Die Demokratie ist keine Frage der Zweckmäßigkeit, sondern der Sittlichkeit. Willy Brandt

„Russen schenken Frauen beim dritten Kind einen Minivan“

Ex-Tagesschausprecherin und Buchautorin Eva Herman warb für eine neue Weiblichkeit und wurde dafür als Ewiggestrige abgewatscht. Trotzdem bleibt sie bei ihrer Meinung: Frauen gehören nach Hause zu ihren Kindern. Seit kurzem liest die geschasste Moderatorin auch wieder Nachrichten – für den auf Verschwörungstheorien spezialisierten Kopp Verlag. Das Interview führte Nina Anika Klotz.

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The European: Frau Herman, Sie haben einmal geschrieben und oft sinngemäß gesagt, Sie seien gegen den “Anspruch an die Frau, es gefälligst den Männern gleichzutun”. Das heißt: Mann bleibt Mann und Frau bleibt Frau – und das ist gut so?
Herman: Es ist absurd, dass man nach Jahrtausenden der Menschheitsgeschichte nun plötzlich die Geschlechter angleichen, neutralisieren und abschaffen will. Die Frau soll tun, was der Mann tut, und der Mann soll den Haushalt führen und die Kinder erziehen. Dabei unterliegen die Geschlechter einer natürlichen Ordnung, wie es z. B. bei den Tieren auch der Fall ist. Irgendwann fängt man noch an, Programme zu entwickeln, mit denen die Männer Kinder gebären und die Frauen den Samen haben? Völlig widersinnig. Da fasst man sich nur noch an den Kopf.

The European: Spielt Ihr christlicher Glaube in der Begründung dieser Haltung eine Rolle?
Herman: Ich bin in keiner Kirche. Aber ich bin ein Mensch, der sich in seiner Verantwortung vor den lieben Gott stellt und sagt: “Ich versuche, zu verstehen, was du uns als Gesetze gegeben hast. Ich versuche, sie einzuhalten und die Zusammenhänge zu erkennen.” Wenn man sich die Schöpfung anschaut, wenn man sich die Arten ansieht und wenn man die Geschlechter betrachtet, dann ist es nicht schwer, zu erkennen, dass es einen ganz klaren Plan gibt. Den versuche ich umzusetzen, weil er mir sehr einleuchtet. Wir haben Hunde, ich bin mit Tieren groß geworden. Deren Verhalten alleine zeigt uns doch schon ganz klar, wie die Schöpfung die Geschlechter gemeint hat. Aber weil der Mensch der Bildung verfallen ist, verklingt seine innere Stimme, die viel mehr weiß, zunehmend ungehört.

The European: Das heißt, die in der Schöpfungsgeschichte vorgegebenen Rollen von Mann und Frau möchten Sie leben.
Herman: Nein, “Rolle” ist der falsche Begriff. Eine Rolle ist etwas, in das man hineinschlüpft. Ich spreche von Aufgaben. Ich denke, dass wir ganz klare Zuweisungen haben, allein schon, weil die Männer nicht die Kinder kriegen, nicht stillen können und gewisse Empfindungsanlagen in ihrem Gehirn, die wichtig sind für die Erziehung der Kinder, nachweislich nicht so ausgebildet sind wie bei Frauen.

“Die Gesellschaft in Europa wird aussterben”

The European: Doch auch wenn Mann und Frau unterschiedlich geschaffen sind, können sie doch heute die gleichen Rechte und Pflichten wahrnehmen.
Herman: Seit den 70er-Jahren gibt es Bestrebungen, nach denen Frauen mehr Rechte, die gleichen Rechte bekommen sollen, was ihre berufliche Entwicklung angeht. Schön und gut. Vieles davon ist in Ordnung und hat Ihnen und mir geholfen, dass wir heute Dinge tun können, die uns Spaß machen und die uns beruflich weiterbringen. Aber sind wir nicht längst über das Ziel hinausgeschossen? 1968 lag die Geburtenrate in Deutschland noch bei über 2,2 Kindern pro Paar. Diese Anzahl ist nötig, damit eine Gesellschaft überlebt. 1972 ist sie auf etwas über 1,3 gefallen und blieb dort bis heute. Die gesamte Gesellschaft, nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa, wird aussterben. Aussterben! Da lachen jetzt viele und sagen: “Ist doch egal, in China gibt es auch noch genügend Leute!” Aber eine Gesellschaft, die stirbt, so wie unsere, wird zu einer Gesellschaft der Besitzstandswahrung und nicht der Investition und der Innovation. Sie stirbt.

