Wirkliche Demokratie gibt es im Kapitalismus ebenso wenig wie in der DDR. Sahra Wagenknecht

Schöne neue Freunde

Das Zeitalter der Roboter hat gerade erst begonnen. Sie werden unser Essen kochen, unsere Kinder hüten und unsere Gedanken lesen. Mensch und Maschine werden sich arrangieren müssen – sonst droht Rebellion.

Roboter sind gekommen, um zu bleiben. Sie werden schlauer, vielseitiger, autonomer und in vielerlei Hinsicht uns ähnlicher sein. Nicht die Roboter, wir Menschen müssen uns dieser kommenden Welt anpassen.

Neue Gesetze für Roboter

Roboter werden immer intelligenter. Intelligenz bezieht sich hier auf die Fähigkeit eines Roboters, Probleme zu lösen, zu lernen und mit Menschen und anderen Robotern zu interagieren. Arbeitsspeicher werden schneller, Festplatten größer und die Prozessoren besser. Der Futurist Ray Kurzweil hat vorhergesagt, dass die Kapazität von Roboter-Gehirnen die ihrer menschlichen Vorbilder innerhalb der nächsten 20 Jahre übertreffen wird. Außerdem verstehen Neurowissenschaftler immer besser, wie Informationen im menschlichen Gehirn verarbeitet werden. Diese Prozesse werden bald von einer Software im Roboter nachgeahmt werden können. Am Ende werden die Maschinen Menschen nicht nur imitieren, sondern sogar aus ihren eigenen Erfolgen und Fehlern lernen.

Roboter werden mit Menschen interagieren. In den kommenden Jahrzehnten werden die Maschinen fähig sein, mit Menschen zu kommunizieren – auf zunehmend menschliche Weise. Roboter werden die Semantik genauso erfassen können wie die emotionalen Aspekte von Sprache, etwa ansteigende Lautstärke, Irritation, Zuneigung und andere emotionale Gesichtspunkte in gesprochenen Äußerungen. Nicht nur das: Roboter werden diese Aspekte auch in ihre eigene Sprache aufnehmen. Sie werden nonverbale Kommunikation – Gesten und Körpersprache – verstehen und dementsprechend reagieren.

Technischer Fortschritt wird es sogar möglich machen, mit Robotern per Gedankenübertragung zu kommunizieren – ganz ohne Sprache oder Gesten. Sie werden in den Häusern der Menschen wohnen und dort als Dienstmädchen, Koch, Butler, Lehrer, Babysitter, Senioren-Betreuer, Chauffeur und Leibwächter arbeiten. Roboter und Menschen werden zusammenarbeiten und sich dabei bestmöglich ergänzen.

Roboter werden gesellschaftliche Aufgaben übernehmen. Sie werden etwa als Hausmeister, Polizist, Pförtner, Verkehrskontrolleur, Straßenkehrer oder als autonomes Roboter-Fahrzeug eingesetzt. Roboter werden zunehmend eine Rolle im Gesundheitssystem spielen, als Krankenschwester, Pfleger und sogar als Arzt oder Chirurg.

Roboter werden mit anderen Robotern interagieren. Wenn nötig können sie Teams bilden – zum Beispiel im Kampf gegen Waldbrände oder bei Militäreinsätzen. In einer solchen Armee werden menschenähnliche Roboter ebenso eingesetzt wie Roboter-Fahrzeuge an Land, unter Wasser oder in der Luft.

All diese Entwicklungen werden zu juristischen und gesellschaftlichen Problemen führen. Momentan gibt es keinen rechtlichen Rahmen, um die Mensch-Roboter-Beziehung zu regulieren. Unser Rechtssystem setzt größtenteils auf Belohnung und Bestrafung zur Regulierung menschlichen Verhaltens. Strafe aber schreckt Roboter nicht ab. Deshalb werden innerhalb der nächsten 25 bis 50 Jahre zahlreiche Länder neue Gesetze und Techniken entwickeln, um Verantwortung zu definieren und das Verhalten von Robotern ebenso zu regeln wie Interaktionen zwischen Robotern und Menschen. Das Hauptproblem wird die Frage der Verantwortung sein, wenn Roboter gegen Sitten oder Gesetze verstoßen. Liegt die Verantwortung für das Verhalten bei der Maschine, dem Konstrukteur, dem Erbauer oder dem Verkäufer des Roboters?

Roboter werden Verhaltensmaßstäbe brauchen. Die sogenannten „Asimov’schen Gesetze“ sind schon heute nicht mehr gültig. Diese „Gesetze“ besagen, dass Roboter Menschen stets zu gehorchen haben, diese nicht verletzen dürfen und sich selbst schützen müssen. In der Zukunft werden diese Regeln drastisch eingeschränkt und überarbeitet werden. Roboter werden nicht jedem Menschen gehorchen, sondern nur denen, auf die sie programmiert wurden. Roboter werden auf Menschen nicht mit Gewalt reagieren, selbst im Falle eines Angriffs oder einer Beleidigung. Die große Ausnahme von dieser Regel sind Polizei- und Militärroboter.

Roboter machen Menschen arbeitslos

Vielen Fragen zur Roboternutzung in Gesellschaften liegen ethische und moralische Probleme zugrunde. Bereits heute gibt es Dissens um den Einsatz tödlicher Drohnen. Je komplexer, intelligenter und vielseitiger Roboter werden, desto komplizierter werden auch diese Fragen. Jenseits rein juristischer Fragen werden wir uns überlegen müssen, wie wir mit den Robotern umgehen wollen. Religiöse und weltliche Organisationen werden versuchen, den Umgang des Menschen mit humanoiden Robotern zu regulieren. Denn diese Geräte werden als quasi-menschliche, fühlende Wesen gelten, die man mit Respekt behandeln muss und nicht missbrauchen darf. Neue Asimov’sche Gesetze werden entstehen.

Die rasch steigende Anzahl autonomer Systeme – auch humanoider Roboter – und deren Komplexität werden zu dramatischen gesellschaftlichen Änderungen führen. Denn Roboter werden Arbeit übernehmen, die zuvor von Menschen erledigt worden ist, und Verantwortung übernehmen, die zuvor Menschen getragen haben. Es entstehen Arbeitslosigkeit und soziale Spannungen im Verhältnis von Mensch und Maschine.

Innerhalb der nächsten 25 bis 50 Jahre werden sich neue Rahmenbedingungen für diese Beziehung herausbilden. Falls nicht, droht eine Rebellion, in der Menschen versuchen, Roboter zu zerstören. Diejenigen unter uns, die Roboter erdenken, programmieren und einsetzen, haben deshalb eine große Verantwortung. Sie müssen dabei helfen, eine juristische und soziale Basis für die gemeinsame Koexistenz von Menschen und Maschinen zu schaffen – und das zum Wohle der Gesellschaft.

Übersetzung aus dem Englischen

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Jakob von Uexküll, Ben Scott, George Friedman.

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