umschauen“

The European: Wie wirkt sich das denn auf die Schauspieler aus, verlieren Sie an Bedeutung?
Hage: Wir wollen uns für unser Kammerspiel viel Zeit nehmen, das heißt es wird genau so auf die schauspielerische Leistung ankommen wie beim 2D-Film: Das heißt schlechter Schauspieler – schlechter Film. Gute Schauspieler -guter Film. Der Einsatz von 3D wird daran nichts ändern, denn wir wollen keinen effekthascherischen Film machen. Im Moment funktioniert die Auswertung noch in 2 und 3D. Wir drehen für beide Markte, das ist insofern wichtig, da es in Deutschland zum Beispiel noch nicht sehr viele 3D-Kinos gibt.

The European: Was war Ihre eigene Herausforderung, die des Produzenten?
Hage: Es war nicht leicht für diesen Film in Deutschland eine Finanzierung zu kriegen: Hierzulande kann man mit Hexe und Werwolf wenig anfangen. Als wir versucht haben Gelder dafür zu bekommen, sind wir auf viele Menschen gestoßen, denen unklar war, was ein stereoskopischer Film überhaupt ist. Nun ist es aber vollbracht: Wir haben in einer Bank einen starken Partner gefunden. Außerdem unterstützt uns das Medienboard Berlin Brandenburg, weil wir auch in Berlin drehen. Unsere nächste große Herausforderung wird der Workflow sein: Wir beackern nun Felder, die soeben erst von Pionieren beackert werden und befinden uns immer noch in der Zeit der Beta-Phase.

The European: Welche Zielgruppe haben Sie bei Ihrer Planung im Auge?
Hage: Dieser Film ist konzipiert für den Weltmarkt und wird mit internationalen Schauspielern auf Englisch gedreht. Der Start ist in Amerika und erst dann geht es nach Europa. Aktuell sind wir im Abschluss der Vertragsverhandlungen, nun beginnt die Preproduction, wir drehen im Frühjahr, der Release wird Ende 2010 sein.

The European: Glauben Sie, dass 3D bald eine feste Institution im Heimkino sein wird?
Hage: In Japan gibt es bereits einen 3D-Kanal, der allerdings nur ein bis drei Stunden täglich sendet, weil es noch an Inhalten fehlt. Das 3D für den Heimgebrauch wird über die Spielkonsolen der Computer ins Wohnzimmer einziehen. Im Moment sind alle noch sehr froh, wenn es erst einmal ein Kinophänomen bleibt. Schließlich hofft die Branche, dass diese neue Einzigartigkeit die Besucher in der Krise wieder ins Kino lockt. Es wird nicht länger dauern als ein bis zwei Jahre, bis der Zuschauer das auch zuhause haben kann. Preisgünstig wird es allerdings nicht.

The European: Glauben Sie, dass jeder Stoff 3D tauglich ist?
Hage: Bei einem Drama würden mich 3D-Bilder eher ablenken, für dieses Gattung sehe ich keinen Vorteil durch die Technik. Anders bei unserem Film: Wir ändern hier die Sehgewohnheit, deshalb erzählen wir unseren Film auch langsam, damit der Zuschauer ausreichend Zeit hat. Die Zuschauer sollen sich den Film nicht nur anschauen, sondern sie sollen sich im Film umschauen. Wenn ein Bild schön ist und der Zuschauer sieht die ganze Tiefe des Raumes und entdeckt hinten im Raum etwas, dann schaut er sich gerne um ohne die Schauspieler zu beachten.

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