The European: Was ist Ihr Gegenmodell?
Herman: Wir müssen über die Aufgabe der Frau völlig neu diskutieren. Und zwar in Anbetracht ihrer natürlichen Ordnung. Das Bild der modernen Frau muss das Kinderkriegen mit einschließen. Solange wir jungen Frauen heute klarmachen, dass Kinderkriegen altmodisch, verstaubt und überflüssig ist, wird diese Gesellschaft aussterben. Frauen, die Kinder kriegen und erwerbstätig sein wollen, müssen wir fördern. Wir müssen dabei aber auch klarmachen, dass es für diese Gesellschaft, die gelungene Entwicklung der Kinder und übrigens auch für das Glücksgefühl der Frauen wichtig ist, dass sie zumindest in den ersten drei prägenden Jahren ohne wirtschaftlichen Druck zu Hause sein können. Das heißt: Wir müssen das Kinderkriegen einschließen, statt es auszuschließen. Wir schließen es aber in dem Moment aus, in dem wir sagen: Die Kinder können schon im ersten Jahr fremd betreut und in die Krippe gegeben werden. Da frage ich mich: Wofür brauchen wir dann überhaupt Kinder?

The European: Moment, bitte. Mir ist nicht klar, warum das Angebot, mein Kind vielleicht schon ab dem dritten Monat in eine Krippe geben zu können, mir die Lust aufs Kinderkriegen verdirbt. Im Gegenteil, macht denn ein solches Angebot nicht gerade Mut, Kinder zu bekommen, weil es Frauen die Sicherheit gibt, schnell in ihren Beruf zurückkehren zu können, wenn sie das möchten?
Herman: Sie übersehen, dass dabei die Liebe zwischen Mutter und Kind unterdrückt, blockiert und vielleicht sogar zerstört wird. In all der Zeit, in der die Mutter nicht bei ihrem Kind ist, fehlt ihm die Anbindung für eine lebenslange Beziehung. All die Probleme, die wir heute mit unseren Jugendlichen haben – Komasaufen, Gewalt, Desinteresse, Bildungsunfreundlichkeit –, sind unmittelbare Folgen ihrer Bindungsunfähigkeit.

Die Kinder entgleiten uns. Des Weiteren müssen Sie sich die Zahlen einfach einmal anschauen: Da wo das Krippenangebot hoch ist, ist die Geburtenrate am niedrigsten. Zum Beispiel in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und in sämtlichen Großstädten. In Hamburg leben in nur 18 Prozent der Haushalte Kinder. In München sind es 15 Prozent. Dort hingegen, wo das Krippenangebot gering ist, wie in den ländlichen Regionen Bayerns und Baden-Württembergs, ist die Geburtenrate entschieden höher. Das zeigt einfach: Da wo Frauen gelassen sein können und wissen, ich kann zu Hause bei meinem Kind sein, da kommt Freude über das Kind und vielleicht auch das Verlangen nach einem zweiten auf. Weil diese Frauen das Glück erleben, bei der Entwicklung ihres Kindes dabei sein zu können. Weil sie andere Wertmaßstäbe haben, welche den Urwerten der Liebe nahekommen.

