Guttenbergs Rücktrittsentscheidung war überfällig. Für ihn und für das Land wäre es besser gewesen, wenn er sie schon eineinhalb Wochen früher getroffen hätte. Guttenberg hat fast zwei Wochen lang sein Plagiat erst geleugnet, dann beschönigt. Auch seine Rücktrittserklärung war eine Beschönigungserklärung. Sie hat Guttenbergs Politikverständnis demonstriert: „Zuvorderst sind immer die anderen schuld, auch daran, dass ich erst zwei Wochen nach der Aufdeckung des Plagiats die Möglichkeit zum Rücktritt hatte.“ Er hat die Soldaten instrumentalisiert – er hat sie gegen die Doktoren und Professoren in Stellung gebracht. Die Rücktrittserklärung war wenig Mea Culpa, aber viel Bayreuth, eine Neuinszenierung der Götterdämmerung.
Scheibchentaktik zieht nicht mehr
Das richtige Signal hat der Rücktritt trotzdem gesendet. Grundsätzlich ist die Entscheidung aus zwei Gründen folgerichtig: Guttenberg hat grobe Fehler begangen und ist in zweifelhafter Weise mit den Vorwürfen gegen ihn umgegangen. Der Plagiatsvorwurf war schwer und stichhaltig. Es war ein Vorwurf, dessen Berechtigung und dessen Richtigkeit man schwarz auf weiß nachlesen konnte. Die Reaktion des Ministers auf die berechtigten Vorwürfe hat den Rest besorgt. Nur in Scheibchentaktik hat Guttenberg Fehler zugegeben, immer beschönigend und leugnend bis zum Ende. Er hat eigene Fehler zu marginalisieren versucht und die öffentliche Diskussion beklagt – als ob diese Diskussion überhaupt ohne sein Zutun hätte laufen können.
Die öffentliche Meinung ist in den vergangenen Tagen gekippt. Das konnte man in Leserbriefen und E-Mails feststellen. Die öffentliche Zustimmung bröckelte und bröselte. Der Aufruhr und Aufstand der Wissenschaft war von einer derartigen Wucht und Empörung, dass davon nicht nur die Medien, die Kanzlerin, die CDU/CSU und der Verteidigungsminister, sondern offensichtlich auch die breite Bevölkerung beeindruckt war.
Mit Guttenberg sind auch diejenigen diskreditiert worden, die Politik vor allem als Show, als die Inszenierung von Bildern – und weniger als inhaltlich fundierte Debatte – begreifen. In Guttenberg hat sich die Idee der Bilderbuch- und Hochglanz-Politik konzentriert wie in keinem zweiten deutschen Politiker. Doch: Wer sich in Gefahr begibt, kommt drin um. Wenn der medial inszenierte Glanz Flecken kriegt, ist die Aufmerksamkeit für die Flecken umso größer. Das symbiotische Verhältnis zur boulevardisierten Öffentlichkeit war für Guttenberg Glück und Verderbnis zugleich. Es hat ihn groß und wieder klein gemacht.
Glamour und Politik passen nicht immer zusammen
Hoffnungen sind enttäuscht worden. Hoffnungen darauf, dass Politik auf eine ganz andere Art und Weise gemacht werden könnte. Doch demokratische Politik ist nicht nur das Buffet mit Lachs und Kaviar, sondern oftmals trocken Brot. Sie hat nicht jeden Tag Glamour. Die Entidealisierung Guttenbergs kann dazu führen, dass die Einsicht darin wächst, dass Politik sich nicht zwangsläufig für die Schlagzeilenfabriken der Klatschpresse eignet. Wenn diese Erkenntnis zunimmt, dann hat Guttenberg am Ende doch einen positiven Beitrag zur politischen Kultur geleistet.
