Statt der Kohle sollten wir Kinder fördern. Guido Westerwelle

Die grüne Glyphosat-Lüge

Das Pestizid Glyphosat steht unter Krebsverdacht. Die Grüne Glyphosat Kampagne ist nicht zuletzt wegen der “Bier-Studie” im medialen Interesse. Schon 2015 verfasste Hasso Mansfeld diesen Artikel, denn es gibt keine Glyphosat-Katastrophe, sondern eine Glyphosat-Lüge!

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Man stelle sich einmal das folgende Szenario vor: Das Biotechnologie-Unternehmen Monsanto tritt unter seinen Mitarbeiterinnen an 16 Mütter heran, die gerade stillen. Es überzeugt diese, an einer kleinen Studie teilzunehmen, und testet die Muttermilch auf „Umweltgifte“. Es ließen sich, teilt Monsanto dann mit, Glyphosat-Rückstände in der Höhe von durchschnittlich etwa 0,300 Nanogramm pro Milliliter nachweisen. Unter Verweis auf den amerikanischen Grenzwerte von 700 ng/ml für Glyphosat in Trinkwasser folgt eine jubilierende Pressemeldung, Tenor: „Freuet euch, Menschen dieser Erde, Muttermilch so gesund wie nie“. Natürlich reproduzieren die wichtigen Presseagenturen die Meldung ungeprüft, zahlreiche Zeitungen schreiben sie ohne noch einmal nachzuhaken eins zu eins ab. Undenkbar? Aber natürlich – Monsanto steht ja auf der dunklen Seite der Macht.

Die helle Seite, das haben Kinogänger verinnerlicht, erkennt man an den grün leuchtenden Lichtschwertern. Zur Glaubwürdigkeit der extrem effektiven Anti-Glyphosat-Kampagne der Grünen hat Thilo Spahl hier im European eigentlich schon alles Notwendige gesagt:
„Bei den deutschen Müttern wurden nun im Auftrag der Grünen verschwindend geringe Glyphosat-Mengen zwischen 0,210 und 0,432 ng/ml gemessen. In Deutschland gilt für die Aufnahme von Glyphosat durch die Nahrung ein im internationalen Vergleich niedriger Grenzwert (ADI-Wert) von 0,3 mg/kg Körpergewicht … Ein vier Kilogramm schwerer Säugling der am stärksten belasteten deutschen Mutter müsste demnach 2.778 Liter Muttermilch pro Tag trinken, um den Grenzwert zu überschreiten.“

Heuchlerische Propaganda

Einige Antworten auf Spahls abschließende Frage „Wie schafft es so eine Meldung in alle Medien von „FAZ“ über „Welt“ und „Focus“ bis Deutschlandradio und ntv?“ stehen allerdings noch aus.
„Schokolade macht Schlank“ – vor wenigen Wochen erst machte die Enthüllung eines Ernährungs-Hoax die Runde, aus der diverse Presse- und Agenturvertreter hätten lernen können, wie man eine gute von einer schlechten wissenschaftlichen Studie unterscheidet und wie man mit schlechten nicht umgeht: „Hier ist ein kleines schmutziges wissenschaftliches Geheimnis: Wenn Sie eine ausreichende Anzahl von Parametern an einer kleinen Gruppe Menschen testen, bekommen sie mit Sicherheit irgendein statistisch signifikantes Ergebnis“, erklärten die Verfasser, die lustigerweise anfänglich ebenfalls genau 16 Probanden untersuchten (einer sprang später ab).

Die Studie der Grünen nun erfüllt alle Kriterien einer unterirdisch schlechten wissenschaftlichen Arbeit. Eine viel zu geringe Anzahl von Probanden, keine Kontrollgruppe, keine klare Definition für schädliche Grenzwerte, ein dem Wunsch nach schon vorher feststehendes Ergebnis (zwar testete man nur eine Variable, dafür ist dann eben auch das Ergebnis bei näherem Hinschauen kaum bemerkenswert). Doch wieder springen Medien auf die halbgaren Verlautbarungen an, die in ihrer Sorge um die Gefahr, stillende Mütter zu verunsichern, heuchlerischer nicht sein könnten und gleichzeitig die propagandistische Stoßrichtung der eigenen Arbeit sogar noch relativ unverstellt ausplaudern. Einer der Hauptgründe dafür ist, dass Journalisten, ebenso wie wir alle, dazu neigen, dem Glauben zu schenken, was wir sowieso hören wollen. „Schokolade macht schlank“, das ist eine gute Nachricht für eine zum Übergewicht tendierende Bevölkerung. „Krebserregendes Glyphosat in Muttermilch“, das fällt in tendenziell grün dominierten Redaktionsstuben auf fruchtbaren Boden. Was mit dem Siegel der Ökologie daherkommt, glauben wir gern, Skandale lassen sich sowieso gut verkaufen und mit Monsanto geht es zudem gegen einen Konzernriesen, der in umweltbewegten Kreisen längst als Chiffre für das absolute Böse steht.

Wie konnte das passieren?

Die Medienmaschinerie der Guten, der Grünen und zahlreicher sympathisierender NGOs, ist gut eingespielt und geschickt darin, die eklatanten Schwächen der eigenen Argumentation zu verdecken. Dass etwa die 16 getesteten Mütter aus dem direkten Umfeld der Partei stammen, also keineswegs randomisiert ausgewählt wurden, wird in der offiziellen Mitteilung nicht erwähnt. Ein Mitarbeiter von Grünen-MdB Bärbel Höhn gibt auf Anfrage zu, man habe „mal die eigenen Adressbücher durchforstet und nach Schwangeren gesucht“ – keinesfalls korrektes wissenschaftliches Vorgehen. Doch die unabhängige Presse hilft, eigenen Vorurteilen folgend, nach Kräften mit. So machte etwa die DPA in ihrer ersten Meldung die zum Thema befragte Oldenburger Forscherin Prof. Irene Witte zur Mitarbeiterin des „toxikologischen Institutes in Oldenburg“, das seit Jahren nicht mehr existiert. In der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ wurde diese Expertin dann gar noch zur Studienleiterin befördert, wo sie doch mit dem Ablauf der Untersuchungen überhaupt nichts zu tun hatte. So gibt die Presse nicht nur ungeprüft unseriöse wissenschaftliche Arbeit wieder, sondern verleiht dieser auch noch ex post das Siegel professoraler Autorität.

Eine auf unglaublich schwachen Füßen stehende Studie also, Fehler in der Aufbereitung und Kommunikation der Ergebnisse, und dennoch ein medialer Aufschrei, der durch ganz Deutschland geht. Ja. Wie konnte das passieren? Es ist eine Mischung aus geschicktem Lobbyismus, grünem Zeitgeist, mangelndem Verständnis von wissenschaftlicher Methodik, und der menschlich-allzumenschlichen Tatsache, dass wir Botschaften, die unsere Weltsicht bestätigen, auch ungeprüft gern glauben schenken.
Es war nicht der erste einer langen Reihe von aufgebauschten Skandalen um dubiose Studien und spektakuläre Giftstoffnachweise, die weit unter den tatsächlich schädlichen Werten liegen. Und wenn im Wissenschaftsjournalismus dahingehend kein Umdenken einsetzt, war es lange nicht der letzte.

Lesen Sie auch die letzte Kolumne von Hasso Mansfeld: „Die Partei, die Partei, die Partei“

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