The European: Wenn aber eine Frau drei Jahre lang nicht erwerbstätig ist, überträgt sie ihrem Mann als Alleinverdiener eine sehr große Verantwortung. Es gibt heute junge Männer, die sagen: Wir möchten diese Verantwortung nicht. Wir möchten nicht nur für unsere Familie das Geld ranschaffen, wir möchten etwas haben vom Leben, von unseren Kindern. Ist das nicht irgendwie gerechtfertigt?
Herman: Seit jeher haben Männer die Familien ernährt. Es fällt ihnen nur zunehmend schwerer, weil die Gesetzeslage von Brüssel aus dauernd dahingehend geändert wird, dass der Mann am Ende des Monats nicht mehr viel auf dem Konto hat. Das wird von der Bundesregierung mitgetragen. Wenn pro Kopf der Familie ein bestimmter Freibetrag angerechnet würde, so wie Friedrich Merz es einst vorschlug, dann bekäme der Vater mehr von seinem Lohn und hätte das befriedigende Gefühl: “Ich kann diese Familie ernähren.”

The European: Aber fänden Sie es nicht gerecht, wenn auch der Mann zu Hause bleiben dürfte und die Frau sagt: “Ich kann diese Familie ernähren.”?
Herman: Solange ein Paar das individuell für sich so entscheidet, ist das in Ordnung. Aber wenn man daraus Gesetze ableiten will, wie es das Gender-Mainstreaming vorsieht und dieses Modell allen überstülpen will, auch jenen, die es anders machen möchten, ist es unakzeptabel. Eine Beschneidung der Freiheit!

The European: Haben Sie das Gefühl, dass Mütter, die gern zu Hause bleiben möchte, heutzutage schief angeschaut werden?
Herman: Das ist doch kein Wunder. In unserer Gesellschaft gilt: Eine Frau ist nur dann etwas wert, wenn sie einen guten Lohnzettel hat und einen ansehnlichen Job, während eine Frau, die zu Hause bei ihren Kindern bleibt, schnell als verstaubt diskriminiert wird, als fantasielos oder sogar als faul. Welche Frau entscheidet sich gern freiwillig für einen Lebensentwurf, den man so einschätzt? Diese Meinung wird den armen, jungen Frauen aufgedrückt, sodass es kaum noch eine wagt, zu sagen: Ich möchte gern bei meinen Kindern bleiben und im Job aussetzen.

The European: Sie selbst sind Mutter und arbeiten dennoch.
Herman: Mein Sohn ist 13, ist nicht mehr in der frühkindlichen Phase. Aber Sie haben schon recht: Selbst jetzt in der Pubertät muss ich hier sein. Und Sie erwischen mich eigentlich den ganzen Tag zu Hause. Ich lese zwar Nachrichten für einen Verlag, aber das ist hier um die Ecke und kostet mich morgens eine halbe Stunde. Ansonsten bin ich zu Hause, wenn ich nicht bei Vorträgen bin. Wobei mein Sohn aber auch mal ganz froh ist, wenn er etwas mit seinem Vater unternehmen kann. Muttern wird ihm zu langweilig. Ich kann schlecht mit ihm Fußball spielen gehen oder Wettschwimmen machen …

The European: Wie kam es denn zu Ihrem Engagement für den Kopp-Verlag?
Herman: Der Verleger Jochen Kopp und ich kamen eines Tages ins Gespräch und beschlossen unsere Zusammenarbeit. Wir haben ähnliche Ziele: Fernab aller Mainstream-Existenzen möglichst nah an die Wahrheit heranzukommen. Dafür müssen sowohl Herr Kopp, seine übrigen Autoren als auch ich schon mal Ärger einkalkulieren. Unterm Strich lohnt sich das jedoch immer.

The European: Der Verlag ist bekannt dafür, ein Anhänger und Verfechter von Verschwörungstheorien zu sein. Wie können Sie das mit sich vereinbaren und was versprechen Sie sich von Ihrer Arbeit für dieses Haus?
Herman: Nicht alle Verschwörungstheorien müssen falsch sein. Der Kopp-Verlag hat ein breites und hochinteressantes Sortiment an Büchern und Autoren. Und bemerkenswert ist: Die Prognosen einiger KOPP-Autoren, die von manchen “politisch korrekten” Medien immer wieder als sogenannte Verschwörungstheorien bezeichnet oder diffamiert wurden, traten nahezu alle- wie vorausgesagt -ein.