Seine Karriere ist nicht zwangsläufig zu Ende. Ein Rückzug aus der Öffentlichkeit könnte in ein paar Jahren durchaus die Basis für ein Comeback bilden. Wenn Guttenberg sich aber gar nicht richtig zurückzieht, wenn er sich weiterhin auf der Berliner Bühne tummelt, gibt es auch kein Comeback: wer dableibt, kann nicht zurückkommen. In Guttenbergs ganzem politischen Habitus lag etwas sehr Gefallsüchtiges. Diese Sucht trägt einen schnell nach oben, sie wirft einen aber auch schnell wieder nach unten. Das gehört zu den Lehren, die es jetzt zu ziehen gilt.
Guttenbergs Rücktrittserklärung war ein Statement, das an der eigenen Legende gestrickt hat. Guttenberg wird versuchen, diese Legende als einen roten Teppich zu benutzen, auf dem der Karriereweg weitergeht.























Es gibt kaum noch etwas anzufügen, außer . . .,
dass die Möglichkeit einer Rückkehr KT’s ins politische Geschehen u.a. auch davon abhängt, ob und wie die von ihm vorgelegte und mit heißer Nadel gestrickte, aber noch nicht umgesetzte Bundeswehrreform tatsächlich umnsetzbar sein wird.
Thomas de Maiziere als nachfolgender Bundesverteidigungsminister ist nicht zu beneiden und sollte sich genug Zeit und vor Allem weniger Öffentlichkeit dafür nehmen.
Wenn das nicht, oder wie zu erwarten, nur zu einem geringeren Teil umsetzbar sein wird, dann wird diese Fehlplanung den schon vorher von KT gemachten zahlreichen Pannen und Fehlern zu addiert und ihm wohl kaum mehr eine Chance lassen, zurück ins politische Geschäft zu finden (was er ja angeblich auch gar nicht nötig hat).
Wir werden sehen .. .
In der Hoffnung das Herr Karl Theodor zu Guttrnberg wieder den weg zurückfindet in die deutsche Politik, auch wenn diese nicht gerade das vertritt was ein normaler Mensch mit dem Wort Demokratie verbindet, wären sicherlich nicht nur ich sondern sicherlich ein mehr als Großteils Deutschland`s mehr als glücklich.
Dieser Mann hat mehr als einmal gezeigt das er nicht nur für unsere tollen Lady`s und Gent`s der Bundeswehr einnsteht. Moralische Unterstützung und aucxh persönliche Unterstützung vor Ort (Afghanistan) gezeigt.
Hätten wir eine Wunschregierung
müßten sich Herr Sarrazin, Herr von zu Guttenberg und Herr Gregor Gysi diese wohl teilen.
Wäre jedenfalls endlich mal mehr als lustig und amüsant. Ansonsten sage ich nur Charlie Sheen muß Bundeskanzler werden.
Lg Marc
Ich vermisse in der ganzen Debatte den wichtigen Aspekt, dass man diesmal Guttenberg nur deshalb drangekriegt hat, weil’s für Jedermann offen einsehbar war, dass er ein Betrüger ist.
Wären die Kundus-Akten auch auf dem Silberteller serviert worden, wären uns allen diese widerwärtigen Gel-Fotos erspart geblieben.
Erstmals wurde die Öffentlichkeit zum Untersuchungsausschuss. So ist auch Guttenbergs Reaktion verständlich, der dieses Faktum anfangs nicht begreifen wollte und wochenlang auf die Rettungsfallschirme der Politikerkaste setzte.
Man fragt sich, wen Herr z. Guttenberg eigentlich betrogen hat?! Mich nicht, Sie, Herr Prantl, auch nicht.In erster Linie wohl sich selbst. Seine Fakultät? Nein; sein offenbar inkompetenter Doktorvater hatte die Pflicht, seine Arbeit zu begleiten und zu betreuen. Hat er offenbar nicht getan, im Gegenteil: “Summa cum laude” druntergeschrieben. Wenn jetzt einige Schlauberger meinen, es seien Spenden gelaufen, wird’s noch schlimmer; dann ist diese Fakultät bestechlich und korrupt.