Die Bundestagskommission für den Einsatz neuer Informations- und Kommunikationstechniken und -medien hat mit den Stimmen von FDP und CDU/CSU die Nutzung der Liquid-Democracy-Lösung Adhocracy die Arbeit in der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft abgelehnt. "Die Enquete-Kommission hatte bereits einstimmig für die Einführung von Adhocracy gestimmt. Voraus ging eine längere Evaluation der infrage kommenden Softwareplattformen und eine längere Diskussion über Sinn und Zweck. Damit wird deutlich, was sich die Regierungskoalition unter dem viel beschworenen 18. Sachverständigten vorstellt: Dieser darf im Forum der Enquete-Kommission mit sich selbst diskutieren und im Livestream die wenigen offenen Sitzungen der Enquete anschauen – mehr Beteiligung ist dann doch nicht erwünscht“, schreibt Netzpolitik-Blogger Markus Beckedahl.
Schwarz-gelbe Dagegenhaltung
Der Beschluss bedeutet, dass nicht nur der für Ostern vorgesehene Zwischenbericht voraussichtlich nicht mit der angestrebten Beteiligung der Öffentlichkeit erstellt werden kann. Vermutlich wird eine Beteiligungsplattform für die gesamte Laufzeit der Enquete-Kommission nicht zur Verfügung stehen. "Damit verfehlt sie die fraktionsübergreifend selbst gesetzten Ziele. Dies wirft ein schlechtes Licht auf die Arbeit des Parlaments und gefährdet die Arbeit der Enquete-Kommission, weil sie ihrem eigenen Anspruch durch die schwarz-gelbe ’Dagegenhaltung‘ nicht gerecht werden kann“, moniert die Opposition.
Zeitgleich mit dem Ausstieg wurde im Bundesinnenministerium (BMI) in einem 30 Seiten starken Papier die Bürgerbeteiligung im Web bejubelt und alle Abteilungen wurden aufgefordert, aktiv mitzuarbeiten. Vernetzung hieß das Zauberwort, das mit dem Projekt Open Government die Regierung näher an den Bürger rücken lassen sollte. Am gleichen Tag, als das BMI alle Ideen der kreativen Beamten für das Durchstarten des Bürgerdialogs mit großem Aufwand eingesammelt hatte, erklärte der Ältestenrat die Bürgerbeteiligung im Web für hinfällig. Das ist wahrscheinlich auch gut so, denn schließlich schafft es die Regierung noch nicht einmal, sich untereinander zu vernetzen. So werden am laufenden Band Projektgruppen gegründet eine Menge Geld in erste Online-Auftritte investiert, die dann doch eher ein kümmerliches Dasein im Netz fristen. Man treibt Regierungsprogramme voran, die im nächsten Atemzug wieder gekippt werden.
Wer macht mit?
E-Government braucht in erster Linie anwenderfreundliche Internetangebote für den Bürger. Nicht selten sind die Nutzer mit einem Absurdum konfrontiert: Die aufwendigen und verworrenen Verfahren werden nun auch elektronisch abgebildet, das war es dann auch schon. Um E-Government wirklich sinnvoll in den Dienst der Menschen zu stellen, müssten erst einmal die Verfahren, die den Bürger allzu oft überfordern, abgespeckt werden. Dass etwa ein unsinniges Formular nun auch online ausgefüllt und elektronisch übermittelt werden kann, ist eben nur die halbe Miete.
Kaum ein Online-Projekt des Bundes hat bislang die erhoffte Nutzerfrequenz erreicht. Bundeskanzlerin Angela Merkel sollte beim nächsten IT-Gipfel keine neuen Projekte in die Welt posaunen, sondern einen Rechenschaftsbericht ablegen über den Status quo der Online-Initiativen der vergangenen Jahre. Merkel und das BMI müssten dazu Stellung beziehen, wer die Internetdienstleistungen überhaupt in Anspruch genommen hat und was getan werden muss, damit sich der Nutzungsgrad verbessert. Ein Blick in die Berichte des Bundesrechnungshofs könnte dabei helfen.
Anscheinend saßen richtig kluge Analysten an dem Strategiepapier des BMI: Dort heißt es "Web 2.0 verändert unser Leben“ und einige Seiten später "Wer macht mit?“. Eure Bürger sind schon lange im Web 2.0 angekommen. Liebwerteste Gichtlinge in der Regierungskoalition, ihr seid dazu nicht in der Lage.

















@Gunnar,
es gibt ein gegen-Dagegen-Modell.
Thomas Pfeiffer: Beteiligung ist kostenlos – und nicht umsont! #eidg
Stellen wir uns mal vor, wir hätten diese Plattform, und die Politik nimmt sie ernst. Es hätte keine Bankenrettung gegeben, unsere Spekulanten müssten Heute von Hart4 leben. Unsere 4 Energieriesen müssten mehr in erneuerbare Energien investieren ohne täglich Millionen zu verdienen. Wir hätten einen Mindestlohn von Westerwelle beführwortet. Aigner hätte das Bundesumweltamt nicht entmündigen können um Bayer und BASF zu ermöglichen verbotene Pestizide einzusetzen usw usw.Zu schön um wahr zu sein.