Demnächst wird die Gleichstellungsrichtlinie erzwingen, dass der nächste Bundeskanzler eine Frau wird. Edmund Stoiber

Unter Amazonen

Gleichberechtigung wird oft als Gleichstellung verstanden. Im Strudel der Fördergesetzgebung gehen Männer und Jungen daher zumeist unter.

Trotz des ansprüchlichen Namens ist die sogenannte Gleichstellungspolitik nur ein Programm, um einer Minderheit von Frauen Zugang zu Vorteilspositionen in Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und anderen Bereichen zu verschaffen. Exemplarisch hierfür ist die Forderung nach einer Frauenquote in Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen. Profitieren würden davon höchstens einige Hundert Karrieristinnen. Das Gros der Frauen hätte nichts davon, von den Männern ganz zu schweigen. Auch die gebetsmühlenartige Behauptung einer Lohndiskriminierung (trotz gegenteiliger Belege des Statistischen Bundesamtes) dient letzten Endes nur der Vorteilssuche.

Lobbyistisches Netzwerk per Gesetz

In der politischen Umsetzung sind Gleichstellung, Chancengleichheit und Gender-Mainstreaming synonym und fest in Frauenhand. Selbst der hehre Grundsatz der Gleichberechtigung wurde 1994 auf Druck von Frauenverbänden durch Erweiterung des GG Art. 3, 2 abgefälscht: „Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“ Von Gleichstellung oder von Frauenförderung steht da nichts. Es wird aber hineininterpretiert, die Gleichstellung von Männern und Frauen sei im Grundgesetz festgeschrieben.

Mit den Frauenfördergesetzen wurde seit Mitte der 1990er-Jahre ein lobbyistisches Netzwerk per Gesetz (!) etabliert: Tausende von Frauenbeauftragten, inzwischen rein kosmetisch umbenannt in Gleichstellungsbeauftragte, dazu Lehrstühle für Frauen- und Genderforschung, Frauenministerien auf Länder- und Bundesebene, unzählige kleinere, generös subventionierte Initiativen, nicht zuletzt Alice Schwarzers Frauenmediaturm. Was „zu beseitigende Nachteile“ sind, das bestimmen nunmehr diese Inhaberinnen der Definitionsmacht in Geschlechterfragen.

Männer haben sich weitgehend enthalten, was die Artikulation ihrer Interessen betrifft, obwohl sie immerhin den Löwenanteil der Frauenfördermilliarden aufbringen. Sie sind als Metaller für mehr Geld auf die Straße gegangen oder haben für die Freiheit ihrer Bits und Bytes eigens eine Piratenpartei aufgezogen. Aber Geschlechterfragen? Fehlanzeige. Nicht wenige Männer haben sich eine geschichtliche Schuld für „jahrtausendelange Unterdrückung“ von Frauen einreden lassen. Sie lassen sich „Machtprivilegien“ oder „patriarchale Dividende“ der Wirtschaftsbosse vorrechnen, sofern sie Geschlechterfragen nicht gleich als „Gedöns“ abtun. Diese Passivität rächt sich nun.

Unerkannte Benachteiligungen

Außer einigen profeministischen Umerziehungsprogrammen gibt es praktisch keine „Gleichstellung“ für Männer oder Jungen. Dabei wäre an beseitigungswürdigen Benachteiligungen kein Mangel: Familienrecht, Bildungsmisere der Jungen, Lebenserwartung, Diskriminierungen im öffentlichen Raum und am Arbeitsplatz. Interessierte Leser mögen sich auf der Seite der Initiative MANNdat informieren. Das Problem: Benachteiligungen von Männern werden schlicht nicht als solche anerkannt. Prominentestes Beispiel: Der Zwangsdienst beim Militär bzw. der Ersatzdienst, zweifelhaftes „Privileg“ von Männern, ist mitnichten allgemein, noch abgeschafft, wie gerne kolportiert. Er kann jederzeit reaktiviert werden.

Die Gleichberechtigung der Bürger, einst der Obrigkeit abgetrotzt, wurde zur Gleichstellung von Frauen „uminterpretiert“. Es geht dabei keineswegs um Chancengleichheit, sondern um ein ideologisch gefordertes und gefördertes Ergebnis. Die Gleichstellungspolitik ist damit nicht weniger als eine Rückkehr zum Staatsdirigismus.

Lesen Sie weitere Meinungen aus dieser Debatte von: Nils Pickert, Eckhard Kuhla, Henrike von Platen.

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