Natürlich muss die Gesellschaft beim Thema Zuwanderung auch einen gesunden Egoismus an den Tag legen. Götz Widmann

Sein Erbe, sein Auftrag

Konrad Adenauer war von 1949 bis 1963 der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland und von 1951 bis 1955 zugleich erster Bundesaußenminister. Vor 50 Jahren, am 19. April 1967, ist der Kanzler am Rhein gestorben. Legendär blieb sein Satz: „Die SPD ist der Untergang Deutschlands.“ Wir erinnern an den großen Deutschen mit einem Video und einem Text von Hans-Gert Pöttering.

73 Jahre alt war Konrad Adenauer, als er 1949 mit einer Stimme Mehrheit im ersten Deutschen Bundestag zum Kanzler gewählt wurde. 14 Jahre lang stand er an der Spitze der Republik, sein autokratischer Regierungsstil prägte den Begriff “Kanzlerdemokratie”.

Quelle: You Tube

Sein Erbe, sein Auftrag – 50. Todestag Konrad Adenauers

Adenauers Erbe besteht aus vier Dingen, die er maßgeblich geprägt hat und die bis heute unser Leben bestimmen:

Erstens: die repräsentative, parlamentarische Demokratie. Adenauer ist es zum einen gelungen, den Deutschen zu beweisen, dass Demokratie und wirtschaftlicher Erfolg durchaus zusammengehen. Sind die Deutschen zu Beginn seiner Kanzlerschaft noch skeptisch gegenüber der Demokratie eingestellt, befürworten sie gegen Ende seiner Amtszeit die Demokratie. Zum anderen war Adenauer als führungsstarke Persönlichkeit stilbildend für das Amt des Bundeskanzlers. Sein Charisma bestand darin, seine politischen Überzeugungen in einfachen und verständlichen Sätzen zu formulieren. Auf diese Weise hat Adenauer viele wichtige innen- und außenpolitische Grundentscheidungen durchgesetzt, nicht zuletzt die soziale Marktwirtschaft, auf der Deutschlands wirtschaftlicher Wiederaufstieg beruhte und bis heute beruht.

Zweitens: Deutschlands feste Zugehörigkeit zum westlichen Bündnis. Adenauer hat sich festgelegt und die Westbindung gegen alle Widerstände durchgesetzt. Er war der Überzeugung, dass Deutschland nur dann eine Chance auf eine Zukunft in Frieden und Freiheit hat, wenn es die westlichen Werte teilt. Das ist bis heute breiter politischer Konsens.

Drittens: die Europäische Gemeinschaft. Mit der Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl 1952 sowie der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und der Europäischen Atomgemeinschaft 1957 hat Adenauer den Grundstein für die heutige Europäische Union gelegt. Seine Handschrift ist außerdem darin erkennbar, dass wir uns beständig um ein enges Vertrauensverhältnis zu unseren europäischen Partnern bemühen müssen. Sie dürfen unser politisches und wirtschaftliches Gewicht nicht als Bedrohung empfinden.

Viertens: die deutsch-israelischen Beziehungen. Es war Adenauer ein persönliches Anliegen, nach dem Holocaust Kontakte zum Staat Israel zu knüpfen und Wiedergutmachung zu leisten. Über die Jahrzehnte ist das Vertrauen gewachsen und das Existenzrecht Israels Teil deutscher Staatsräson (so hat es Angela Merkel gesagt).

Freilich hat sich dieses Erbe seit Adenauers Tod vor 50 Jahren stark verändert. Über manches ist die Zeit hinweggegangen. Was den Wandel jedoch überdauert, sind Adenauers Politikverständnis, seine Grundüberzeugungen und Werte. Sie sind zeitlos und überraschend aktuell, wenn man sie zu den Problemen der Gegenwart ins Verhältnis setzt. Hier sehe ich folgende Punkte, in denen uns Adenauer in der Zukunft Vorbild sein kann:

Auf die politische Kultur in Deutschland und Europa bezogen sollten wir politischem Streit nicht ausweichen, sondern ihn aktiv führen. Vor allem, wenn es um Grundsatzentscheidungen geht, von denen alle betroffen sind. Weitere Aspekte sind die Soziale Marktwirtschaft und der gesellschaftliche Zusammenhalt: Vom wirtschaftlichen Aufschwung müssen alle profitieren, Lasten sind fair zu verteilen.

Hinsichtlich der Zukunft des westlichen Bündnisses steht Adenauer dafür, dass die westlichen Demokratien erst recht auf ihren Werten beharren sollten, wenn sie infrage gestellt werden. Freiheit, Demokratie, Rechtsstaat und Menschenrechte sind nicht verhandelbar.

Was Europa seit Konrad Adenauer im Kern bestimmt und auch künftig ausmachen muss, hat der Franzose Jacques Delors, der frühere Präsident der Europäischen Kommission und mit Helmut Kohl Ehrenbürger Europas, einmal so ausgedrückt: “Das Verzeihen und das Versprechen. Das Verzeihen, das nicht gleichbedeutend mit Vergessen ist, und das Versprechen, dass wir alle zusammenleben werden.” Das mag rührselig klingen, aber genau darum geht es beim Umgang zwischen uns Europäern.

Schließlich gilt mit Blick auf die deutsch-israelischen Beziehungen, dass sie für uns immer von besonderer Natur bleiben werden. Die heutigen und nachfolgenden Generationen haben keine Mitschuld am Holocaust. Wir tragen aber eine historische Verantwortung. Das gilt übrigens in gleicher Weise für die Menschen, die zu uns nach Deutschland kommen und dauerhaft hier leben wollen. Sie sind Teil der deutschen Verantwortungsgemeinschaft.

Quelle: Konrad-Adenauer-Stiftung

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Roman Herzog, Dustin Dehez, Wilfried von Bredow.

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