Ob es sich um den Pharmaskandal rund um die Schweinegrippe handelte, ob um den Börsencrash Anfang 2000, oder ob die schwere Wirtschaftskrise prognostiziert wurde oder die Explosion des Goldpreises, alles dies berichteten Kopp-Autoren lange vor der eigentlichen Offenlegung durch die sogenannten Qualitätsmedien. Denen bleibt inzwischen anscheinend nur noch die Möglichkeit, alles, was der mutige Kopp-Verlag veröffentlicht, in die Verschwörungstonne zu treten. Aus meiner Sicht pure Hilflosigkeit. Für seine Weitsicht und seinen ausgesprochenen Mut muss man dem Verleger Jochen Kopp Respekt zollen. Wie sagte Orwell: “In Zeiten, da Täuschung und Lüge allgegenwärtig sind, ist das Aussprechen der Wahrheit ein revolutionärer Akt.” Diesen Mut zur Wahrheit findet man im Kopp-Verlag. Und ich freue mich sehr, dabei zu sein.

“Ich würde mich gerne mal mit von der Leyens Kindern zusammensetzen”

The European: Was denken Sie über eine Frau wie Frau von der Leyen, die Mutter von sieben Kindern ist und trotzdem eine steile Politikkarriere hinlegt?
Herman: In den Augen sogenannter “emanzipierter” oder vielleicht sogar feministisch eingestellter Frauen ist das natürlich ein super Ding. Ich würde mich aber gerne mal mit den Kindern zusammensetzen, wenn ihre Mutter am Wochenanfang das Familienhaus in Niedersachsen verlässt und nach Berlin fährt, um erst am Wochenende wieder zurückzukehren. Vielleicht kommt sie auch unter der Woche abends mal abgekämpft vorbei. Wie fühlen sich die Kinder dabei? Der Ehemann? Es sind Zweifel angebracht, ob das das ideale Familienleben ist.

The European: Gibt es Länder, die es Ihrer Meinung nach besser machen?
Herman: Nach jahrzehntelanger Krippenkultur und Erwerbstätigkeit der Frau in Russland ist man dort gerade dabei, die Mütter wieder nach Hause zu kriegen. Der Kommunist und Marxist Friedrich Engels hat vor über hundert Jahren die sozialistische Idee vertreten, die Familien müssten zerstört werden, indem man die Mütter in die Erwerbstätigkeit schickt. Michael Gorbatschow hat Ende der 80er-Jahre, als er ein von 40 Millionen Alkoholikern gezeichnetes Land übernommen hat, das der Gewalt, der Korruption und dem Verbrechen anheimgefallen war, in seinem Buch “Perestroika” sinngemäß geschrieben: Das ist das Ergebnis dieses einst wohl gut gemeinten Ziels, die Frau dem Mann anzupassen und in die Erwerbstätigkeit zu schicken. Aber wir müssen alles tun, um diesen Fehler zu beseitigen.

Seitdem wird in Russland nicht mehr die Erwerbstätigkeit der Frau, sondern die Mutterschaft großgeschrieben. Familien werden finanziell unterstützt, in Teilen des Landes schenkt man ihnen ab dem dritten Kind einen Minivan. Die Russen haben erkannt, dass sie sonst keine Chance haben, mit ihrer Gesellschaft zu überleben. Auch Schweden, was lange als das Vorzeigekrippenland galt, hat längst umgeschwenkt. Da werden seit 2008 für jedes Kind monatlich drei Jahre lang 300 Euro extra bezahlt, damit die Mütter sich entscheiden können, zu Hause zu bleiben. Denn auch Schweden hat Riesenprobleme gesellschaftlicher Art bekommen. Genauso England, wo die Jugendkriminalität das allergrößte Problem geworden ist, wo Kinder und Jugendliche morden wie in keinem anderen Land. Dort ist man auf dem Rückzug, was die Fremdbetreuung in der frühkindlichen Phase angeht, denn man hört inzwischen auf die internationalen Bindungsforscher.

Hat Ihnen das Interview gefallen? Lesen Sie auch ein Gespräch mit Alexander Wallasch: „Dieses Mann-Frau-Ding ist doch aus den 1970er-Jahren!“

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